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Auf der Jagd nach Geld

Christoph Mohr
Viele MBA-Absolventen gehen zu Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds. Die Business-Schools haben ihr Angebot der Nachfrage angepasst. Und versuchen sich mit Veranstaltungen zu profilieren.
Es war längere Zeit eine gute Faustregel: von den Absolventen eines MBA-Jahrgangs einer guten Business-School gehen ein Drittel zu einem Beratungsunternehmen, ein Drittel ins Investment-Banking und ein Drittel in andere Bereiche.Doch seitdem zuletzt sogar namhafte Arbeitgeber hinter vorgehaltener Hand eingestehen, dass sie Schwierigkeiten haben, die guten MBA-Leute anzulocken, ist klar: Hier hat sich etwas geändert. Was das war, ist schnell zu erkennen. Für die besten MBA-Absolventen gibt es Jobs, die noch mehr Geld versprechen als die Millionen, die schon auf dem Tisch lagen. Die Karawane der Geldsucher ist weitergezogen: vom Investment-Banking zu Private-Equity- und Venture-Capital-Firmen und Hedge-Fonds.

Die besten Jobs von allen

Eine Handelsblatt-Umfrage unter einigen der führenden Business-Schools in Europa und den USA bestätigt den Trend: "35 Prozent unserer MBA-Absolventen, die in die Finanzindustrie gehen, haben in diesem Jahr ihre Absicht erklärt, bei einem dieser Unternehmen einzusteigen", erklärt Cathy Butler, Careers Director an der Judge Business School der Universität Cambridge. Tendenz steigend: Judge-MBA-Studenten müssen sich in einem eigenen Projekt mit der Finanzindustrie beschäftigen. Wählten 2005 elf Prozent davon eine der neuen Nischenfelder, waren es im letzten Jahr schon doppelt so viele.Eine zahlenmäßige Verdoppelung konstatiert auch die Tuck School of Business, eine der fünf führenden Business-Schools in den USA. "2004 gingen nur vier Prozent unserer Absolventen in diese Bereiche, 2005 waren es acht, 2007 zwölf Prozent", erklärt Katherine L. Riolo. "Von den 203 Insead-MBA-Absolventen, die 2005 in die Finanzindustrie gegangen sind, sind 14 Prozent zu einer Private-Equity- oder Venture-Capital-Firma gegangen, sieben Prozent zu einem Hedge-Fonds. 2006 waren es von 208 MBA-Absolventen 29 und acht Prozent."Fast schon typisch ist die Karriere von Alexander Stoeckel. Der BWL-Absolvent der European Business School (EBS) arbeitete als Vorstandsassistent für KPMG und Dachfondsmanager für Hauck & Aufhäuser, bevor er einen MBA an der Said Business School der Universität Oxford machte. Heute ist er Investmentmanager bei der Schweizer Venture-Capital-Firma Brains-To-Ventures in St. Gallen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neue Kurse im MBA-CurriculumBusiness-Schools wären nicht Business-Schools, wenn sie auf den Trend nicht reagiert hätten. So gibt es heute an praktisch allen führenden Schulen neu entwickelte Kurse im MBA-Curriculum."Als Antwort auf die Studentennachfrage haben wir vor drei Jahren den ersten Hedge-Fonds-Wahlpflichtkurs angeboten", erklärt Richard Barker, MBA-Director der Judge Business School. "Und jüngst haben wir noch einen neuen Capital-Markets-Kurs aufgelegt. Für den Hedge-Fonds-Kurs hat man sich gleich einen Mann aus der Praxis geholt: Kursleiter Chris Jones ist Chief Investment Officer bei Key Asset Management. Die Firma gilt mit ihrem Fund of Hedge Funds sogar als Pionier der Industrie."Unser Private-Equity-Kurs ist einer unserer populärsten Wahlpflichtkurse überhaupt", erklärt ein Sprecher der Said Business School der Universität Oxford. "In diesem Jahr hatten wir 90 Studenten in dem Kurs." Diesen dürfen auch Studenten aus dem MSc-Programm in Financial Economics belegen. Ähnliches ist von der NYU Stern School of Business in New York zu hören: "Wir haben drei Wahlpflichtkurse zu diesen Themen - Hedge Funds Strategies, Private Equity Finance und Hedge Fund Management - und sie sind alle sehr populär", erklärt Stern-Sprecherin Jessica Neville.Die IESE Business School in Barcelona setzt noch einen drauf. Es gibt nicht nur Kurse wie "Entrepreneurial Finance", "Private Equity", "Alternative Investments". "In einem unserer Kurse gibt es auch ein Investment Game", erklärt IESE-Sprecherin Cristina Gomis. Besonderheit: "Die Jury setzt sich aus echten Fondsmanagern der fünf wichtigsten Hedge-Fonds in London zusammen, was natürlich auch eine tolle Networking-Gelegenheit für unsere Studenten ist." IESE hat sich mit Heinrich von Liechtenstein, dem Mitbegründer des unabhängigen Finanzranking-Instituts firstfive und Business Angel, auch einen intimen Kenner der Szene ins Haus geholt.Noch weiter geht die Kellogg School of Management in Chicago. Hier kann man sich aus einem Angebot von zwei Dutzend Kursen neuerdings einen eigenen Schwerpunkt ("concentration") in Private Equity zusammenstellen. Und um auch auf der Forschungsseite ganz vorne mitzuspielen, hat Kellogg einen neuen "Advanced Derivatives"-Kurs für das Ph.D.-Programm entwickelt.Eine ähnliche Schwerpunktsetzung ist in Europa an der London Business School möglich. Ein Dutzend verschiedener Wahlpflichtkurse steht für diese "specialisation" zur Auswahl. "Financial Analysis of Mergers" und "Venture Capital and Private Equity" sind bei den MBA-Studenten dort sehr beliebt. Darüber hinaus hat die London Business School - die Nähe zum Finanzzentrum City verpflichtet - ein eigenes Abendprogramm für Private-Equity-Professionsals im Angebot.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wie sich Schulen profilierenAber Business-Schools organisieren nicht nur neue Kurse für ihre Studenten. Vielerorts versuchen die Schulen, sich mit Veranstaltungen, ja sogar mit eigenen Konferenzen zu profilieren.In New York gibt es an der NYU Stern School of Business eine neue Veranstaltungsserie "Chats with Financiers". In Oxford versucht man mit dem "Oxford Private Equity Network" die infrage kommenden Partner zu vernetzen; an der Said Business School veranstaltete die Initiative in diesem Jahr ihr "Private Equity Forum", eine eintägige Veranstaltung, die sich als alljährlicher Fixpunkt für Private Equity- und Venture-Capital-Firmen in Europa profilieren soll. In den USA hat Tuck in diesem Sommer eine eigene Hedge-Fonds-Konferenz veranstaltet. Eine Private Equity-Conference gibt es an der Wharton School in Philadelphia.An der IESE Business School in Barcelona hat der deutsche MBA-Student Jan Schuster den Private Equity Club ins Leben gerufen, der Veranstaltungen und eine eigene Venture-Capital-Competition organisiert. Der Private Equity Club von Insead zählt bereits 200 Mitglieder in Fontainebleau und Singapur und ist stolz darauf, die mit mehr als 100 Teilnehmern aus der Finanzindustrie und 200 Studenten größte studentenorganisierte Private-Equity-Konferenz in Europa auf die Beine gestellt zu haben. Wenig beeindruckend für die Amerikaner: Im nächsten Jahr organisiert der Private Equity & Venture Capital Club der Columbia Business School die 13. Auflage seiner jährlichen Konferenz.Unterlegt sind solche Aktivitäten an führenden Business-Schools immer auch mit Forschung. Einige Schulen haben sogar eigene Forschungszentren aufgebaut, in den USA etwa das Center for Private Equity and Entrepreneurship. In Europa ist die London Business School mit ihrem Parisbas BNP Hedge Fund Centre führend.Einige dieser Forscher erregen sogar mediales Aufsehen. So veröffentlichte NYU-Stern-Professorin April Klein zusammen mit dem Doktoranden Emanuel Zur ein Papier, in dem sie nachwies, dass aggressive Forderungen von Hedge-Fonds in 60 Prozent der Fälle zum Erfolg führen. Sie wurde weltweit zitiert.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.10.2007