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Au-Pair in Barcelona

Aufgezeichnet von Liane Borghardt
Tanja Wulf war nach dem Abi neun Monate als Aupair und Gast-Studentin in Barcelona. Die 22-Jährige studiert Internationale Betriebswirtschaftslehre an der Uni Erlangen-Nürnberg
Tanja Wulf war nach dem Abi neun Monate als Aupair und Gast-Studentin in Barcelona. Die 22-Jährige studiert Internationale Betriebswirtschaftslehre an der Uni Erlangen-Nürnberg:

Weil ich nicht genau wusste, was ich studieren soll, habe ich mich nach dem Abi für ein Überbrückungsjahr entschieden. Eine frühere Lehrerin von mir unterrichtet an einer deutschen Schule in einem Vorort von Barcelona. Sie hat mir den Kontakt zu einer spanischen Familie vermittelt. Für die Betreuung ihres zehnjährigen Sohnes suchte die ein Aupair-Mädchen. Im September bin ich los, neun Monate sollte ich mich um Enrique kümmern. Seine Eltern waren den ganzen Tag beruflich unterwegs. Um sieben Uhr bin ich mit Enrique aufgestanden und habe ihn zum Schulbus gebracht. Dann habe ich eingekauft und bin für zwei Stunden in die Sprachschule zum Spanisch-Unterricht gegangen. Anschließend nach Hause, Mittagessen kochen. Am Nachmittag habe ich Enriques Hausaufgaben kontrolliert - und das war's dann.

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Vor meinem Aufenthalt war vereinbart worden, dass ich mit ihm nachmittags raus gehen soll. Ich hatte mir darauf gefreut, mit ihm zum Beispiel Fußball zu spielen. Aber Enrique interessierte sich nur für Computerspiele. Mädchen fand er doof, mich also auch. Ein richtiger Eigenbrötler. Gegen 19 Uhr kamen seine Eltern nach Hause. Ich hatte frei und konnte mich mit den Leuten treffen, die ich aus der Sprachschule kannte. Mit der Familie im Wohnzimmer zu sitzen, habe ich nach einiger Zeit aufgegeben. Oft war dicke Luft zwischen den Eltern. Und sie haben mich spüren lassen, dass mein Dienst nach 19 Uhr vorbei ist, und ich dann nicht mehr willkommen bin. Ein Gespräch mit der Mutter hat nichts an ihrem Verhalten geändert. Nach viereinhalb Monaten bin ich ausgezogen, in eine WG mit drei Spanierinnen. Vormittags habe ich weiter die Sprachschule besucht, nachmittags an der Uni Geschichts- und Politikkurse für Ausländer. Geld verdienen war kein Problem: mit Nachhilfeunterricht, Baby-sitten und Hostessen-Jobs. Ich bin im Nachhinein froh, dass ich wie geplant neun Monate in Spanien geblieben bin. Auch, um festzustellen, dass Dinge wie Wohnungssuche im Ausland nicht schwieriger sind als zu Hause.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2002