Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Astrid Rauchfuss

Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV
Teil V
Teil VI
Teil VII

Teil VII
Shame on me! Seit mehr als zwei Monaten halte ich bereits mein INSEAD MBA-Diplom in der Hand - am 18. Dezember fand die Graduation-Feier in Paris statt. Leider komme ich erst jetzt dazu, mein MBA Tagebuch abzuschließen. Aber immer der Reihe nach ...

Die besten Jobs von allen

Nach meiner Zeit in Singapur bin ich im letzten Term wieder nach Fontainebleau zurückgekehrt. Diese Entscheidung habe ich auf keinen Fall bereut. Ganz im Gegenteil, ich würde behaupten, dass meine INSEAD-Erfahrung erst dadurch komplett wurde. Schließlich zeichnet sich die Schule neben vielen anderen schlagkräftigen Argumenten (einjähriges Programm, Internationalität der Teilnehmer, Kursangebot, etc.) gerade durch die Möglichkeit aus, zwischen Asien und Europa wechseln zu können. Nichtsdestotrotz würde ich auch jederzeit wieder in Singapur anfangen. Die Überschaubarkeit des dortigen Campus sowie der zugehörigen Studentenschar ist gerade am Anfang des Programms äußerst angenehm.Ich habe auch meine letzen drei Wahlfächer erfolgreich abgeschlossen. Eine meiner wichtigsten Prüfungen hatte ich mir jedoch noch ganz für den Schluß aufgehoben: Spanisch. Für einen Abschluß am INSEAD muß man drei Sprachen (inklusive der Muttersprache sowie natürlich Englisch) beherrschen und dies durch entsprechende Zertifikate nachweisen. Einige meiner Mitstudenten hatten für ihre Drittsprache durchaus exotische Variationen gewählt, in Singapur war z. B. Mandarin äußerst beliebt. Ich hatte meine Spanischkenntnisse in Sprachkursen in Spanien und Mexico erworben, allerdings keine Kurse am INSEAD selbst belegt. Die Prüfung an der Sprachschule in Fontainebleau bestand aus einem mündlichen und schriftlichen Teil. Neben Vorbereitung eines Referats über ein spanisch-sprachiges Land stand also mal wieder Grammatik-Pauken auf dem Programm. Aber das Büffeln hat sich gelohnt und so hielt ich zum Schluß stolz mein Spanisch-Diplom ("Working Knowledge") in der Hand.In fünften Term standen auch noch einmal wesentliche Höhepunkte des sozialen und kulturellen Lebens am INSEAD an: Winterball sowie Cabaret - beide mit langer Tradition. Bei letzterer Veranstaltung war ich verblüfft zu sehen, in wie vielen meiner Mitstudenten wahre Künstler stecken. Die Aufführungen reichten von Gesang über Tanz hin zu Comedy und der INSEAD-Band. Die Band hatte auch beim Winterball - äußerst festlich in einem wunderschönen Chateau - aufgespielt. In die Vorbereitung, Planung und Proben solcher Aktivitäten und Veranstaltungen stecken viele Studenten einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Freizeit. INSEAD wäre nicht INSEAD ohne diese Events.Uns allen wird wohl auch die Skiwoche in Courchevel zwischen den letzten Prüfungen und der Graduation in lebhafter Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt, weil diese gemeinsame Reise zum ersten Mal die Leute vom Singapore- wie Fontainebleau-Campus so richtig vereint hat. Ungefähr 150 der 400 "Januaries" waren dabei.Auch die zwei Monate im Anschluß an den MBA, die ich von BCG noch zusätzlich freigestellt war, habe ich mit Studienkollegen vom INSEAD verbracht: Gemeinsam mit ein paar Freunden habe ich Peru, Bolivien und Brasilien bereist - unsere Bekannten vor Ort waren die besten Fremdenführer, die man sich vorstellen kann. Kein Wunder also, dass die vergangenen Wochen ein krönender Abschluß waren von vierzehn unglaublich intensiven, abwechslungsreichen und mit neuem Wissen, Eindrücken und Bekanntschaften vollgepackten Monaten.Seit Montag hat mich der Alltag wieder. Ich bin zurück in München und sitze bereits im BCG-Büro. Ab kommenden Montag bin ich bereits auf meinen neuen Fall: Telekom und IT (meine zwei Schwerpunktthemen bei BCG) in der Schweiz. Ich bin schon ganz gespannt darauf, mein neu erworbenes MBA-Wissen möglichst weit reichend zum Einsatz bringen zu können.Die Zeit ist wirklich vergangen wie im Fluge, aber ich schaue zurück auf "das beste Jahr in meinem Leben". Zu Beginn des MBA schmunzelt man noch über diese Bemerkung der Alumni, doch mittlerweile gebe ich ihnen Recht. Ich habe unglaublich viel gelernt in dieser Zeit, nicht nur in den Bereichen Finance, Produktentwicklung oder Marketing, sondern auch über mich selbst und andere Kulturen. Und natürlich habe ich viele gute Freunde gefunden - und vielleicht auch künftige Geschäftspartner.Insgesamt kann ich einen MBA am INSEAD also nur empfehlen, die Internationalität der Schule, das Einjahresprogramm sowie die angebotenen Kurse haben mich restlos überzeugt. Und wer Zweifel hat bezüglich der Campuswahl, dem kann ich nur sagen: Singapore rocks!

Teil VI

Ich kann es selbst kaum glauben: Ich bin tatsächlich wieder in Europa! Wenn ich mich auch schon vor ein paar Monaten für den Campuswechsel entschieden hatte, so habe ich den vergangenen Wochen doch immer wieder mit mir gerungen, ob ich nicht doch die verbleibenden zwei Monate besser in Singapur hätte verbringen sollen. Und so war es auch ein äußerst komisches Gefühl, als ich nach meiner letzten Asienreise (Hanoi & Halong Bay in den Kurzferien zwischen P4 und P5) am Flughafen in Singapur zurückblieb, um nach Deutschland weiterzureisen, während die anderen "nach Hause" fuhren. Aber letztlich bin ich nun doch überzeugt, dass die Entscheidung richtig war: Schließlich wollte ich auch den ursprünglichen Campus in Fontainebleau kennenlernen und all die Leute wiedersehen, mit denen ich im Januar 2002 in Singapur gestartet war und die bereits früher nach Frankreich gewechselt waren.

Und so waren die ersten Tage auf dem Fontainebleau-Campus auch geprägt vom freudigen Wiedersehen mit alten Bekannten. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass die Leute aus Singapur einen wesentlich festeren Zusammenhalt als Gruppe haben. Aber das ist in Anbetracht der Überschaubarkeit des Singapur-Campus mit einem fast familiären Feeling keine Überraschung. Die anderen wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden INSEAD- Locations liegen auf der Hand: Zum einen muss ich mich an die hiesigen Temperaturen nach zehn Monaten Asien erst einmal wieder gewöhnen. Und neu ist auch, dass plötzlich alle Leute so weit voneinander entfernt wohnen (das Übliche: "Lass uns um Neun vor Dover treffen", funktioniert also nicht mehr) und ein Auto praktisch ein Muss ist. Auf der anderen Seite haben die hiesigen Chateaus, in denen die meisten der Studenten leben, durchaus ihren Charme. Ein weiterer Unterschied ist natürlich die Größe: Hier in Fontainebleau gibt es wesentlich mehr Studenten, wesentlich mehr Kurse, oft sogar zwei Sektionen, und der Campus ist bedeutend größer. Zudem finden hier auch wesentlich mehr Executive-Programme statt, so daß alles ein wenig mehr "senior" erscheint.

Während wir im letzten Term noch einen Mix aus Pflicht- und Wahlfächern hatten, belegen wir in diesem nur noch letztere. Dass man sich die Kurse nach eigenem Gusto aussuchen kann, motiviert natürlich sehr und garantiert in der Regel eine äußerst interessierte Teilnehmerschar in den jeweiligen Kursen. Ich habe mir für die verbleibenden Wochen ein sehr spannendes und vielfältiges Kurs-Paket zusammengestellt, mit dem ich meine bisher erworbenen MBA-Kenntnisse abrunden möchte: Applied Corporate Finance (ACF), Industry and Competitor Analysis (ICA) und Global Strategy & Mangement. In ACF wenden wir die Konzepte, die wir uns in Financial Accounting, Finance I and II so mühsam angeeignet haben, in realen Cases an. Der Kurs zeigt sich (leider) bereits so arbeitsintensiv, wie er uns von Mitstudenten, die ihn schon in einem früheren Term belegt hatten, beschrieben und auch von unserem Professor angedroht wurde. Allerdings lernt man doch am meisten, wenn man sich wirklich selbst durch jeden einzelnen Fall "hindurcharbeitet". In ICA analysieren wir Erfolgskonzepte für verschiedene Industrien - so auch die Portfolio-Matrix, die mich an meine Zeit und Zukunft als Consultant bei BCG erinnert. Global Strategies & Management bietet einen angenehmen Kontrast zu den beiden anderen, eher zahlengetriebenen Kursen und beschäftigt sich in erster Linie mit Fragestellungen zur Auswirkung von Globalisierung auf Strategien von Unternehmen sowie mit Entscheidungen "global vs. local". Letzteres Thema ist in Bezug auf Branding auch der Titel unseres Projekts in diesem Fach - in allen drei Kursen ist in alter INSEAD-Tradition wieder einmal überwiegend Teamarbeit angesagt. In diesem Term belege ich zudem einen Kurs etwas anderer Art: Wine-Tasting. Schließlich muss man sich den regionalen Gepflogenheiten anpassen ...

Meine letzten drei (ok, vier) INSEAD-Kurse ... leider liegen nur noch wenige Wochen des MBA's vor uns. Und so wird die Frage nach dem "Danach" für die meisten Mitstudenten immer drängender. Beim On-Campus-Recruitment mit Firmenpräsentationen und Bewerbungsrunden - Leute im Anzug gehören damit zum täglichen Bild am INSEAD - sind vor allem Unternehmensberatungen und Banken präsent, Industrieunternehmen hingegen weniger. Einige Studenten haben bereits Angebote erhalten, viele hingegen sind noch immer auf der Suche nach einem Arbeitgeber. Insgesamt scheint sich der Markt für MBA-Studenten zwar wieder zu erholen, aber das Angebot reicht bei weitem noch nicht an alte Zeiten heran. Aber wenn wir die Wahl hätten, würden wir uns wohl alle am liebsten gleich wieder am INSEAD bewerben - oder zumindest um einen weiteren Term verlängern.

So werden wir die verbleibende Zeit - neben Kursen und Jobsuche - sicher auch noch einmal in vollen Zügen genießen. National Weeks spielen dabei mal wieder eine zentrale Rolle. Da ich schon langsam Asien-Entzugserscheinungen habe, kam vergangene Woche die Indian Week mit traditionellem Dinner, indischen Filmen und Bollywood-Tanzwettbewerb wie gerufen. Und ab morgen heißt es dann "O'zapft is!" - German Week, die Zweite ...

Teil V

Zurück in Singapur. Nach zwei Monaten Asien-Rundreise mit dem Rucksack ist die "Rückkehr in die Zivilisation" fast ein kleiner Kulturschock - alles ist so geordnet, organisiert, sauber, aufgeräumt. Mit dem Gefühl, Asien in seiner unglaublichen Vielfalt ein wenig besser kennen gelernt zu haben, freue ich mich auf die verbleibenden zwei Monate am INSEAD in Singapur, bevor ich mich für den letzten Term wieder nach Europa begebe.

Seit zwei Wochen läuft der Unterricht wieder. Das Bild hat sich gewandelt: Viele meiner Mitstudenten sind nach Fontainebleau gewechselt, dafür sind alte Bekannte zurückgekehrt (diejenigen, die im dritten Term gewechselt hatten) und neue Gesichter vom französischen Campus zu uns gestoßen. Zudem sind die "Neuen" da - INSEAD hat zwei Starttermine pro Jahr, im Januar und September. Ca. 100 neue Studenten stehen dort, wo wir noch vor ein paar Monaten waren. Schon komisch, wie schnell man hier zum "Senior" wird.

Auch der Stundenplan hat ein neues Gesicht. Die Kurse, die wir in diesem Term belegen, haben einen etwas anderen Charakter als in den ersten drei Monaten. Während zu Beginn des MBA sehr viel Wert auf die Grundlagen (z.B. Financial Accounting, Marketing) gelegt wird, verschiebt sich der Fokus stärker in Richtung Management. Denken in größeren Zusammenhängen, in denen wir später einmal agieren werden. Zwei Hauptfächer bestimmen den Term: Zum einen "Industrial Policy and International Competiveness" - hier geht es vor allem um den Welthandel und Industrierichtlinien auf nationaler und internationaler Ebene wie Globalisierung, Deregulierung und Privatisierung. Zum anderen "International Political Analysis", ein Kurs, der weniger Vorlesung ist als vielmehr Diskussionsrunde.

Auch meine beiden Wahlfächer zielen eher auf General Management Skills ab: "Strategies for Product and Service Development" sowie "Comparing the World's Business Systems". Insbesondere der Strategiekurs scheint mir besonders wertvoll, verknüpft dieser doch industriespezifisches Know-how, Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen und Managementfähigkeiten. Und gerade diesen Themen-Mix möchte ich - ausgehend von meinem Physik-Background und meiner Beratungserfahrung bei der Boston Consulting Group - mit dem MBA erweitern. Cases wie jener zur Produktentwicklung von Halbleiter-prozessierenden Maschinen, mit denen ich während meiner Diplomarbeit selbst gearbeitet habe, lassen mein Herz natürlich höher schlagen. Im Rahmen dieses Kurses werden wir auch ein konkretes Projekt bearbeiten - die Entwicklung einer eigenen Geschäftsidee im Bereich Service Development, Corporate Entrepeneurship und Innovation. Ich kann also mein erworbenes Wissen unmittelbar anzuwenden. Zunächst aber geht es in den nächsten Tagen erst einmal darum, meine natürlich noch sehr unausgegorene Idee in einen Projektvorschlag zu gießen. Nur so viel vorab: Ich plane sowohl meine Erfahrungen aus der Forschung als auch aus der Beratung einfließen zu lassen.

"Comparing the World's Business Systems" gibt einen Überblick über verschiedene Wirtschaftssysteme und stellt die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Kulturen und "natürlicher" Industrien da. Dieses Fach hat für mich insbesondere nach der Asienreise noch einmal an zusätzlicher Bedeutung gewonnen. Es war verblüffend zu realisieren, wie unterschiedlich die Kulturen hier in Asien sind (und nicht nur von Land zu Land, im Falle von Indonesien sogar von Insel zu Insel), gerade weil wir als Europäer diese viel zu oft einfach in einen Topf packen wollen. Zumindest hat der MBA in Singapur meinen Horizont ungemein erweitert und ich würde - im Gegensatz zu vorher - einen temporären beruflichen Wechsel nach Asien unbedingt in Erwägung ziehen. Wer weiß - vielleicht kann ich ja im Rahmen des Ambassador-Programms vom BCG ein Jahr lang vor Ort in der Niederlassung in Singapur, Shanghai oder Kuala Lumpur arbeiten.

Überhaupt: Was kommt nach dem MBA? Das Thema Jobsuche hat für viele Studenten mittlerweile eine zentrale Rolle eingenommen und war nicht zuletzt der Grund, warum viele nach Europa gewechselt sind. Inzwischen läuft das On-Campus Recruiting an: Viele Unternehmen kommen direkt nach Singapur, andere stellen sich mit Videokonferenzen potenziellen Bewerbern vor. In den kommenden zwei Monaten finden mehrmals wöchentlich Firmenpräsentationen statt. Im Moment werben vor allem die Unternehmensberatungen und Banken um uns Absolventen, etwas später versuchen dann auch zunehmend Industrieunternehmen, die bekanntlicherweise bezüglich Jobs einen wesentlich kürzeren Planungshorizont haben, geeignete Kandidaten zu rekrutieren. Zudem bieten die Carrier Management Services am INSEAD eine Vielzahl von Workshops zu Themen wie Interviewtechnik oder Gehaltsverhandlung an, um sich auf die Jobsuche vorzubereiten.

Neben Coursework und Jobsuche kommt natürlich auch das (Freizeit-)Leben INSEAD nicht zu kurz. Schließlich müssen wir noch einmal ausgiebig Singapur und die umliegenden Ziele genießen, gehen doch einige von uns Ende Oktober nach Europa (zurück) bzw. wechseln nach Wharton in den USA. So werden fleißig Reisepläne geschmiedet, die Tauchkurse starten wieder und gerade ist auch der Aufruf für eine neue Runde der National Weeks rausgegangen. Im nächsten Diary gibt es also sicher wieder genügend zu berichten.

Lear Heouy! Adeus! Selemat tinggal! Laa kawn!Tam biet! Astrid

Teil IV

Die drängende Frage zuerst: SARS ist mittlerweile - fast - kein Thema mehr. Zwar müssen wir noch immer jeden Morgen Fieber messen, aber Singapore ist schon lange von der Liste der gefährdeten Länder gestrichen worden.

Im Moment bestimmen die bevorstehenden Prüfungen des dritten Terms das Gespräch. Wie jedes Mal zur Prüfungszeit ist es ein wenig ruhiger. Die meisten Studenten haben sich in ihre Apartments oder in die kleinen Arbeitsräume in der Schule zurückgezogen, um zu "pauken": die drei Hauptfächer Finance II, Macroeconomics und Strategic Management sowie die jeweiligen Wahlfächer. Die neue Gruppeneinteilung in den Kernfächern (core courses) aber vor allem die Vielfalt bei den Wahlfächern (electives) sorgte für eine neue Durchmischung der Studenten. So können wir hier in Singapore nach sechs Monaten sicher behaupten, uns gegenseitig sehr gut zu kennen. Das bestätigten auch die neu dazu gekommenen Fontainebleau-Studenten, die sich sehr schnell vom persönlicheren Stil hier am asiatischen INSEAD-Campus überzeugen ließen.

Im Anschluss an die Prüfungen in der kommenden Woche steht für viele jedoch ein wesentlich größerer Break an: Viele meiner Singapore-Kommilitonen wechseln nach den Sommerferien nach Frankreich. Ich habe mich entschlossen, auf jeden Fall noch den nächsten Term im Herbst hier zu absolvieren. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen, weil bei mir die Jobsuche dank meiner Rückkehrmöglichkeit zu BCG keine wesentliche Rolle spielt - nach meinem MBA kann ich wieder als Beraterin bei BCG arbeiten. Viele andere Studenten kehren jedoch nach Europa zurück, um dort vor Ort nach einem neuen Arbeitgeber zu suchen. Zum anderen bleibe ich auch deshalb weiter am INSEAD, weil ich Asien noch besser kennenlernen möchte. Aus diesem Grund nutze ich auch die anstehenden zwei Monate Sommerferien, um gemeinsam mit Freunden vom INSEAD und aus München Indonesien, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam zu bereisen.

Im zu Ende gehenden Term habe ich vor allem meine Wahlfächer genossen. Glücklicherweise kam es in Singapore gar nicht erst zum eigentlichen Biddingprozess; ich konnte also meine beiden Favoriten, New Business Ventures und Negotation Analysis, belegen. Die Strukturen der Wahlfächer weichen zum Teil doch wesentlich von denjenigen in den Hauptfächern ab. In New Business Ventures habe ich gemeinsam mit einem selbst gewählten Team eine Business Evaluation vorgenommen. Dabei konnten wir auf eine eigene Geschäftsidee oder eine der zahlreichen Business Opportunities, die sich zur Zeit in Singapore bieten, zurückgreifen. Wir haben für dieses Projekt mit einem Research Institute hier in Singapore zusammengearbeitet, die eine neue Technologie im Bereich Nanotechnologie entwickelt haben. Für mich als Physikerin war dieses Thema natürlich ganz besonders spannend. Zum ersten Mal konnte ich mein komplettes Wissensspektrum - technische Grundlagen und das Verständnis für die Besonderheiten des Wissenschaftsbetriebs, wirtschaftliches Know-how sowie die theoretische Basis aus dem MBA-Studium - in der Praxis zum Einsatz bringen. Außerdem haben wir Singapore als einen durchaus vorteilhaften Standort für Unternehmensgründungen insbesondere in neueren Technologien kennengelernt. Der INSEAD-Campus hier in Singapore will sich diesen Standortvorteil auch unbedingt zu Nutze machen und einen Schwerpunkt im Bereich Entrepeneurship sowie Pharma/Life Science aufbauen.

Mein zweiter Wahlkurs Negotation Analysis hat mein Bild von Verhandlungen grundlegend verändert. Ich werde wohl nie mehr in eine Verhandlung starten, ohne mein BATNA (Best Alternative To Negotiated Agreement) genau zu kennen oder ohne zahlreiche Optionen zum beiderseitigen Nutzen ausgearbeitet zu haben. Spaß machen vor allem die zahlreichen praktischen Übungen, in denen man zu zweit oder mehreren einen bestimmten Case verhandeln musste. Es ist verblüffend zu sehen, wie schnell man sich in eine Rolle hineinfindet - und verbittert um die Rechte an einer speziellen Software kämpft oder versucht, den optimalen Vertrag für einen Fußballstar auszuhandeln.

Neben dem Pauken kam natürlich auch das Feiern im letzten Termin nicht zu kurz. Die wesentlichen sozialen Events im vergangenen Term waren die Latin Week, die nationenübergreifend von Spaniern, Italienern, Portugiesen, Griechen, Argentiniern und Brasilianern organisiert wurde. Wir Deutschen veranstalteten mit den Österreichern und Schweizern die D-A-CH Week mit typisch deutschem Programm: mit Erdinger Festspielen mit Tauziehen und einem Weißwurstfrühstuck; mit einer Feuerzangenbowle - und zwar Film und Getränk, zubereitet mit extra aus Deutschland eingeflogenen Zuckerhüten; und einem Kinoabend mit "Lola rennt". Außerdem fand letzte Woche der legendäre INSEAD-Summerball auf Sentosa statt, der ganz asiatisch unter dem Motto "A sensuous journey along the Silk Road" stand.

Doch nun heißt es - neben fleißigem Studieren - erst einmal wieder packen: Das Apartment muß leer geräumt, zahlreiche Ordner und Bücher (geballtes Wissen, das sich hoffentlich zum Grossteil bereits in meinem Kopf befindet) nach Deutschland verschifft und der Rucksack für die zweimonatige Asienreise geschnürt werden.

Sonnige Gruesse, Astrid

Teil III

Ihr könnt Euch wahrscheinlich schon denken, welches Thema zur Zeit das Tagesgespräch in Singapore und damit auch am INSEAD bestimmt: SARS. Während die Schulen in Singapore bereits seit Wochen geschlossen sind, findet der Unterricht hier wie geplant statt. Allerdings wurden zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen in Kraft gesetzt: Die Hygienevorkehrungen wurden drastisch verschärft - so gibt es in der Kantine beispielsweise nur noch Plastikbesteck. Von Reisen in SARS-Infektionsgebiete wird dringend abgeraten; Personen, die aus Hong Kong oder Guangdong zurückkehren, müssen für zehn Tage von zu Hause aus arbeiten. Ein offizieller Newsletter informiert uns laufend über die neusten Entwicklungen und die Reaktionen des INSEAD.

Studenten, die geplant hatten im nächsten Term von Fontainebleau nach Singapore zu wechseln, können diese Entscheidung wieder rückgängig machen. Die Campus-Wahl wird aber nicht nur wegen der SARS-Situation heiß diskutiert. Schließlich bietet INSEAD mit den beiden Standorten Singapore und Fontainebleau sowie mit der seit drei Jahren bestehenden Kooperation mit der Wharton Business School in USA die einzigartige Möglichkeit, ein MBA-Studium auf drei Kontinenten zu absolvieren. Während man die ersten beiden Terms am Start-Campus absolvieren muss, kann man für die verbleibenden drei Terms zwischen Singapore und Fontainebleau wählen und für die letzten beiden Monate nach Wharton gehen. Ich muss zugeben, dass mir die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Ich war zu Beginn des Programms überzeugt, auf jeden Fall die gesamte Zeit in Asien bleiben zu wollen. Allerdings kommen im Laufe des Programms neue Faktoren ins Spiel: Wo werden meine favorisierten Wahlfächer (electives) angeboten? Für welchen Campus entscheiden sich meine neu gewonnenen Freunde? Ich habe mir jetzt jedenfalls die Option offen gehalten, für den letzten Term nach Fontainebleau zu gehen.

Aber damit nicht genug der Entscheidungsqual. Bis nächsten Montag läuft der Biddingprozess - ähnlich einer Versteigerung - für die Wahlfächer im nächsten Term. Für den MBA-Abschluss am INSEAD benötigt man insgesamt 22 Credits, in der Regel 15 Pflichtkurse (z.B. Finance, Management Accounting and Process & Operations Management in diesem Term) sowie sieben Wahlfächer. Falls man durch erfolgreiches Bestehen einer Auswahlklausur nachweisen kann, dass man bereits ausreichendes Wissen auf einem Gebiet besitzt, kann man auch Pflichtkurse gegen Wahlfächer tauschen. Ich verspreche mir besonders viel von den Wahlfächern, da man diese auf die persönlichen Interessen zuschneiden kann. Business Ventures und Negotiation Analysis sind meine Favoriten für den zweiten Term. Da sich zum Teil zu viele Studenten für ein bestimmtes Wahlfach interessieren - auch weil die Klassengröße mit 48 gegenüber 60 in den Pflichtfächer geringer ist - ,werden die Kurse am INSEAD im Bidding-Verfahren vergeben. Insgesamt 100 Punkte gilt es deshalb intelligent auf die gewünschten Wahlfächer in den verbleibenden drei Terms zu verteilen. Für den Singapore Campus spricht dabei die Tatsache, dass hier der Biddingprozess noch nie wirklich angewendet werden mußte.

Nun muß ich mich aber beeilen, das Wochenende steht vor der Tür - ich fliege gemeinsam mit ein paar Freunden vom INSEAD nach Langkawi, Malaysia - Strand & Sonne!

Bis zum nächsten Mal, Eure Astrid

Teil II

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit hier am INSEAD verfliegt. Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. Meine Entschuldigung lautet schlichtweg: unglaublich viele Erlebnisse, neue Eindrücke und neue Freunde, viel Arbeit, aber auch jede Menge Vergnügen.

Mittlerweile ist der erste Term schon wieder vorbei. Die Palette der Core Courses war breit gefächert: Financial Accounting, Prices & Markets, Marketing Management, Managerial Behavior und Applied Statistics. Jeder entwickelte natürlich seine eigenen Vorlieben: Während ich als Physikerin mich verständlicherweise eher für die quantitativen Fächer begeistern konnte, lagen manch einem die Diskussionen in Marketing wesentlich mehr. Es ist sicher keine leichte Aufgabe für unsere Professoren, den Unterricht für alle Studenten - von Neulingen bis hin zum Experten auf dem jeweiligen Gebiet - spannend zu gestalten. Sie waren meiner Meinung immer dann besonders erfolgreich, wenn es ihnen gelang, unsere eigenen Erfahrungen in den Kurs einzubauen. Über immer dieselben Themen konnte sich jedoch niemand beklagen, denn der Unterricht war immer abwechslungsreich gestaltet. In diesem Punkt ist INSEAD aus meiner Sicht ein Vorreiter unter den Business Schools.

Die Inhalte werden mit ganz unterschiedlichen Trainingsmethoden vermittelt: Es gibt natürlich traditionelle Case Studys und normale Vorlesungen - oft mit Gastrednern, aber eben auch Online-Simulationen von Maerkten, und Videos (z.B. erfolgreiche Werbekampagnen). Außerdem gefällt mir der gute Mix aus Individual- und Gruppenarbeit. Für die ersten beiden Terms wird man einer Gruppe fest zugeordnet, die angeblich durch die unterschiedlichen Backgrounds und Nationalitäten auf maximalen Konflikt ausgelegt ist. Wir haben uns aber noch nicht zerfleischt. Aber dazu demnächst mehr, da wir im zweiten Term noch stärker in den Teams arbeiten werden.

Ich hatte in meinem ersten Tagebuch-Eintrag vermerkt, wie wichtig es am INSEAD und sicher an jeder Business School ist, von Anfang an Prioritäten zu setzen. Bei der Vorbereitung der Courses wird man buchstäblich erschlagen mit reading material, exercises, optional reading material, additional exercises, ... Man muss sehr schnell einen Weg finden, die wichtigsten Dinge herauszufiltern, um sich optimal auf den Unterricht vorbereiten zu können. Ähnlich ist es bei den Final Exams: Wir hatten bis Freitag Abend Schule, Montag und Dienstag waren die Prüfungen. In dieser stressigen Phase war ich mal wieder sehr froh, mich im entscheidenden Moment auf das BCG- Netzwerk verlassen zu können. Denn natürlich gab mein Laptop-Bildschirm im denkbar ungeeignetsten Moment seinen Geist auf. Aber glücklichweise bekam ich vom BCG Büro in Singapur innerhalb von Stunden einen Ersatzcomputer.

Völlig ungewohnt war für mich nicht nur die kurze Vorbereitungsphase, sondern auch der Prüfungsstil. Während alle Vor- und Hauptdiplomsprüfungen in Physik an der LMU München mündlich abgehalten wurden, musste ich mich hier plötzlich für drei bis vier Stunden auf ein schriftliches Examen konzentrieren. Um so erfreulicher war, dass sich die investierte Arbeit - und dazu zählt nicht nur die Vorbereitung kurz vor den Prüfungen, sondern "das am Ball bleiben" während des gesamten Terms - in guten Noten auszahlten. Der Notenvergabe fieberten wir alle unglaublich entgegen, zwei Wochen nach der Prüfung wurden dann endlich die weißen Umschläge übergeben.

Die Spannung lag vor allem auch an dem für uns alle neuartigen relativen Grading System. Die Punkte für die Klausuren, Essays, Unterrichtsbeteiligung, etc. werden zwar absolut vergeben, die eigentliche Note resultiert jedoch aus einem relativen Vergleich der Studenten. Der Durchschnitt entspricht der Note 2,5. Alle Studenten die unter- bzw. ueberdurchschnittlich in einer Pruefung abgeschnitten haben, erhalten demnach Noten unter- bzw. oberhalb von 2,5. So ergaben sich für manch einen Überraschungen, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.

Besonders gefreut hat mich allerdings das bestandene "Exam" in einem ganz anderen Bereich: Ich habe gemeinsam mit vielen meiner Mitstudenten den Open Water Tauchschein absolviert. Die Umstände waren auch wesentlich angenehmer als die oben beschriebenen Prüfungssituationen: Training im Pool, Open Water Dives auf einer idyllischen Insel an der Ostküste Malaysias. Neben viel Lernen und Studieren gönnte ich mir nicht nur zum Tauchen kleine Auszeiten. INSEAD ist auch ein besonderer Ort, um Leute kennenzulernen, sich ein persönliches Netzwerk aufzubauen und kulturelle Unterschiede zu erleben. So verbrachte ich mit einer Gruppe von Kommilitonen ein verlängertes Wochenende auf Bali und die (viel zu kurzen) "Ferien" zwischen den Terms mit einer anderen Gruppe in Myanmar.

Wenn ich von dem Erlebnis kultureller Unterschiede spreche - und hier profitiert INSEAD ganz stark von der außerordentlichen Vielfalt der Studenten - muß ich natürlich unbedingt die traditionellen "National Weeks" erwähnen. Studenten aus einem Land gestalten jeweils eine Woche am Campus mit Filmabenden, landestypischer Küche, Parties, Ausstellungen, Vorführungen, etc. Bisher konnten wir bereits tiefer in die chinesische (natürlich rund um Chinese New Year), die Benelux- und die französische Kultur und Küche eintauchen. Ich bin schon ganz gespannt auf die kommenden Wochen .... (und halte Euch natürlich auf dem Laufenden)

Eure Astrid

Teil I

MBA am INSEAD - ich drücke also wieder die Schulbank. Ein neues bzw. wiedergewonnenes Gefühl, nachdem ich mehr als zwei Jahre als Unternehmensberaterin bei der Boston Consulting Group gearbeitet habe. Der Weg nach Singapur war keineswegs geradlinig. Doch der Reihe nach.

Zu Beginn meines Physik-Studiums in München, als ich mich noch auf dem Weg zum Forscher mit Nobelpreis-Ambitionen wähnte, wußte ich noch nicht einmal von der Möglichkeit eines MBA. In Praktika bei Siemens und beim Fraunhofer Institut suchte ich nach einem beruflichen Umfeld, wo ich meine an der Uni erworbenen Kenntnisse auf dem Gebiet der Halbleitertechnologie einbringen konnte. Dabei kam ich zum ersten Mal auch mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen in Berührung.

Mit frisch gewecktem Interesse für diese Themen und kurz vor Abschluß der Diplomarbeit noch immer auf der Suche nach meinem Wunsch-Betätigungsfeld entschloß ich mich, in Form eines Praktikums auch einmal in das Consulting-Geschäft reinzuschnuppern. Nach knapp drei Monaten als so genannter Visiting Associate bei der Boston Consulting Group war ich zwar begeistert sowohl von den herausfordernden Aufgaben als auch von dem zwischenmenschlichen Umfeld - die BCG'ler begeisterten durch ihre intellektuelle Neugierde ebenso wie durch ihren Humor und ihre Lebenslust. Dennoch wählte ich zunächst bewußt noch einmal den Weg zurück in die Forschung, sozusagen zum Abschied aus der Physik, wie ich es rückblickend gerne nenne. Ich forschte ein Jahr in den Bell Labs von Lucent Technologies in den USA. Dieses Jahr zählt vor allem auf Grund des internationalen Umfelds zu meinen wichtigsten persönlichen Erfahrungen.

Im April 2000 startete ich nach einem speziellen betriebswirtschaftlichen Einstiegstraining für "Exoten"- auf dem Stundenplan standen Kostenrechung, Bilanzanalyse, aber auch Präsentation und Kundenmanagement - und einem allgemeinen Einstiegstraining meine Beraterkarriere als Associate bei BCG. Meine Entscheidung, von der Forschung in die Unternehmensberatung zu wechseln, war nicht einfach. Schließlich sehe ich mich auch heute immer noch als Physikerin aus Leidenschaft. Die Arbeitsweisen in Forschung und Beratung waren jedoch verblüffend ähnlich: Es geht in beiden Fällen letztlich immer darum, ein zunächst nur vage umrissenes Problem analytisch zu durchdringen und dann überzeugende Lösungen zu entwickeln.

Eine reizvolle Abwechslung dazu bot die tägliche Bewährungsprobe beim Kunden. Dort sind eher die kommunikativen Fähigkeiten gefragt, man muss Vorschläge klar vermitteln und die Kundenmitarbeiter überzeugen. Zudem sind BCG-Projekte immer in den Führungsetagen der Unternehmen aufgestellt und es ist einfach ein tolles Gefühl, dass man an den entscheidenden Fragestellungen arbeitet und so auch wirklich etwas bewegen kann.

Von der Möglichkeit, einen MBA zu absolvieren, hörte ich zum ersten Mal bei BCG. Viele meiner Kollegen schwärmen noch heute vom "besten Jahr ihres Lebens". Zahlreiche Gespräche mit weiteren MBAlern sowie die Informationen, die ich mir aus den Medien sowie aus Broschüren der Business Schools selbst beschaffte, überzeugten mich sehr schnell davon, daß ein MBA meine bisher erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse hervorragend abrunden und ergänzen würde. Aus meiner Sicht ist die Kombination aus technischem Verständnis, unternehmerischem Denken und Managementkompetenz eine ideale Voraussetzung für langfristigen beruflichen Erfolg.

Meine Entscheidung für einen MBA bestimmte in erster Linie die Aussicht auf eine gewisse Auszeit für meine persönliche Weiterentwicklung und Neuorientierung ("Wo will ich in fünf Jahren sein?" - diese Frage muss man sich spätestens beim Schreiben der Essays für die Bewerbung stellen). Außerdem lockte natürlich auch die Möglichkeit, wieder ins Ausland zu gehen und mein persönliches Netzwerk weiter auszubauen. Ich freue mich sehr über die großzügige finanzielle Unterstützung von BCG, die es mir erlaubt, mich voll auf mein Studium zu konzentrieren.

INSEAD war aus vielerlei Hinsicht meine erste Wahl, als es darum ging, an welcher Business School ich den MBA absolvieren möchte. An erster Stelle steht dabei sicherlich die Internationalität der Schule. Wie international das INSEAD ausgerichtet ist, zeigt sich an den in diesem Jahr 33 verschiedenen Nationalitäten der Teilnehmer, an den zwei Campi (Fontainebleau und Singapore) sowie an der Allianz mit der Wharton Business School in Philadelphia (USA). Ein weiterer wichtiger Grund für meine Entscheidung für INSEAD ist die Tatsache, daß es sich um ein einjähriges, genauer gesagt: zehnmonatiges Programm handelt. Der Stundenplan ist natürlich entsprechend voll gepackt, aber ich wollte mich nicht für einen längeren Zeitraum "dem eigentlichen Geschehen draußen im Markt" entziehen. Darüber hinaus hat mich auch die angebotene Kursstruktur überzeugt- eine Mischung aus Case Studies, Vorlesungen, Einzel- und vor allem Gruppenarbeit.

Vor etwas mehr als drei Wochen bin ich nun in Singapur gelandet. Hier werde ich auf jeden Fall die ersten drei Terms des MBA-Programms (das gesamte Studienjahr gliedert sich in fünf Terms à zwei Monaten, jeweils mit Abschlußprüfungen) absolvieren und dem europäischen Winter entfliehen. Ich habe jedoch das Gefühl, als wären bereits zwei Monate vergangen, so zahlreich und vielfältig waren die ersten Eindrücke und Erlebnisse.

Neben Unmengen organisatorischer Details (Beantragung Student Pass und Visa, Anmeldung des Telefons, Eröffnung eines Bankkontos) ging es in den ersten Tagen aber vor allem erst einmal darum, Leute kennen zu lernen. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich meine Geschichte ("Hi, I'm Astrid. I'm from Germany. ...") erzählt habe und im Gegenzug eine Kurzvorstellung der anderen Person erhalten habe. Noch immer kann ich mir nicht alle Namen merken - bei ungefähr 130 Mitstudenten, die das MBA-Programm gemeinsam mit mir begonnen haben und einer vergleichbaren Anzahl von September-Starts und durchaus exotischen Namen kein Wunder. Die ersten Tage am INSEAD haben (am praktischen Beispiel: Welcome-Parties) übrigens sehr schnell gezeigt, welche Fähigkeit man sich hier wohl als erste aneignen sollte: Priorisierung. In einer Orientierungswoche wurde uns die ganze Infrastruktur des INSEAD vorgestellt, also IT, Library etc. In der zweiten Woche starteten dann die Kurse, doch dazu mehr beim nächsten Mal ...
Dieser Artikel ist erschienen am 15.01.2003