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Assistent in Jakarta

Astrid Oldekop
Foto: Stringer / Reuters
Der 27-jährige Marc Guse lebt mit seiner Freundin in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Für das amerikanische Logistik-Unternehmen Geologistics Indonesia warb ihn ein Headhunter gegen Ende seines Studiums an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrsakademie in Bremen an.
"In Deutschland war ich ein sehr ungeduldiger Mensch. Aber das habe ich bereits vor fünf Jahren in Singapur abgelegt. Ich lächle nur noch." Wenn Marc Guse mit seinen General Managern spricht, muss er sehr respektvoll sein, "weil sie älter sind. Dennoch muss ich mich durchsetzen."

Der 27-jährige Bremer lebt mit seiner Freundin Imke Manicki seit November 2000 in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Für das amerikanische Logistik-Unternehmen Geologistics Indonesia warb ihn ein Headhunter gegen Ende seines Studiums an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrsakademie in Bremen an.

Die besten Jobs von allen


Da Guse bereits in Deutschland für ein Logistikunternehmen gearbeitet hatte, das ihn zwei Jahre lang als Projektmanager nach Singapur und Malaysia entsandt hatte, schickte ihn auch sein neuer Arbeitgeber direkt nach Asien.

Der Vertrag brachte ihm ein dickes Gehalt - doppelt so viel wie in Deutschland, dazu die Wohnung in einem eingezäunten Komplex mit Pool, Tennisplatz und Fitnessstudio, ein Auto mit Fahrer und jährliche Heimflüge für sich und seine Freundin. Auf eine deutsche Sozial- und Rentenversicherung musste er jedoch verzichten. Das Risiko nimmt der Betriebswirt in Kauf, denn erstens sorgt er selbst vor, und zweitens weiß er um seinen Marktwert: "Wenn mein Unternehmen pleite ginge, hätte ich schon morgen einen neuen Job."

Marc Guse, sein Chef und ein Techniker sind die einzigen Deutschen unter den 250 Geologistics-Mitarbeitern in Indonesien. Guse kümmert sich vor allem um das Qualitätsmanagement und verbessert Arbeitsabläufe. "Das läuft nicht so wie in Deutschland", hat er festgestellt. Die Arbeitsmentalität sei eben anders, das indonesische Ausbildungssystem nicht gerade lobenswert, und schließlich erschwere die leidige Korruption seine Arbeit. Einige General Manager beispielsweise kümmerten sich erst gar nicht um das operative Geschäft, sondern würden im Grunde dafür bezahlt, Beziehungen zu pflegen und Golf zu spielen. Guse: "Indonesien ist eine einzige große Familie. Es ist unglaublich, wer in unserem Unternehmen alles miteinander verwandt ist oder gemeinsam in die Kirche oder in die Moschee geht. Da muss man sehr vorsichtig sein."

Freundin Imke Manicki bemüht sich unterdessen um eine Forschungsgenehmigung für ihre Promotion, die der Göttinger Politikprofessor Bassam Tibi betreut. Thema: ethnische Konflikte.

Ihre Freizeit verbringen Marc Guse und Imke Manicki mit japanischen, finnischen und deutschen Freunden. "Wir können mit dem Boot in nur zwei Stunden in paradiesische Landschaften fahren." Auch ein Wochenende auf Bali sei immer mal drin, der Flug kostet 250 Mark.

Anfangs sei es seltsam gewesen, sich an dieses neue Leben mit Fahrer, Putzfrau und Pool zu gewöhnen, erinnert sich Imke Manicki, die erst vor kurzem aus ihrer Studentenbude ausgezogen ist.

Nach dem Aufenthalt in Indonesien will Marc Guse einen MBA machen, Imke Manicki kann sich vorstellen, in einem weiteren Land zu leben. "Irgendwann wollen wir aber wieder nach Deutschland", sagt sie. "Ich freue mich schon heute auf den Jahreszeitenwechsel und unterschiedliche Dämmerungszeiten."
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001