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Assessment by Fernsehen

Massenarbeitslosigkeit macht?s möglich: Für TV-Macher haben Reality-Shows à la ?Wer kriegt den Job?? ähnliches Zuschauerpotenzial wie ?Wer wird Millionär?. Sie sollen den Menschen vor den Bildschirmen aber ?auch Mut machen?, so Endemol-Deutschland-Chef Borris Brandt, ?für sich selbst zu erkennen, dass sie auch dazu imstande wären?. Was nicht ganz unumstritten ist: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die von Endemol für Pro Sieben produzierte Sendung ?Hire or Fire ? der beste Job der Welt? vorab als ?zynischen Umgang mit der Massenarbeitslosigkeit? deklassiert. Via Fernseh-Assessment kämpfen ab Ende September in acht Folgen je zehn Bewerber um den Posten als Creative Director in John de Mols neuer Produktionsfirma. Der 49-Jährige sucht selbst aus, wem er 300.000 Euro Jahresgehalt plus Dienstwagen offeriert. An seiner Seite: Dschungel-Sternchen und Moderatorin Caroline Beil, 37, die prüft, wie belastbar und visionär die Bewerber sind.

?Big Boss? Reiner Calmund, für RTL auf derselben Schiene im Rennen, nimmt?s nicht ganz so genau: ?Wer bei mir durchkommen will, muss zeigen, dass er Gras fressen kann?, sagt der eingefleischte Fußballmanager a.D. Der 55-Jährige wählt in elf Folgen unter zwölf Bewerbern aus, wen er für eine gehobene Position in der Wirtschaft empfehlen oder als Gründerpersönlichkeit mit 250.000 Euro Startkapital ausstatten will. Kultstatus erwartet ? wie in den USA bei Donald Trumps ?The Apprentice?. Auf dem Teppich bleibt das ZDF: Mit seiner Normalo-TV-Serie ?Job gesucht? winken Bewerbern die Hauptrollen in fünf Dokustreifen, die die Anstrengungen der Teilnehmer vom Bewerbungsschreiben bis zum möglichen Einstellungsgespräch zeigen. ?Dunkler Lippenstift macht seriöser? hieß ein Film der letzten Staffel. Wie es im Leben so ist.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.09.2004