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Arzneimittelkosten schnellen hoch - Beitragserhöhungen drohen

Angesichts dramatisch steigender Kosten für Arzneimittel stehen möglicherweise schon in wenigen Monaten spürbare Erhöhungen bei den Krankenkassenbeiträgen an.
dpa HANNOVER. ?Wenn das Schiff so weiter läuft, wie es jetzt Fahrt aufgenommen hat, müssen sich die gesetzlichen Krankenkassen am Ende des Jahres sehr intensiv mit Beitragserhöhungen auseinander setzen?, sagte der Vorstandschef der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, Ingo Kailuweit, in Hannover. Die KKH ist die viertgrößte Ersatzkasse Deutschlands. ?Da uns auf der einen Seite die Einnahmen wegbrechen und die Ausgaben allein bei den Arzneien insgesamt um acht bis zehn Prozent übers Jahr steigen werden, sind stabile Beiträge sicher nicht zu erwarten.?

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) warf Kailuweit vor, sie wolle die Ausgaben für Arzneimittel im ersten Quartal schönrechnen. ?In den Zahlen für die Arzneimittelausgaben im ersten Quartal ist eine Einmalzahlung der Pharmaindustrie von etwas mehr als 200 Millionen Euro enthalten. Durch die Buchungsvorschriften lässt diese Summe die Ausgaben geringer erscheinen, als sie tatsächlich sind.? Die KKH habe in den ersten drei Monaten tatsächlich 4,6 Prozent mehr für Medikamente ausgeben müssen. ?Durch die Einmalzahlung haben wir in der Statistik jedoch nur 0,8 Prozent.?

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Zudem seien die Ausgaben besonders im April nach oben geschnellt. ?Sie haben um rund 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt, und das nahezu durchgehend bei allen Kassen. Die Hebel durch die Neuordnung im Arzneimittelgesetz greifen nicht?, sagte Kailuweit. Die nach wie vor geltende Arzneimittelpreisverordnung führe dazu, dass der Apotheker noch immer mehr Geld bekomme, je höher der Preis der verkauften Arznei sei. Dies müsse geändert werden. Auch der Versandhandel über Internet-Apotheken sei ein Weg zur Kostenreduzierung.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.06.2002