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Armani stylt Autos

Von Regina Krieger, Handelsblatt
Erst waren es Herrenanzüge und traumhafte Abendkleider, dann kamen Parfum, Make-up, Brillen, Möbel, Geschirr, Gläser, Kissen, sogar Handtücher dazu ? und jetzt auch noch Autos, genauer, ihre Innenausstattung.
ROM. Bald gibt es keinen Winkel im täglichen Leben mehr, der nicht von Giorgio Armani gestylt werden könnte. Pünktlich zur Mailänder Damenmode-Woche, die jetzt läuft, hat der 60-jährige Modeschöpfer ein Joint Venture mit Mercedes geschlossen. Beide wollen in Marketing und Design zusammenarbeiten.Erstes Projekt ist das Mercedes- Cabriolet CLK, natürlich nur in limitierter Auflage von 100 bis 150 Stück. ?Sabbia? heißt die Lackfarbe des Gefährts, eine Cremefarbe, wie sie für Mode-Kreationen von Giorgio Armani typisch ist. Innen dann alles vom Feinsten: Ledersitze in Sabbia-Farbe, Armaturen aus Ebenholz und ein dunkelbraunes Lederlenkrad. Gedacht hat Giorgio Armani nach eigenen Auskünften an die Eleganz der dreißiger Jahre. Für Entwurf und Ausführung brauchte der Meister vier Monate.

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?Ich habe in der Garage einen Alfa und zwei Mercedes, früher hatte ich auch einen Jaguar. Es ist also klar, dass ich Autos mag?, vertraute der weißhaarige Designer den Journalisten bei der Präsentation des Prototyps an. Doch die Italiener sind in ihrem Stolz getroffen. Ihr Mode-Nationalheiligtum hat ausgerechnet eine ausländische Automarke für die Zusammenarbeit gewählt. ?Natürlich?, entschuldigt sich der Modezar, ?hätte ich gern auch einen Fiat gestylt.? Aber man habe sich nicht an ihn gewandt. ?Wer zuerst kommt, fährt am besten.?Hinter der anscheinend perfekten Übereinstimmung der ?Design-Philosophien? der beiden Luxus-Marken, wie Armani es formuliert, steckt kalkuliertes Geschäftsinteresse. Der Modebranche geht es nach Irak-Krieg, SARS und teurem Euro nicht besonders gut. Erst für das letzte Quartal dieses Jahres erwarten Analysten eine leichte Belebung. Nur langsam steigen die Kurse der börsennotierten Modehäuser wieder. Auch in der Autobranche wird hart gekämpft.Giorgio Armani, der 1975 sein Unternehmen gründete und heute Präsident und Geschäftsführer der Armani-Group ist, kündigt deshalb schon ?Möglichkeiten für weitere gemeinsame Projekte? an. Die Werbung und der Austausch der VIP-Karteien gehören bereits dazu.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.10.2003