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Arbeitsklima in deutschen Büros wird rauer

In Zeiten von Sparmaßnahmen, Stellenstreichun­gen und knallharten Gewinnvorgaben klagen immer mehr Angestellte über zuneh­mende Konflikte mit Kollegen und vor allem Vorgesetzten. Mehr als 17 Prozent der Berufstätigen haben sich bereits zu Mobbing im Job oder so genanntem Bossing ? der Schikane durch einen Vorgesetzten ? juristisch beraten lassen. Das berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin karriere unter Berufung auf eine Umfrage des Deutschen Rechtsanwalt Zentralruf (DRAZ), der telefonische Rechtsberatung anbietet. Weitere zehn Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, im Konflikt mit dem Vorgesetzten den Betriebsrat eingeschaltet zu haben. Nur 13 Prozent konnten den Krach im Büro friedlich lösen.Ein rauer werdendes Arbeitsklima attestiert auch eine Studie der Beratergruppe Neuwaldegg. Danach wenden Manager inzwischen mehr als ein Drittel ihrer Zeit für Konflikte und ihre Konsequenzen auf ? mit offenbar mäßigem Erfolg. Die Zahl der Arbeitnehmerklagen wächst derzeit rasant. So meldet etwa das Arbeitsgericht Hamburg eine Klagewelle, die parallel zur Verschlechterung des Arbeitsmarktes wächst: Im vergangenen Jahr zählte die Hansestadt mehr als 17.000 Streitfälle. Fünf Jahre zuvor waren es noch 4.000 weniger.

Die besten Jobs von allen

Führungskräfte befinden sich nach Einschätzung der Psychologin Jutta Kreyenberg, Expertin für Probleme zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten, derzeit in einem akuten ?Zielkonflikt zwischen Unternehmens- versus Mitarbeiterorientierung?. Angesichts von Sparprogrammen und Entlassungen klafften diese Ziele immer weiter auseinander. Vorgesetzte auf der ersten Führungsebene erhielten immer häufiger unangenehme Anweisungen vom Vorstand, sollen sich aber gleichzeitig schützend vor ihre Mitarbeiter stellen. Kreyenberg: ?Fertig ist der Nährboden für Streit bis hin zu Mobbing.Die Juli-Ausgabe von karriere erscheint am 24. Juni 2005.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2005