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Antreten zum Sportwetten

Von Thomas Knüwer
Die Bundeswehr ist Michael Hopfinger immer noch anzusehen. Bei der Luftwaffe stieg er bis zum Chef einer Ausbildungskompanie auf. Erklären und motivieren ? das muss er auch heute noch. Als Vorstandschef eines Sportwetten-Dienstleisters will er den Deutschen klar machen, dass Wettbüros keine schmuddeligen Treffpunkte halb seriöser Zocker sind. Dabei soll auch mal ganz schön unangenehm werden können.
HB BERLIN. 15 Jahre trug er sie, studierte während dieser Zeit Wirtschaftspädagogik, stieg bei der Luftwaffe auf bis zum Chef einer Ausbildungskompanie in den Niederlanden. ?In einer Ausbildungseinheit der Luftwaffe fing man nach drei Monaten, wenn neue Rekruten kamen, wieder bei null an. Da ist die ständige Motivation des Ausbildungspersonals ein absoluter Schwerpunkt der Arbeit?, sagt der 52-Jährige.Erklären und motivieren ? das muss er auch heute noch, als Vorstandschef des Sportwetten-Dienstleisters Digibet Wetten.de AG. Den Deutschen will er klar machen, dass Wettbüros keine schmuddeligen Treffpunkte halb seriöser Zocker sind. Und seine Leute muss er antreiben, weil Digibet und das zugehörige Internetangebot Wetten.de weitaus kleiner sind als die Platzhirsche Oddset und Betandwin.

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Obwohl: So ein richtiger Wettanbieter ist Digibet eigentlich nicht. Zumindest will Hopfinger das nach außen nicht so wirken lassen. Die Berliner Digibet AG sieht sich als Dienstleister im Auftrag der Digibet Ltd. auf Gibraltar, die für Quoten, Wettdurchführung und das Sicherheitssystem zuständig ist.Hopfinger und sein noch kleines Team betreuen die Internetseite Wetten.de und rund 170 unabhängige Wettannahmestellen, die sich dem Digibet-Netz angeschlossen haben, und kümmern sich um Interessenten für neue Läden.Die Teilhaber der deutschen Digibet mag Hopfinger nicht im Detail nennen. Buchmacher wie das Hannoveraner Traditionshaus Albers seien dabei, ebenso Softwareunternehmen. Auch der Umsatz bleibt ein Geheimnis, nur dass Digibet Berlin als Dienstleister an den Umsätzen in Gibraltar beteiligt wird, verrät er.Lesen Sie weiter auf Seite 2: ?Als Chef kann er ganz schön unangenehm werden?Vertrieb eines wenig bekannten Produktes ? damit hat Hopfinger Erfahrung. Als die staatlichen Lottogesellschaften ihr Sportwettenangebot Oddset starteten, war er Vertriebsleiter von Westlotto, trimmte die Lottoannahmestellen auf das neue Geschäft. ?Als Chef kann er ganz schön unangenehm werden?, erinnert sich ein Mitarbeiter aus dieser Zeit. Beim Xenos-Verlag lernte er, Massenwaren, Malbücher nämlich, an den Händler zu bringen. Als mit dem Kölner Cinedom das erste deutsche Großkino moderner Prägung startete, war Hopfinger Gründungs-Center-Manager. Sein Rüstzeug nach der Bundeswehr erwarb er sich beim Spielwarenhändler Richter, einer Coop-Tochter, die im Strudel der Skandale um den Lebensmittelhändler mitgerissen wurde.Derzeit ist Hopfingers Reich ein buntes Durcheinander. Viele der angeschlossenen Wettbüros sind nicht als Partner von Wetten.de erkennbar, erst schrittweise wird der Schriftzug in die Läden gebracht.Aber sind Wettbüros überhaupt noch zeitgemäß? ?Es gibt heute eine bestimmte Kundengruppe, die in Wettannahmen geht?, sagt Hopfinger. ?Wenn ich das Thema für eine sehr breite Zielgruppe öffnen will, muss ich Schwellenängste abbauen, unter anderem, indem ich Wettannahmen außerhalb der bisher üblichen Einzugsgebiete eröffne und das Ganze massiv, multimedial, werblich unterstütze.?Zwei Vorteile sieht er im Kampf mit den kapitalstärkeren Oddset und Betandwin: Der Name Wetten.de sagt direkt, worum es geht; und die Wetter würden persönlicher betreut: ?Wir sind näher am Kunden.?Immerhin: Zwei Werbecoups landete Digibet schon. Bei Hertha BSC und 1860 München ist Wetten.de auf der zweithöchsten Sponsorenebene ? das fällt auf. Einen weiteren Trumpf hat er im Ärmel: In Kürze wird Ex-Nationalspieler Mario Basler für Wetten.de werben, eine nach ihm benannte Spezialwette eingeschlossen, die auf dem Markt einzigartig sei, sagt Hopfinger: ?Mit Mario werden wir in eine andere Dimension vorstoßen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 23.08.2005