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Annette Veltmar


Welche Schule?
INSEAD, Fontainebleau
Year of Graduation:
1997
Heutige Position:
Manager (Stufe vor Geschäftsführer) bei der Boston Consulting Group
Welche Schule?
INSEAD, Fontainebleau

Year of Graduation:
1997

Die besten Jobs von allen


Heutige Position:
Manager (Stufe vor Geschäftsführer) bei der Boston Consulting Group



A. Gehalt und Karriere

1. Rückblickend betrachtet: Wo standen Sie job- / karrieremäßig, als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?
Ich bin promovierte Pharmazeutin und war fast drei Jahre bei Bristol-Meyer Squibb tätig, ehe ich 1995 als Strategieberaterin zur Boston Consulting Group wechselte. Dort arbeitete ich eineinhalb Jahre als Associate und entschloss mich dann, auf Studium, Promotion und Berufserfahrung noch einen MBA draufzusatteln.

2a. Hatten Sie vor / bei Antritt des MBA-Studiums eine klare Karriere-Perspektive?
Abteilungsleiterin in einem Pharmakonzern, Geschäftsführerin bei einem Mittelständler? So genau hatte ich mich nie festlegen wollen. Mein Ziel war immer eine Position, in der ich anspruchsvolle Inhalte, Verantwortung, Gestaltungsfreiraum und Einflussmöglichkeiten mit der Zusammenarbeit mit Menschen verbinden kann. All das bietet mir der Beraterberuf derzeit - und was in fünf Jahren ist, wird sich zeigen.

2b. Hat sich dies dann mit / nach dem MBA auch so entwickelt?
Meine Erwartungen haben sich voll erfüllt. Bei BCG habe ich in den zurückliegenden Jahren im Schnitt alle zwei Jahre die nächste Karrierestufe erreicht. Heute bin ich als Managerin gemeinsam mit den BCG-Geschäftsführern für den Auf- und Ausbau der Kundenbeziehungen zuständig und begleite mehrere Projekte. Außerdem bin ich zunehmend eingebunden in die Geschäftsführung von BCG.

3. Hat sich der MBA job- / karrieremäßig gelohnt?
Ja, auf alle Fälle. Bei BCG sind MBA oder Doktortitel keine Voraussetzung für den beruflichen Aufstieg. Ich konnte jedoch durch das kompakte und praxisorientierte Lehrprogramm meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erweitern, aber mich durch das Studium auch persönlich weiterentwickeln. Zudem wurde mir in den vergangenen Jahren immer wieder auch von Industrieseite signalisiert, dass eine Kombination aus MBA und naturwissenschaftlicher Ausbildung mich für weitere Führungsaufgaben qualifiziert.

4. Wie haben Sie Ihr MBA-Studium finanziert und hat sich die Investition "ausgezahlt"?
Ohne Frage: Die Finanzierung eines MBA sind keine Peanuts, selbst wenn man ein Stipendium ergattern kann. Denn man verzichtet in der Regel ja für einen bestimmten Zeitraum auf sein Gehalt. In meinem Falle ist die persönliche Gewinn-Verlust-Rechnung auf alle Fälle positiv. Für mich war es eine Auszeichnung, am BCG Scholarship Programm teilnehmen zu können und einen Großteil der Studiengebühren und Lebenshaltungskosten ersetzt zu bekommen.

B. Alumni-Netzwerk

5. Wie wichtig ist das Alumni-Netzwerk Ihrer Schule für Sie?
Ich stehe nach wie vor in Kontakt mit etlichen Absolventen meines Jahrgangs. Bei den regelmäßigen Treffen der INSEAD-Alumni lernt man jedoch auch andere Alumni kennen, und daraus ergeben sich immer wieder interessante Gespräche und Anknüpfungspunkte. Daher bin ich schon sehr gespannt auf das nächste Treffen der INSEAD-Alumni im Oktober.

6. Wie nützlich sind diese Kontakte für Sie beruflich?
Durch das Alumni-Netz habe ich viele Kontakte zu Menschen, die in ganz unterschiedlichen Branchen und Positionen ihren beruflichen Weg gemacht haben. Diese Kontakte sind natürlich sehr hilfreich, wenn ich als Beraterin Experten für Interviews oder fachliche Einschätzungen suche. Genauso konnte ich schon vielen INSEAD-Kollegen durch das BCG-Netzwerk weiterhelfen. Die Kombination dieser Netzwerke ist sehr wertvoll.

C. Was haben Sie gelernt?

7. An Fachwissen:
Ich habe vor dem MBA zwei Jahre erfolgreich als Beraterin gearbeitet, wollte aber als promovierte Pharmazeutin mein betriebswirtschaftliches Wissen weiter ausbauen - das kompakte und praxisorientierte Lehrprogramm in einem MBA-Studiengang ist auf diese Anforderungen optimal zugeschnitten. Danach konnte ich mit Diplomkaufleuten auch über komplizierteste Fragen der Rechnungslegung und Finanzierung auf einer Augenhöhe diskutieren.

8. An sonstigen Fähigkeiten (soft skills etc.):
INSEAD hat eine sehr internationale Studentenschaft. Durch das Zusammenleben und -arbeiten mit Menschen aus unterschiedlichen Nationen haben sich mein Feingefühl, meine Wahrnehmung und letztlich auch meine Toleranz für kulturelle Besonder- und Eigenheiten sicher deutlich sensibilisiert. Man lernt schnell, dass man ein Problem ganz unterschiedlich betrachten kann und verschiedene Sichtweisen eine Bereicherung darstellen.

9. Jedes MBA-Programm, das auf sich hält, verspricht, für eine General Management-Position fit zu machen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?
Die Arbeit an Fallstudien vermittelt alle Tools, um eine Managementaufgabe fachlich auszufüllen. Und auch über Führung von Mitarbeitern lernt man viel - wenn auch nur in der Theorie. Die Bewährungsprobe für den eigenen Führungsstil kann natürlich nur im beruflichen Alltag erfolgen. Hier zeigt sich letztlich, ob jemand Mitarbeiter motivieren, ein vertrauensvolles, positives Arbeitsklima schaffen und Beziehungen aufbauen kann. Diese Schlüsselqualifikationen sind die Grundlage für die Projektarbeit und Teamführung bei BCG.

10. Fühlten Sie sich nach / mit dem MBA für "höhere" Aufgaben besser gewappnet? Und waren Sie es - aus der Distanz betrachtet - auch tatsächlich?
Auf alle Fälle. Das Gefühl, ökonomische Sachverhalte fundiert zu beherrschen, stärkt natürlich auch das Selbstbewusstsein und die eigene Überzeugungskraft.

D. Die menschliche Erfahrung

11. Welche Bedeutung hat das MBA-Studium für Ihre persönliche Entwicklung?
Wie gesagt: Ich habe viel gelernt über andere Kulturen, wurde aber auch inhaltlich mit ganz neuen Branchen und Themengebieten konfrontiert. Ich war stark fokussiert auf alles, was mit Gesundheit, Medizin, Pharma zu tun hatte. Durch das MBA-Studium wurde mein persönlicher Horizont sicher breiter.

12. Ein Punkt, nach dem ich Sie nicht gefragt habe, der Ihnen aber wichtig ist...
Neben der vielen Arbeit gibt es bei INSEAD aber auch ein fantastisches Sozialleben, angefangen mit gegenseitigen Essenseinladungen bis hin zu Motto-Parties vom Feinsten. So viel Spaß hatte ich in Deutschland nie bei meinem Pharmazie-Studium.

13. Ein Ratschlag für jeden, der sich für einen MBA interessiert?
Lassen Sie sich nicht von den Kosten abschrecken. Es gibt viel mehr Stipendien und Fördermöglichkeiten, als man denkt, man muss sie nur entdecken. Außerdem unterstützen eine ganze Reihe von Firmen, insbesondere Beratungen wie BCG, MBA-Studiengänge, wenn man zunächst ein paar Jahre dort arbeitet. Dies relativiert das Kostenproblem doch deutlich. Wer zwischen Promotion und MBA schwankt, dem kann ich aus meiner persönlichen "Doppel-Erfahrung" heraus empfehlen: Der Doktortitel ist zwar in Deutschland noch immer sehr renommiert, aber es ist schlichtweg ein großer Luxus, sich mehrere Jahre ganz tief in ein Thema reinzudenken. Wer jedoch nicht eine Forscherkarriere einschlagen möchte, wird dieses Spezialwissen kaum jemals anwenden können. Hingegen war das praxisnahe MBA-Wissen in vielen Situationen meines Beraterlebens sehr hilfreich.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.09.2004