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Annegret Cox

Rotterdam School of Management
Warum einen MBA?
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November 2002



Die besten Jobs von allen

Die 2. Kursperiode des 3.Semesters hat vor zwei Wochen begonnen, diesmal sollten es für mich keine Finance Kurse mehr sein (hatte vier davon in der ersten Periode!) und nach Möglichkeit Take-Home-Exams; das heißt man bekommt den Prüfungs-Case mit nach Hause und hat in der Regel ein bis zwei Tage zur Beantwortung zur Verfügung. Das sich die oben erwähnte Strategie nicht notwendigerweise negativ auf die Qualität der gewählten Kurse auswirkt, hat sich jedenfalls schon erwiesen. "Strategic Alliance Management" zum Beispiel stellt die Wichtigkeit und Effizienz unterschiedlicher Arten von Allianzen zwischen Unternehmen zur Diskussion, ein Thema, das in einer immer komplexeren ökonomischen Infrastruktur sicherlich ständig an Bedeutung zunimmt. Ein anderer Kurs befasst sich mit dem Thema Knowledge Management. Einerseits wird der Prozess des Managements von Knowledge in Organisationen analysiert, aber auch dem Knowledge-Entstehungs-Prozess im Menschen ist eine eigene Session gewidmet. In jedem Fall sehr interessant.Im Vordergrund steht für mich und die meisten anderen RSM'ler allerdings momentan die Strategie für die Zeit nach dem MBA. Ein eigenes Unternehmen steht dabei nach wie vor ganz oben auf meiner "Wunschliste", Kontakt-Management mit Innovations-Zentren und Business-Plan-Wettbewerben sind die Aktivitäten, mit denen ich diesem Ziel näher zu kommen versuche. Schön wäre es, ganz neue Organisationsstrukturen auszuprobieren, ein Thema, dessen unterschiedliche Aspekte wir unter anderem in einem Workshop des StartUp Clubs bereits heftig diskutiert haben.Allerdings informiere ich mich parallel auch über andere interessante Job-Opportunities im Markt. Dabei kommen mir meine Kontakte aus der Zeit vor dem MBA sicherlich zu Gute. Teilweise laden Firmen, die unser CV-Buch mit den Lebensläufen aller Absolventen des nächsten Jahres zur Verfügung gestellt bekommen, zum Interview ein. Meist gibt das aber nicht den richtigen Fit, da das CV-Buch nur historische Erfahrungen, aber keinen Hinweis auf die künftig beabsichtigten Tätigkeiten enthält. Die Zeiten, in denen jeder MBA zwischen beliebig vielen Angeboten auswählen konnte, sind jedenfalls vorbei. Wer nicht pro-aktiv sein eigenes Netzwerk pflegt und seine Vorstellungen konkret adressieren kann, hat momentan schlechte Karten.
Oktober 2002

Vor einer Woche sind die neuen "First Year's" eingetroffen; ist schon ein Unterschied, ob 150 oder 330 Leute gleichzeitig in der RSM "umherlaufen". Im Anschluss an die Refresher-Kurse gab's dann für sie heute auch schon die erste Prüfung. Damit der Schock nicht zu groß ist, hat die Student-Association aber einige Parties organisiert, so dass bereits die ersten 2 Wochen einen repräsentativen Einblick in die kommenden 18 Monate geben.

Da geht es uns schon besser, die Zeiten der Pflichtfächer wie Statistik und Accounting scheinen Ewigkeiten zurückzuliegen, heute begann die zweite Runde der Blockkurse, d.h. zusätzlich zu den "normalen" Kursen finden für zwei Wochen am Morgen Kurse zu Themen wie "Brand Management" oder "Asian Business Enterprises" statt. Ich habe mich für letzteren Kurs entschieden, da meiner Erfahrung nach die Frage des Eintritts in den Asiatischen Markt eine der wichtigsten Entscheidungen eines Startups ist, weit schwieriger als die Eröffnung von Niederlassungen in Europa oder auch in den USA. Dem Inhalt nach verspricht es spannend zu werden. Am ersten Tag stand die Rolle der Hongs in Hong Kong auf dem Plan, sowohl deren unterschiedliche Ursprünge als auch Cases zur mehr oder weniger erfolgreichen Zusammenarbeit "westlicher" Unternehmen mit den Hongs. Sehr spannend, das ca. 70% der Teilnehmer asiatischer Abstammung sind und dadurch sehr viele interessante Aspekte aus eigener Erfahrung einbringen können.

Spannend ist in jedem Fall die Business Marketing Simulation. Man weiß nie ganz genau, wo man steht im Vergleich zum Mitbewerb. Ich glaube aber, unser Team ist ganz gut positioniert. In der nächsten Runde werden wir ein neues Produkt freigeben, mal sehen wie der "Markt" darauf reagiert, wichtig ist hier, sich zu fokussieren und wertvolle Resourcen nicht auf zu viele Produkte zu verteilen.
September 2002

Am 2.September hat das dritte Semester begonnen, nach einem interessanten Sommer ist es sehr schön wieder hier zu sein und festzustellen, wie sehr man die Kommilitonen doch in den letzten Monaten vermisst hat! Sehr interessant für mich auch die Electives dieses Semesters. Durch die Auswahlmöglichkeit kann ich mich jetzt voll auf die Bereiche konzentrieren die mir persönlich oder für die künftige berufliche Weiterentwicklung wichtig sind. Daraus ist eine Mischung von Finanz- und Marketing-Kursen entstanden.

In den Finanz-Kursen wird allerdings nicht ausschließlich "Number-Crunshing" in den Vordergrund gestellt, sondern auch die ethischen Aspekte von Entscheidungen im "Corporate Finance"-Umfeld besprochen und heftig diskutiert.

Viele Denkanstöße liefert auch der Leadership Kurs. Der MBA sollte ja nicht ausschließlich eine Aneignung weiterer technischer Skills auf einer anderen Ebene sein, sondern auch die Persönlichkeit formen sowie Gelegenheit geben, eigene Entscheidungsprozesse und Führungsverhalten kritisch zu reflektieren bzw. sich für neue Ideen zu öffnen.

In Business Marketing werden wir die Gelegenheit haben, strategische Vorschläge nicht nur theoretisch an Cases zu erproben, sondern diese ganz praktisch in einer Simulation in 9 Runden umzusetzten. Dabei müssen die Entscheidungen, die wir unserem Team treffen, 1-2 mal wöchentlich weitergeleitet werden, am nächsten Tag gibt's dann Feedback und es geht in die nächste Runde. Wird sicher spannend.
Juli 2002
Am Ende dieser Woche ist mein Internship beendet. Ich hatte in den 3 Monate die Gelegenheit StartUp Unternehmen in allen Phasen vor und nach der VC-Finanzierung zu begleiten, und habe einen sehr guten Einblick in die Welt des "Venture Capitals" bekommen. Die Erwartungen an mein Internship wurden also voll und ganz erfüllt.Auch habe ich die Zeit genutzt, um Kontakte für die Job-Suche im nächsten Jahr zu knüpfen bzw. aufzufrischen und am Münchener Business Plan Wettbewerb teilzunehmen. Die Prämierung erfolgt allerdings erst in der nächsten Woche, da werde ich schon in Spanien sein. Ich habe mir vorgenommen, während der nächsten 4 Wochen in Valencia und Barcelona Spanisch zu lernen. Mal sehen wie "brauchbar" das Ergebnis nach dieser doch recht kurzen Zeit ist. In jedem Fall werde ich die Gelegenheit nutzen, um mit meinen spanischen und latein-amerikanischen Kommilitonen im 3.Semester die erlernten "Basics" weiter zu vertiefen. Mehr Details zum 3. Semester dann im September.
Juni 2002
Die letzten Wochen standen ganz im Zeichen der Vorbereitung auf den Europäischen Business Plan Wettbewerb, der in diesem Jahr am 10./11. Juni an der INSEAD in Fontainebleau stattfand. Insgesamt 13 Teams aus den führenden Europäischen Business Schulen waren zum Wettstreit um den besten Business Plan eingeladen.Die Themen waren ganz unterschiedlich, z.B. hatte das ALBA-Team eine Idee zur besseren Versorgung der georgischen Bevölkerung mit frischer Milch erarbeitet, das Team aus Lyon stellte ein neues Konzept zur Nutzung von Wind-Energie vor, aber auch Themen aus den Bereichen Bio-Tech, Medizintechnik sowie Internet waren vertreten.Neben einem 30-seitigen Business Plan musste eine 20-minütige PowerPoint Präsentation sowie eine Executive Summary vorbereitet werden. Dies war für uns nicht einfach, da unser 4-köpfiges Team in der Vorbereitungszeit über 4 Länder verstreut, teilweise im Urlaub, oder aber in Internship-Projekte involviert war und so die Zusammenarbeit leider nicht immer optimal funktioniert hat.Gelernt haben wir eine Menge, einerseits durch die enge Zusammenarbeit und das Feedback unseres Entrepreneurship Professors Felix Guttmann im Vorfeld, aber auch durch die detaillierten Fragen der Jury sowie der anderen Teams während des Wettbewerbs. Gewonnen hat das Team der WHU Koblenz mit einem Konzept zum Rückkauf von Lebensversicherungen mit einer Restlaufzeit kleiner 10 Jahre. Bleibt abzuwarten, ob sie das nötige Kapital bekommen, um dies in die Realität umzusetzen.Nächstes Jahr wird Rotterdam Gastgeber für den Europäischen Business Plan Wettbewerb sein. Die Anzahl bzgl. Organisation liegt sehr hoch, da hat INSEAD wirklich einen hervorragenden Job gemacht und dafür gesorgt, dass dieses Ereignis allen Teilnehmern noch lange in sehr guter Erinnerung bleiben wird.
Mai 2002
Der erste Monat meines Internships bei Target Partners, einer Venture Capital Company in München, hat unheimlich viel Spaß gemacht und mir viele neue Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit StartUp's in ganz unterschiedlichen Entwicklungsstadien ermöglicht. Sehr spannend dabei vor allem der Erfahrungshorizont und der Mix des Teams; während einer der Partner als einer der ersten Venture Capitalists in Deutschland in den letzten 18 Jahren schon alle Höhen und Tiefen des Marktes mehrfach erlebt hat, bringt ein anderer Partner sehr viel eigene StartUp Erfahrung einschließlich erfolgreichem Börsengang mit, ein dritter, vor vielen Jahren erfolgreich bei der Einführung der D2-SimCard, ist Experte für den Telco-Markt, der vierte Partner kann auf mehrjährige Forschungs- und Produkt-Management Erfahrung u.a. bei Microsoft in Seattle verweisen.

Überraschend für mich, dass es trotz (oder gerade wegen) der im IT Umfeld momentan recht schwierigen wirtschaftlichen Situation relativ viele und noch dazu qualitativ hochwertige Finanzierungsanfragen junger StartUp's im Software-, Halbleiter, Optik-, Medien- oder Telco-Umfeld gibt. So ist es nicht sehr schwer, genügend Kandidaten für die geplanten 6-8 Neu-Finanzierungen in diesem Jahr zu finden, weitaus komplizierter jedoch, aus den 4-5 "heißen" Kandidaten denjenigen auszuwählen, der das größte Potential hat, die Investitionssumme von ca. 5-6 Mio EUR in einem absehbaren Zeitraum von 5-8 Jahren um einen zumindest zweistelligen Faktor zu vervielfachen. Alle Investitionskandidaten müssen das Potential zum Börsengang haben, wobei der Neue Markt nicht mehr unbedingt die erste Wahl, die Nasdaq aufgrund ihrer weitaus längeren Existenz und der größeren Erfahrung der Anleger oft die erste Präferenz ist.

Das Gesamt-Umfeld stellt sich für junge Unternehmensgründer momentan sehr positiv dar, die Konkurrenzsituation ist übersichtlicher geworden, es ist wieder möglich, qualifizierte Mitarbeiter zu bezahlbaren Preisen zu finden und die Investoren sind geduldiger was die Erreichung des Break Even oder einen Börsengang des Unternehmens betrifft. Dies ist möglich, da die Bewertungen im Moment sehr viel realistischer und somit auch die Investitionssummen niedriger sind, als dies in der "Hype"-Phase Ende der 90er Jahre noch der Fall war.
April 2002
Das zweite Semester ist geschafft. Die Sommerpause ist nun für viele eine gute Gelegenheit, sich vor dem Antritt des Internships ein bisschen zu erholen bzw. dieses jetzt mit ein bisschen mehr verfügbarer Zeit auch zu finden. Für einige ist es sicherlich auch gewöhnungsbedürftig, nicht mehr fremdbestimmt von Abgabe-Terminen und Examens-Schedule auf einmal die Zeitplanung wieder selbst in die Hand nehmen zu müssen.

Die letzte Examenswoche begann mit den Strategie-Präsentationen am Samstag. Meiner Meinung nach die wohl effektivste Prüfungsform, da sich jede Gruppe eine für sie interessante Firma aussuchen konnte, die dann mit Hilfe einer mehr oder weniger großen Anzahl der erlernten Templates analysiert und einer Gruppe von 70 Mit-Studenten vorgestellt wurde. Ein sehr interessanter Tag, da wir hier die Gelegenheit hatten, uns innerhalb von jeweils 30 Minuten mit den wichtigsten Kenngrößen und Strategien einiger innovativer Firmen wir z.B. Swatch, EasyJet und Dell vertraut zu machen. Schade nur, dass das Timing ziemlich ungünstig war, denn die Präsentationen waren genau in der Woche, in der auch alle anderen Abschlussprüfungen stattfanden.

Die Prüfungen waren größtenteils "Case"-basiert, wie ja auch das gesamte 2.Semester. Pech, wenn man sich mit einem Thema überhaupt nicht identifizieren konnte (Beispiel: "Entwicklung einer Strategie für die Produktion von Plastik-Behältern in verschiedenen Größen und Mengen" im Fach Operations Management). In diesem Fall ist es natürlich sehr praktisch, sich gemeinsam in einer Gruppe vorzubereiten mit zumindest einem Experten zum Thema - zumal der Case in diesem Fall bereits eine Woche vorher ausgehändigt wurde.

Glück wiederum in Marketing. Es ging darum, verschiedene Tarif-Modelle für die Mobilfunk-Sparte von Omnitel in Italien zu analysieren und eine strategische Empfehlung abzugeben. Da ich in meiner letzten Tätigkeit im Softwarevertrieb hauptsächlich mit Kunden im Telekommunikations-Umfeld zu tun hatte, war mir der Hintergrund sehr gut vertraut, diesmal konnte ich jede Menge Input in mein Marketing-Team einbringen. Da wir diesmal den Case erst am Vortag direkt nach dem Finance-Examen bekamen, galt es, ein optimales Verhältnis aus gründlicher Vorbereitung und ausreichend Schlaf zu finden, um in der Prüfung am nächsten Tag fit zu sein.

Alles in allem ein sehr interessantes und praxisorientiertes Semester. Diejenigen, die sich für einen MBA/MBI entschieden haben, können dies noch bis Ende Mai mit zusätzlichem Know-How im IT-Umfeld ergänzen.
März 2002
Viel Positives gibt es seit Februar zu berichten! Inzwischen habe ich meinen Vertrag für das Sommer-Internship unterschrieben und freue mich schon sehr, das MBA Wissen bald anwenden zu können. Von April bis Juli werde ich in einer Venture Capital Firma in München arbeiten und lernen, was einen erfolgreichen von einem nicht erfolgreichen Business Plan unterscheidet - eine Erfahrung, die mir auch beim Europäischen Business Plan Wettbewerb im Juni in INSEAD zugute kommen wird. Dort werde ich mit meinem Team die Rotterdam School of Management in diesem Jahr vertreten.

Doch bis dahin gibt es noch eine Menge zu tun. Wir haben zwar die interne Ausscheidung mit unserer medizintechnischen Idee gewinnen können, allerdings ist es bis zum 20-seitigen Business Plan noch ein weiter Weg, so dass es auch während der Semesterferien, die im April beginnen, sicher nicht langweilig wird. Unterstützung bekommen wir sowohl von Mentoren, die durch den NewVenture Business Plan Wettbewerb in Holland auf uns aufmerksam geworden sind, als auch von Felix Guttmann, der im 3.Semester hier an der RSM Entrepreneurship lehrt und uns einige Jahre Erfahrung im Aufbau von StartUp's voraus hat. Vorher stehen jedoch die wohl hektischsten 2 Wochen des ersten MBA-Jahres bevor, da bis zum Ende des 2ten Semesters so ziemlich alle Deadlines für Marketing Plan, Strategie Gruppen-Projekt, Technologie-Essay, Finance-Critique der Fälle des letzten Semesters auslaufen und noch dazu einige Abschlussprüfungen auf dem Programm stehen.

Die Zeit für andere Freizeitaktivitäten wird dabei immer knapper, da kam der regnerische Sonntag heute ganz gelegen. Leider ist das geplante Inline-Skating sozusagen ins Wasser gefallen, dafür steht jetzt aber die erste Version unserer Strategie-Präsentation für nächsten Samstag. Wir werden analysieren, ob NTT DoCoMo mit i-mode in Europa erfolgreich sein wird. Bin schon gespannt, ob sich der Rest der Gruppe unserer Meinung anschließt, was in diesem Fall nicht ganz unwichtig ist, da die Bewertung der Präsentationen (ganz demokratisch!) von den Kommilitonen und nicht vom Professor vorgenommen wird, der seiner Meinung allerdings durch die Bewertung des 20seitigen Essays auch Ausdruck verleihen darf.
Februar 2002
Nachdem die letzten Tag von intensiver Arbeit zur Vorbereitung der Mid-Term Examen des zweiten Semesters gekennzeichnet waren, konnten wir am Samstag unser letztes gemeinsames Ereignis mit dem Jahrgang 2002 feiern, die offizielle RSM Gala. Höhepunkte waren u.a. der Auftritt der Bands beider Jahrgänge, die wochenlang geprobt und am Gala-Abend dann auch zu Höchstform aufgelaufen sind, sowie ein Video mit den schönsten Fotos aus den letzten 18 Monaten an der RSM, eine schöne Erinnerung. Schon ein merkwürdiges Gefühl, dass all die vertrauten Gesichter ab Montag nicht mehr da sein werden, statt 300 nur noch 150 Studenten für die letzten 6 Wochen des Semesters. Nicht alle haben bisher einen Job gefunden. Da geht es uns besser. Soweit stimmen wir jedenfalls alle in unserem Optimismus im Hinblick auf die hoffentlich absolut positive Entwicklung auf dem Arbeitsmark in den nächsten 12 Monaten überein.

Aber selbst ein Internship für den Sommer zu finden ist nicht leicht. Gut haben es da diejenigen, die in ihre Heimatländer zurückkehren möchten und bereits bestehende Kontaktnetzwerke nutzen können. Oder die, die an der offiziellen Interview-Runden an der RSM für die Bereiche Consulting & Finance teilgenommen und sich für die hier beträchtlich reduzierte Anzahl von Internships qualifizieren konnten. Einige Möglichkeiten für ein Sommerprojekt haben wir auch über unsere Aktivitäten im StartUp Club entdeckt bzw. über Kontakte zu Absolventen aus früheren Jahrgängen. Dennoch, es bleiben nur noch wenige Wochen bis zur Sommerpause und manche werden schon langsam ein bisschen nervös. Ich werde nächstes Wochenende nach München fliegen und habe verschiedene Interview-Runden bei StartUp- bzw. Venture Capital-Firmen geplant. Ich hoffe, dass ich danach eine Entscheidung treffen und mich wieder voll auf das Studium konzentrieren kann, das momentan immer mehr Zeit in Anspruch zu nehmen scheint. Das heißt, es wird auch immer wichtiger, Prioritäten zu setzten und Arbeit aufzuteilen. Positiver Nebeneffekt ist ein besseres Time Management.
Dezember 2001
"Unglaublich, dass das erste Semester schon vorbei ist!", so die einhellige Meinung auf der RSM-Weihnachtsfeier unseres Jahrgangs. Hinter uns liegen nun bereits mehr als drei Monate unseres MBA Programms, die vor allem dazu dienen sollten, die Grundlagen in den Bereichen Accounting, Statistik und IT zu legen und unsere strukturell sehr heterogene Gruppe auf ein gleiches Niveau zu heben. Dabei bot sich in ersten Group Assigments bereits mehrfach Gelegenheit, einige der 154 Studenten aus 49 Ländern näher kennen zulernen. Eine Aufgabe war beispielsweise anhand von statistisch ermittelten Daten herauszufinden, ob sich Umweltschutz für Unternehmen durch höhere Umsätze und loyalere Mitarbeiter auszahlt. Meine Gruppe bestand für dieses Projekt aus einem Griechen mit Pharma-Background und einem Brasilianer mit Logistik-Erfahrung, was die Bearbeitung des Falls nicht unbedingt beschleunigte, jedoch viele interessante Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen und Denkansätze vermittelte. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass ich selten so viel Spaß in einem Gruppenprojekt hatte.

Nachdem in der zweiten Novemberhälfte aufgrund der Examensvorbereitung nicht viel Zeit für soziale Kontakte blieb - es sei denn, man schloss sich zu Lern-Gruppen zusammen - freuten wir uns schon auf die letzten zwei Wochen vor der Weihnachtspause. Nun stand ein Kommunikationsworkshop auf dem Programm, in dem nach drei Monaten "hard facts" nun die "soft skills" im Vordergrund standen. Besonders interessant waren auch hier die unterschiedlichen kulturellen Sichtweisen, die wir bei allen Teilaspekten des Kurses ausführlich diskutieren konnten. Da wir aus fast jedem Teil der Erde einen Vertreter im Programm haben, blieben hier kaum Fragen offen, jedoch viele Stoff zum Nachdenken - auch für die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage.

In diesen zwei Wochen waren weder Prüfungen noch Group Cases außerhalb der regulären Einheiten vorgesehen, so blieb viel Zeit um die anderen Studenten des Jahrgangs auf diversen (Dinner-)Parties näher kennen zu lernen. Einer der Höhepunkte war das internationale Holiday-Food-Festival, zu dem jeder ein typisches Landesgericht/-getränk der bevorstehenden Feiertage kochte oder bereits von zu Hause mitbrachte. Nach einem letzten Workshop, in dem die Kommunikation mit der Presse trainiert wurde, verabschiedeten sich nach Austausch letzter Weihnachtsgeschenke und -karten alle in die dreiwöchigen Weihnachtsferien, die die meisten zu Hause, einige jedoch auch in Spanien, Marokko oder beim Skifahren verbringen wollten.

Am 7.1. geht's dann wieder gut erholt ins zweite Semester. Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit in Gruppen, die jetzt im Vordergrund steht, denn das erste Semester war ja doch eher auf eigenständiges Lernen fokussiert. Da gibt's neben neuem Stoff aus den Bereichen Marketing, HR & Strategie sicher wieder jede Menge internationale Lebenserfahrung.

Warum einen MBA an der RSM?
Nach erfolgreichem Abschluss meines Informatikstudiums 1993 hatte ich die Gelegenheit, ein deutsches und ein amerikanisches StartUp im Software-Umfeld mitaufzubauen. Dabei konnte ich in beiden Firmen ganz unterschiedliche Erfahrungen Sales & Marketing machen, aber auch die Implementierung von Software-Projekten kennenlernen bzw. aktiv mitgestalten. Beide Firmen erlebten dabei Wachstumsphasen von mehr als 100 Prozent pro Jahr, was vor allem beim Aufbau der Teams sehr viel Spaß gemacht hat.

Mit der Teilnahme am MBA-Programm möchte diese Berufserfahrung durch eine breitere Management-Ausbildung erweitern, sozusagen das Rüstzeug zum StartUp eines eigenen Unternehmens schaffen. Dazu gehört, Business-Pläne zu schreiben und zu analysieren, das notwendige Zahlenmaterial auszuwerten bzw. Strategien zum Aufbau von StartUp Firmen erstellen können. Aber auch Grundlagen in der Buchhaltung, Marketing, Operations Management und Finance sind hier enorm wichtig.

Ein weiterer Plus-Punkt ist sicherlich, dass man sich quasi "on top of it" ein weltweites Netzwerk von wertvollen Kontakten schaffen kann, eine Gelegenheit die sicherlich bei einem internationalen MBA Studium einmalig ist. Dies ist auch einer der Hauptgründe für meine Wahl der RSM (Rotterdam School of Management), da dies die nach meinem Wissen internationalste Business School überhaupt ist. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, im Vorfeld meiner Entscheidung Absolventen der RSM aus verschiedenen Jahrgängen, die sich regelmäßig zum Dinner in München treffen, kennen zulernen und stellte fest, dass ich mit solchen Kollegen gern in meinem Business School Teams zusammenarbeiten würde. Dies führte auch dazu, dass ich meine Vorbehalte gegenüber den vermeintlich arroganten MBA's größtenteils revidieren konnte und mich entschloss, nach acht Jahren im Job mal eine Pause einzulegen, um wieder etwas ganz Neues zu lernen.
September 2002
Am 2.September hat das 3. Semester begonnen, nach einem interessanten Sommer ist es sehr schön wieder hier zu sein und festzustellen, wie sehr man die Kommilitonen doch in den letzten Monaten vermisst hat!
Sehr interessant für mich auch die Electives dieses Semesters. Durch die Auswahlmöglichkeit kann ich mich jetzt voll auf die Bereiche konzentrieren die mir persönlich oder für die künftige berufliche Weiterentwicklung wichtig sind. Daraus ist eine Mischung von Finanz- und Marketing-Kursen entstanden. In den Finanz-Kursen wird allerdings nicht ausschließlich "Number-Crunshing" in den Vordergrund gestellt, sondern auch die ethischen Aspekte von Entscheidungen im "Corporate Finance"-Umfeld besprochen und heftig diskutiert.

Viele Denk-Anstöße liefert auch der Leadership Kurs. Der MBA sollte ja nicht ausschließlich eine Aneignung weiterer technischer Skills auf einer anderen Ebene sein, sondern auch die Persönlichkeit formen sowie Gelegenheit geben, eigene Entscheidungsprozesse und Führungsverhalten kritisch zu reflektieren bzw. sich für neue Ideen zu öffnen.

In Business Marketing werden wir die Gelegenheit haben, strategische Vorschläge nicht nur theoretisch an Cases zu erproben sondern diese ganz praktisch in einer Simulation in 9 Runden umzusetzten. Dabei müssen die Entscheidungen, die wir unserem Team treffen, 1-2 mal wöchentlich weitergeleitet werden, am nächsten Tag gibt's dann Feedback und es geht in die nächste Runde. Wird sicher spannend.


Dieser Artikel ist erschienen am 08.03.2002