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Angreifer Brito gilt als Spezialist für Fusionen

Von Alexander Busch
Carlos Brito ist seit zweieinhalb Jahren Chef des belgischen Inbev-Konzerns. Der Job an der Spitze des umsatzstärksten Braukonzerns der Welt ist nicht spurlos an dem 48-Jährigen vorübergegangen. Obwohl er bisher ausgezeichnetete Arbeit geleistet hat. Auf den CEO-Posten bei Inbev hat sich der Brasilianer bestens vorbereitet.
Inbev-CEO Carlos Brito genehmigt sich angesichts guter Unternehmenszahlen ein kühles Blondes. Foto: Reuters
SÃO PAULO. Er sieht immer noch jünger aus, als es seine 48 Jahre erwarten lassen, trotz seiner hohen Stirn. Doch Carlos Brito tritt heute deutlich angespannter auf, als man ihn noch aus Brasilien kannte. Wenn er in einem Interview Argumente für die Übernahme mit Anheuser-Busch präsentiert, dann macht er es zwar weiterhin im lockeren Freizeithemd. Aber dabei sind seine Lippen in jeder Argumentationspause zusammengepresst, er blinzelt kaum, die Stirn furcht sich. Sein Lächeln ist keines, sondern eher ein angespanntes Zähnezeigen.Der Job an der Spitze des nach Umsatz größten Braukonzerns der Welt, den er seit zweieinhalb Jahren führt, hat seine Spuren bei Brito hinterlassen. Dabei hat er den bisher hervorragend gemacht: Seither steigt die Bruttorendite jährlich um 15 Prozent, der Absatz um fünf Prozent. Die Bilanzzahlen zeigen die Unterschiede zwischen Jäger und Gejagtem deutlich: Während die nordamerikanische Anheuser-Busch-Gruppe eine Umsatzrendite von 25 Prozent einfährt, macht Inbev unter Brito inzwischen 35 Prozent.

Die besten Jobs von allen

Brito hat mit seinen acht Mitstreitern aus Brasilien im Vorstand von Inbev eine Kulturrevolution ausgelöst, vor allem beim damaligen Fusionspartner Interbrew in Belgien. Das Brauhaus in Louven hatte die brasilianische Ambev 2004 übernommen ? oder war es letztendlich eine Übernahme der Belgier durch die Brasilianer? Heute ist das alles nicht mehr so klar, aber Fakt ist, dass nur noch drei von dreizehn Direktoren aus Belgien kommen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gute Vorbereitung für Stellung im Topmanagement Brito empfahl sich für den Job des CEO von Inbev mit einem Meisterstück in Nordamerika: Die Brauerei Labatt in Kanada, einst trotz ihrer Marktführerschaft mit den niedrigsten Profiten arbeitende Tochter auf dem Kontinent, trimmte er in einem halben Jahr mit einem rigiden Kostensenkungsprogramm auf Rendite. Danach war Ende 2005 der Weg frei an die Spitze von Inbev.Vorbereitet auf die Stellung im Topmanagement haben den in Rio geborenen Brito seine 16 Jahre bei Ambev, der besten brasilianischen Kaderschmiede für Nachwuchstalente. Brito hat so ziemlich alle Stationen des brasilianischen Konzerns kennen gelernt ? mit Abstechern bei Shell und Daimler in Brasilien.Bei Ambev arbeitete Brito als Finanzanalyst, leitete Bierfabriken, organisierte den Verkauf, erledigte Personalaufgaben und hat den Konzern in Brasilien sogar kurzzeitig geführt. ?Lieber August? schrieb er jetzt in einem veröffentlichten Brief an seinen Kollegen an der Spitze des US-Riesen und versuchte dem die Übernahme schmackhaft zu machen.Ob der Deal jetzt klappt, hängt vor allem von Britos eigenem Mentor ab: dem Brasilien-Schweizer Jorge Paulo Lemann. Er hat Brito angeblich zu Beginn seiner Ambev-Karriere persönlich mit einem Stipendium für Stanford gefördert. Die graue Eminenz des brasilianischen Investmentbanking ist seit der belgisch-brasilianischen Fusion 2004 einer der wichtigsten Anteilseigner des Konzerns.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.06.2008