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Anette Jana Villa

Die Ausgangsfragen
Orientation Week
Die ersten Wochen
Der Endspurt
You can eat an elephant
Term 2
No more WAC's
Es ist Frühling geworden
"You may start now"
Kurz vor Schluss









Wo standen Sie (beruflich/karrieremäßig), als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?
Ich habe nach dem Abitur zuerst eine Ausbildung zur Werbekauffrau in einer PR-Agentur und danach ein Magister-Studium Kommunikationswissenschaften absolviert. Nach einem Jahr bei Lufthansa German Airlines in London und einem kurzen Aufenthalt in einer PR-Agentur in Hamburg war ich seit August 2000 in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Lufthansa Technik AG beschäftigt. In den vergangenen drei Jahren war ich hier für die Mitarbeiterzeitung verantwortlich.

Die besten Jobs von allen

Warum ein MBA?Durch meine Tätikeit in der PR-Abteilung eines grossen Unternehmens hatte ich Kontakt mit vielen verschiedenen Bereichen. Marketing, Finanzen, Human Resources .. alles Themen, über die ich durch meine Tätigkeit für die Mitarbeiterzeitung der Lufthansa Technik zwar viel gelernt habe, die aber im Grunde fremd waren. Ich hatte oft das Gefühl mir fehlt das Basiswissen, und ich wollte gerne mehr darüber lernen, wie ein Unternehmen als Ganzes funktioniert.

Gleichzeitig ist das MBA eine Möglichkeit ?soft skills? zu trainieren, wenn man zum Beispiel Projekte in einem Team, das aus verschiedenen Persönlichkeiten und Kulturen besteht, aber keine Hierarchien hat, gemeinsam diskutieren, ausarbeiten und präsentieren muss. Und natürlich bietet ein MBA die einmalige Chance, nochmal zu studieren, auszusteigen aus dem Berufsleben und das eigene Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Warum Cranfield?Ich hatte mich sehr schnell für England entschieden, zum Teil, weil für mich nur eine 1-Jahres-Programm in Frage kam und zum Teil aus persönlichen Gründen. Ich mag England ? ich mag die Sprache, die Menschen, den Humor und an guten Tagen sogar das Essen und das Wetter.Von Cranfield hatte ich erstmalig durch einen Freund gehört. Auf der Website der ?School of Management? habe ich dann die Ausschreibung des Stipendiums für Bewerber aus der Luftfahrt-Industrie gesehen und habe mich darum beworben. Die Möglichkeit dieses Stipendium wahrzunehmen, war natürlich ausschlaggebend für meine Entscheidung für Cranfield. Aber ebenso wichtig war die Tatsache, dass ich nach dem persönlichen Eindruck, den ich während des Interview-Tages gewonnen hatte, wusste, dass Cranfield die richtige Schule für mich ist.Schon während des gesamten Bewerbungsprozesses war ich beeindruckt von der Geschwindigkeit, vor allem aber von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des ?Admission Teams?. Der Interview-Tag war toll. Ich hatte von einer ?Business School? erwartet, dass die Atmosphäre eher steif und förmlich ist, aber im Gegenteil, die Atmosphäre war sehr entspannt und alle Menschen offen und genuin freundlich. Wir hatten auch die Gelegenheit, mit MBA-Studenten des aktuellen Jahrgangs zu sprechen und ich hörte immer wieder die gleiche Ausssage: Cranfield ist anders, Cranfield wird Dich verändern - positiv. Und: Cranfield legt Wert auf die persönliche Weiterentwicklung, auf Teamarbeit, auf ?Personal Communication Skills?. Für mich war das entscheidend. Wenn man sich den Luxus nimmt, ein Jahr ?auszusteigen?, dann nicht, um Dinge zu lernen, die in Büchern stehen.KostenEin MBA ist bekanntermassen sehr teuer. Die Studiengebühren betragen 25.000 Pfund, dazu kommen in England die nicht unerheblichen Lebenshaltungskosten. Es gibt jedoch verschiedene Stipendien und es lohnt sich diese zu recherchieren. Cranfield bietet neben dem Stipendium für die Luftfahrt-Industrie zum Beispiel ?Feeshare?-Stipendien. Oder wie ein guter Freund zu mir sagte ?Wenn Du es wirklich machen willst, wird sich eine Möglichkeit finden.? Orientation WeekUnbeschreiblich. Organisiert wird die ?Orientation Week? von Absolventen des vorherigen Jahrgangs, deren Enthusiasmus für das Proramm unübersehbar ist und schnell auf alle überschlägt. Die ?Orienteers? haben eine tolle Woche organisiert, in der nicht nur Wertolles und Wissenswertes für das kommende Jahr vermittelt wird, sondern in der schnell ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Eine Woche mit Programm von morgens bis abends, aber irgendwo findet man immer noch ein bisschen Energie, um abends zu tanzen, zu feiern und zu reden. Anfangs ist man noch überrascht, wenn man von den vielen interessanten Erfahrungen und Tätigkeiten der anderen Leute hört, aber man gewöhnt sich schnell daran, dass hier kaum jemand einen ?normalen? Lebenslauf hat. Mein Bild von dem ?typischen MBA?ler? muss ich schnell korrigieren ? positiv.?Get In? ist das Motto und wir halten uns daran ? ich habe mich noch nie so wohl gefühlt unter 130 Menschen, die ich erst seit einer Woche kenne. Höhepunkt ist der ?Cabaret?-Abend, für den sich jeder ?stream? ? wir sind in drei ?streams? unterteilt ? ein 15minütiges Programm ausdenken muss. In vier Tagen werden in den wenigen freien Stunden, die wir haben, Sketche geschrieben, Lieder getextet, Tänze einstudiert und geprobt. Niemand hält sich an die 15 Minuten, jeder ?stream? ist mindestens eine halbe Stunde auf der Bühne. Das Ergebnis ist erstaunlich gut und die Stimmung ist unglaublich.Ausserdem gibt es in der ?Orientation Week? natürlich viele praktische Informationen über Bibliotheken, Datenbanken, Examen und wir bekommen unsere ?Cranfield ready?- Laptops, ausgestattet mit allen Programmen, die wir brauchen. Kurz gesagt: Man wird perfekt vorbereitet auf das kommende Jahr ? eine ganz neue Erfahrung, wenn man aus einem Job kommt, in der der Sprung ins kalte Wasser zum Berufsbild gehört.Ach ja, und dann wird in der ?Orientation Week? noch sehr viel geredet über ?the Cranfield experience?: ?get out of your comfort zone, this is a risk-free environment, try things out, you get out what you put in ....." Die ersten WochenVorlesungen von 8.45 bis 12.45. Team Meetings am Nachmittag, unterbrochen von Veranstaltungen wie ?Personal Development?, ?CV Writing? und ?Cranfield Management Assocation? (Alumni-Vereinigung). Abends: Lesen, Lesen, Lesen. Am Ende der ersten Woche ist das meistgebrauchte Wort auf dem Campus ?knackered? (frei übersetzt: fix & fertig) auf die in England obligatorische Frage ?How are you??.Der Lernprozess in Cranfield ist team-orientiert. Das bedeutet, man bekommt am Anfang des Terms ein ?Learning Team? zugeteilt, das aus sechs Personen besteht. Der ?3 Day Cycle? bedeutet, bei den obligatorischen ?Case Studies? gehen wir nach folgendem Schema vor: 1 ? Individual Preparation 2 ? Team Discussion 3 ? Class Discusssion. Der Vorteil ist, dass man die Lerninhalte besser vertieft, weil man jeden Fall erst im Team diskutiert und später in der Vorlesung. Vor allem lernen wir ?soft skills?: Zuhören, Diskutieren, sich dabei an den vorgegebenen Zeitrahmen halten, sich mit der Meinung der anderen auseinandersetzen, eigene Ideen vortragen und diese verteidigen oder aber akzeptieren, dass die des Teams besser sind.Parallel dazu diskutieren wir in ?Organizational Behaviour?, wie ein Team funktioniert. Am Ende unserer Meetings müssen wir in den sogenannten ?QOITs? (Quick Outline of Interpersonal Interaction Tool) festhalten, wie effektiv unser Meeting war und warum ? oder auch häufig warum nicht.Ausser viel Arbeit haben wir viel Spass. ?Work hard, play harder? ist das Motto. Jeden Donnerstag gibt es ein ?social event?: Karaoke, Halloween, James-Bond-Party, Salsa Night ... Der Endspurt7 Wochen später: Alles ist anders, als ich es am Anfang erwartet habe.Am Anfang fand ich es anstrengend, den ganzen Tag nur Englisch zu sprechen, mittlerweile macht es Spass (meistens). Es macht Spass immer wieder neue Vokabeln zu lernen und zu sehen, dass es täglich einfacher wird. Gleichzeitig finde ich es aber immer noch oft frustrierend, dass ich mich nicht so gut ausdrücken kann, wie ich es in Deutsch gewöhnt bin.Einige Dinge sind einfacher als erwartet: Zum Beispiel die gefürchteten WACs, bei denen man innerhalb von 26 Stunden einen Bericht zu einem ?Case Study? abgeben muss. Wir haben schon zwei überstanden ? mit wenig Schlaf zwar, aber alle haben - wenn auch teilweise nur Sekunden vor der Deadline ? pünktlich abgeliefert.Manche Dinge sind schwieriger als erwartet: In meinem ?Learning Team? geht es gerade ganz schön rund. Zusätzlich zu unseren individuellen Tests und Prüfungen müssen wir Team-Berichte abgeben und es ist oft extrem schwer, hier zu einer gemeinsamem Meinung oder zu einem Kompromiss zu kommen.Das Arbeitspensum ist nach wie vor heftig, und in manchen Fächern verliert man auch schon mal den Anschluss. In meinem Fall ist es Statistik ... Die Euphorie des Anfangs ist nicht mehr da und übrig bleibt vor allem viel Arbeit. Viele Leute erkenne ich nicht wieder. Leichenblass und mit tiefen Ringen unter den Augen sieht man sie von Kaffeemaschine zu Kaffeemaschine ziehen ...Selbst das übliche ?fine? auf das obligatorische ?How are you?? geht nicht mehr ganz so leicht über die Lippen. Aber das Ende von Term 1 ist in Sicht.Und es macht nach wie vor viel Spass, täglich Neues zu lernen und anzuwenden (OK, ausser Statistik ...), täglich an seine Grenzen zu stossen und zu sehen, wie viel man in kurzer Zeit erreichen kann. Die ?80/20-Rule? (mit 20% des Aufwands 80% der Wirkung erreichen) bestimmt unsere Meetings, unsere Projekte, unser Leben. Die ersten Erfolge werden gefeiert. Wir haben die ersten Krisen überstanden und die ersten Präsentationen. Noch zwei Wochen bis zu den Examens-Prüfungen ... You can eat an elephantIt is over! Term 1 ist endlich vorbei. Die letzten zwei Wochen waren anstrengend und von viel Lernen und wenig Schlaf gekennzeichnet.Wir haben Vorlesungen bis kurz vor den Prüfungen und nur drei Tage, um uns auf die Fächer Marketing, Accounting, Economics, Operations Management und Statistik vorzubereiten. Theoretisch sollten wir durch den 3-day-cycle den ganzen Stoff bereits kennen, aber jetzt rächt sich jede Vorlesung, auf die ich mich nicht vorbereitet habe oder in der ich - geistig - nicht anwesend war. Es ist unmöglich sich auf alles vorzubereiten, Mut zur Lücke ist gefragt. Am Abend vor der ersten Klausur ist die Stimmung in meiner WG bescheiden. Nach 3 Tagen extrem-Lernen sind die Fragen, die uns am meisten beschäftigen: "Warum tun wir uns das eigentlich an?" und "Wie sind wir eigentlich auf die blöde Idee gekommen noch mal zu studieren?" Am nächsten Morgen bin ich so aufgeregt wie vor meiner Führerscheinprüfung.3 Tage und 5 Klausuren später ist es dann endlich soweit: Wir stehen alle mit Wein und "mince pies" (für den Nicht-Engländer leider ungenießbar) bewaffnet im Forum (eine Art Aula) und können noch nicht glauben, dass es wirklich vorbei ist. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl zu Beginn des MBAs, als wir das erste Mal auf unseren Terminplan geguckt haben und uns gefragt haben, ob das wirklich alles zu schaffen ist. 10 Wochen später wissen wir: "You can eat an elephant if you do it bite by bite."Ein Projekt steht noch aus: Der Report für "Organizational Behaviour", ein gemeinsamer Bericht des "learning teams", in dem wir den Erfolg oder Nicht-Erfolg unseres Teams beschreiben und analysieren. Haben wir gut zusammen gearbeitet? Welche Probleme hatten wir? Was machen wir im nächsten Team anders und besser? Was haben wir gelernt über funktionierende Teams und wie können wir das Gelernte anwenden? Wir stellen fest, dass wir gegen Ende des Terms zuviel Zeit verloren haben, weil wir grundsätzliche Themen nicht gleich am Anfang diskutiert haben, und ich gehe mit vielen guten Vorsätzen in das nächste Team: Mehr Zeit für Feedback, Probleme schneller klären, mehr "people-" und weniger "task-orientation".Die neuen "streams" und "learning teams" stehen bereits fest und werden auf der Weihnachtsfeier eifrig diskutiert. Die Weihnachtsfeier ist das "social event" des Jahres, auf das ich mich schon seit Wochen freue. "Smart dress" ist angesagt und in Abendkleid und Smoking treffen wir uns zum festlichen Dinner. Endlich ist Zeit für richtige Gespräche, nachdem es in den vergangenen Wochen immer nur zu einem hektischen "How are you?" im Forum gereicht hat. Die MBA-Band hat ihren ersten Auftritt und wird frenetisch bejubelt. Die Stimmung ist großartig, es wird viel und ausgelassen getanzt und auch nach dem offiziellen Ende ist die Party noch lange nicht vorbei.Dementsprechend gibt es leichte Anlaufschwierigkeiten, als am nächsten Morgen um 9.45 Uhr "Career Planning" auf dem Programm steht. In einem zweitägigen Workshop diskutieren wir, was für uns wichtig ist im Job, wie unser Traumjob aussieht und wo die Reise hingeht nach dem MBA.Für mich geht sie jetzt erst mal nach Köln. Nach 10 Wochen "prison camp" kann ich es kaum erwarten nach hause zu kommen. Oder wie ein Kommilitone sagte: "Ich habe mich nicht mehr so auf Weihnachten gefreut seitdem ich 5 Jahre alt war". Und beim allgemeinen Verabschieden und "Merry Christmas"-Wünschen im Forum denke ich, dass ich mich schon jetzt darauf freue im Januar wieder hier zu sein. Ausgeschlafen und fertig für Term 2.Term 2 Term 2 beginnt mit einer Woche Projektmanagement von morgens bis abends. Wir haben neue "learning teams" und es ist ganz anders als in Term 1 - wir haben keine Zeit, uns aneinander zu gewoehnen und uns kennen zu lernen, da gleich die erste Prüfung ansteht. Es zeigt sich, was wir in Term 1 gelernt haben: In einer halbstündigen Diskussion klären wir routiniert unsere Stärken und Schwächen ab und legen die Regeln unserer Team-Meetings fest. Jeder berichtet kurz über sich und seine Arbeitsweise, beispielsweise: Reflektiere ich Dinge gerne oder lege ich am liebsten ohne viel Planung gleich los? Was ist für mich ein gutes Meeting - wenn alle durcheinander reden oder wir eine feste Struktur und Agenda haben? Sind mir bei einem Projekt gute Noten wichtig oder der Lerneffekt? Erledige ich Dinge lange im voraus oder mache ich gerne alles in der letzten Minute? Verlasse ich mich nur auf harte Fakten oder auch mal auf Intuition? Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich jeder arbeitet und wie wertvoll dieses Wissen in der Zusammenarbeit ist. Es ist auch erstaunlich wie viel Selbsterkenntnis Term 1 gebracht hat - jeder weiss ziemlich genau, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und mit welchen Situationen oder Arbeitsweisen man gut oder schlecht umgehen kann. Die Projektmanagement-Woche ist sehr gut konstruiert: In Vorlesungen lernen wir die theoretischen Techniken, und parallel dazu wenden wir diese in einer Simulation an. Wir müssen ein Warenhaus bauen, das heisst, Arbeitskräfte, Materialien, Werkzeuge, Maschinen etc. koordinieren. Dabei gehen natürlich wie im richtigen Leben Dinge schief: Zwischendurch will der Auftraggeber noch einen zusätzlichen Arbeitsschritt einbauen und zwei unserer Team-Mitglieder werden plötzlich entfernt. Unser Team arbeitet toll zusammen und unser erster Erfolg - wir erreichen das drittbeste Ergebnis - macht uns Mut für Term 2.Term 2 ist ganz anders als Term 1. Die Aufregung ist verflogen, wir wissen, was auf uns zukommt und wir wissen, dass es machbar ist. Dementsprechend entspannt - vielleicht ein wenig zu entspannt - gehen wir unsere Projekte an. Wir fühlen uns wie sehr alte Hasen und belächeln die neuen "Executive MBAs", die gerade ihre erste Woche haben.Die Wahl der "electives" für Term 3 und 4 nimmt einen grossen Teil unserer Zeit ein. Wir können zwischen verschiedenen "tracks" wählen - Finance, Project Management, Marketing - oder einer allgemeinen Kombination von Fächern. Zusätzlich können wir durch Projekte die notwendigen "credits" zu sammeln. Ich werfe meinen Plan mehrmals um und finde es schwer mich zu entscheiden - will ich mich auf "independent projects" konzentrieren, die eine tolle Gelegenheit sind, Firmen kennen zu lernen? Will ich die Möglichkeit wahrnehmen, neben dem MBA noch das "postgraduate diploma in Marketing" zu machen? Will ich meine Kurse so legen, dass ich viel Freizeit habe? Will ich zusätzlich ein Zertifikat in Projektmanagement erlangen? Am Ende entscheide ich mich für das Marketing-Diplom, zwei Projekte und eine Mischung aus Kursen, die sich auf "soft skills" konzentrieren wie "Strategic Leadership", "Personal Awareness" und "Facilitation Skills" sowie Kursen, die eher Fakten vermitteln wie "Corporate Finance Strategy", "Economic Perspectives on Globalisation" und "International Marketing".Es fällt mir anfangs schwer, mich wieder richtig einzuleben in Cranfield. Term 1 war so intensiv, dass nur wenig Zeit blieb über andere Dinge als das nächste Projekt, den nächsten "case study" oder die nächste Präsentation nachzudenken. Jetzt habe ich dauernd andere Gedanken im Kopf wie "Was mache ich nach dem MBA?", aber manchmal auch "Warum wollte ich mein MBA unbedingt in England machen und nicht in Kalifornien?" Ich will an dieser Stelle nicht verleugnen, dass es auch Tage gibt, an denen Cranfield an den Nerven zehrt. "The mood follows the sun" - und von der ist im Moment nicht viel zu sehen. Es ist kalt und regnerisch und kalte Winterabende verbringt man eben nicht im Kino oder gemütlich auf dem Sofa oder in einer Kneipe, sondern meistens am Schreibtisch. Dazu ist das Angebot an Bars und Restaurants in Cranfield begrenzt und Abende im Universitäts-eigenen "Social Club" haben doch eher sentimentalen Wert."Burns Night" kommt da genau richtig: Ein schottischer Abend mit den Nationalgerichten Haggis (besteht aus dem Magen eines Schafes, der mit Innereien wie Herz, Leber und Lunge sowie Schafsnierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gestopft und gekocht wird) und Whiskey und vor allem schottischem Tanz. Das macht unglaublich viel Spass und ist einer der schönsten Abende hier. Schlagartig fühle ich mich wieder zuhause in Cranfield - wo sonst hat man schon die Gelegenheit unter so vielen netten Menschen zu Dudelsackmusik zu tanzen? No more WAC'sAn diesem Wochenende haben wir unseren letzten WAC - "Written Assesment of a Case" - hinter uns gebracht. Das Interessante an einem WAC ist, dass wir den Fall Freitag Morgen um 11.30 Uhr bekommen und den Bericht dazu Samstag um 14 Uhr wieder abgeben. Das bedeutet unter Umständen eine Nacht mit sehr wenig Schlaf und nicht selten sieht man Menschen mit tiefen Ringen unter den Augen um kurz vor zwei Richtung Abgabestelle sprinten.Der erste WAC war natürlich sehr aufregend. Da immer nur ein "stream" einen WAC hat, organisiert ein anderer Pizza am Freitag Abend - das ist der beste Teil, wenn man sich noch mal für eine lange Nacht stärken kann.Internationale Studenten, also "Nicht-Muttersprachler", haben einen "WAC buddy" zum Korrektur lesen. Meiner korrigiert nicht nur meine Grammatikfehler, er bringt mir auch Obst, Orangensaft und Cookies zum Frühstück. Als der Drucker um halb zwei streikt (wie im richtigen Leben), springt ein anderer Kommilitone - stolzer Besitzer eines Farbdruckers - sofort ins Auto, um meine Arbeit bei sich zu Hause auszudrucken. Der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl hier sind toll und ich habe noch nie auch nur eine Minute gezögert, jemanden um Hilfe zu bitten.WACs sind zwar anstrengend, machen aber gleichzeitig viel Spaß. Der Lerneffekt ist unglaublich, weil man sich in so kurzer Zeit sehr intensiv in ein Thema vertieft. Für jeden Fall müssen wir eine Empfehlung aussprechen, zum Beispiel in "Finance" - der letzte WAC - ob ein Projekt mit "Debt" oder "Equity" finanziert werden sollte. Gegen 1 Uhr nachts schlafe ich über meinem Buch ein und träume von Finanzierungs-Methoden und Aktienpreisen.Fast finde ich es ein bisschen schade, dass das der letzte WAC war. Es ist gleichzeitig ein Zeichen dafür, wie schnell die Zeit verfliegt und dass auch Term 2 sich schon wieder dem Ende neigt.Kurz vor Halbzeit"Sich schon wieder dem Ende neigt" heißt gleichzeitig, dass jetzt eine Deadline nach der anderen folgt. Es zeigt sich wieder, dass die Arbeit nur mit einem funktionierenden Team zu schaffen ist, in dem Projekte aufgeteilt werden und man sich auf jedes Team-Mitglied verlassen kann. Diese Koordination, wenn sechs unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinander treffen, ist manchmal schwierig und ist schon wie in Term 1 eine lehrreiche Erfahrung. Ich lerne immer noch sehr viel über mich - manchmal zu viel. Auf der anderen Seite entdecke ich zwar Stärken, von denen ich nichts wusste, aber auch viele Schwächen, von denen ich gar nichts wissen wollte. Es fällt mir oft schwer zu verstehen, dass andere Leute völlig anders als ich arbeiten - noch vor einem halben Jahr hatte ich geschworen, dass das kein Problem für mich ist. Ich zweifel oft an meiner eigenen Art zu arbeiten und zu denken und stelle dauernd alles in Frage. Das ist anstrengend, aber gut.Gleichzeitig bin ich völlig verblüfft, wie viel besser ich mich organisieren kann - ich habe nicht mehr das Gefühl, dass jeden Moment alles über mir zusammenbricht, wie ich noch es aus Term 1 kenne. Das liegt weniger an der Vorlesung zum Thema "Time Management", sondern schlicht an der Notwendigkeit. Wenn man seine Arbeit nicht gut organisiert und plant, ist das Pensum kaum zu schaffen.Das einzige, was mir Sorgen macht, ist der Blick auf den Kalender. Heute in drei Wochen haben wir Examen für Term 2. Ich kann nicht glauben, das damit schon Halbzeit ist - gestern war doch noch "Orientation Week". Es ist Frühling gewordenTerm 2 ist vergangen wie im Flug. Die letzten Wochen vor den Examen waren anstrengend, aber kein Vergleich zu Term 1. Das Lernen ist mir viel leichter gefallen als in den ersten Monaten. Ich habe mich daran gewöhnt, jeden Tag Neues aufzunehmen, was ich anfangs noch schwierig fand nach fünf Jahren Berufsleben und Abstinenz von der Uni. Vor allem habe ich mich an die Sprache gewöhnt. Ich kann englische Texte viel schneller überfliegen oder querlesen, was bei den Mengen an Lesestoff, die wir bekommen, viel Zeit spart. Meine Ordner sind allerdings voll mit gelben Zettelchen: "Nochmal lesen, wenn ich Zeit habe".In den Vorlesungen habe ich mehr mitbekommen. In Term 1 musste ich mich noch sehr konzentrieren, um bei der britischen Redegeschwindigkeit alles zu verstehen und war nach einem Vormittag oft völlig erledigt. Ich kann mich jetzt außerdem besser organisieren und auch unser Team hat professioneller und effizienter gearbeitet. Probleme haben wir schneller, wenn auch oft pragmatischer, gelöst und insgesamt deutlich weniger Zeit in Team-Meetings verbracht.Über die Examens-Vorbereitungen ist es Frühling geworden in Cranfield und alles riecht plötzlich nach Sommer und fühlt sich sehr nach "richtigem" Studentenleben an. Ich freue mich schon auf Team-Meetings draußen im Pub und darauf, im Garten zu sitzen und zu lernen statt in der Bibliothek.Term 3 beginnt mit einer Woche "Business Start Up". Für jemanden, der plant, sich nach dem MBA selbständig zu machen, ist dies eine tolle Gelegenheit sein Projekt vorzustellen, zu überprüfen und die Idee entweder zu verwerfen oder weiter zu verfolgen. Innerhalb der Vorlesungen stellt jedes Team immer wieder Aspekte des neuen Unternehmens vor, zum Beispiel was ist das Besondere an der Idee, welche Zielgruppe soll erreicht werden, wie ist die Finanzierung geplant? Dazu gibt der Rest der Klasse jeweils Feedback. Man kann dabei zusehen, wie einige Ideen reifen und besser werden, während andere Teams "ihre" Firma schon am 2. Tag wieder aufgeben. Zum Abschluss halten alle Teams eine Präsentation und bis zum Ende des Terms müssen wir einen kompletten Business Plan erstellen. BSU ist wirklich großartig für jemanden, der eine gute Idee hat und diese auch umsetzen möchte. In weiteren Kursen wie "Planning your new Business" kann man seinen Plan dann weiter vertiefen und so am Ende des MBAs einen fertigen Business Plan vorlegen.Term 3 und 4 sind völlig anders, da wir jetzt Wahlfächer haben. Das heißt, wir haben nicht mehr alle den gleichen, festgelegten Tagesablauf, sondern jeder hat einen individuellen Stundenplan. Ich habe in den ersten Wochen relativ wenig Kurse. Völlig hilflos stehe ich der ungewohnten Freizeit gegenüber und verbringe viel Zeit damit im Forum zu "arbeiten" - was meistens dazu führt, dass ich den ganzen Tag Kaffee trinke und mit Kommilitonen plaudere. Diese ruhige Zeit wird allerdings nicht lange andauern - im Juni und Juli habe ich dafür eine "Deadline" nach der anderen.Wir haben auch keine festgelegten "Learning Teams" mehr und in den Kursen, in denen die Prüfung aus einem "Group Report" besteht, kann man sein Team selber bilden. Nachdem in den ersten Terms wirklich alles für uns organisiert wurde vom täglichen Stundenplan bis hin zum festen Sitzplan in den Vorlesungen, ist es neu und ungewohnt, sich wieder selber um alles zu kümmern. Unter anderem müssen wir unsere "independent projects" organisieren. "Independent Project" heißt, wir testen unser neues Wissen in der Praxis und arbeiten gemeinsam mit einem Unternehmen. Dazu muss man ein Unternehmen finden, ein interessantes Thema (was insofern schwierig ist, da wir in einem 1-Jahres-Programm nur rund 3 Wochen Zeit haben für das Projekt) und einen Professor, der das Projekt begleitet und später den Bericht benotet.Was mich immer wieder begeistert, ist die Nähe der Professoren zu den Studenten. Wenn ich eine Frage zu einem Projekt oder zu einem anderen Thema habe, kann ich dies schnell und unkompliziert klären. Immer wieder hören wir "mein Büro ist da und da, kommt einfach vorbei, wenn Ihr eine Frage habt". Mit Grauen denke ich an mein Studium in Deutschland zurück und an Sprechstunden "Donnerstags von 15-17 Uhr", bei denen man nach zwei Stunden, die man wartend mit 50 anderen Studenten auf einem kalten Linoleum-Böden verbracht hat, zu hören bekam: "Die Sprechstunde ist vorbei. Bitte kommen Sie nächste Woche wieder." Ich habe Wochen gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, Professoren mit dem Vornamen anzusprechen und bin immer wieder erstaunt, wie entspannt und freundschaftlich das Verhältnis zwischen Studenten und Fakultät ist. "You may start now".Noch genau zweimal werde ich diese Worte hören, dann habe ich die letzten Klausuren des MBAs hinter mich gebracht. Eines meiner Auswahlkriterien für die "electives" war die damit verbundene Prüfung - ich habe ehrlich gesagt genug davon, Stoff auswendig zu lernen und in einer Klausur abzuspulen. Dafür bin ich erstaunt darüber, wie leicht es mir jetzt - im Vergleich zum Beginn des MBAs - fällt, Berichte in Englisch zu verfassen.Meine Kurse in Term 3 waren ganz unterschiedlich, da ich mich nicht auf eine bestimmte Richtung festgelegt, sondern ein breites Spektrum gewählt habe."Mergers, Acquisitions and Divestments" besteht überwiegend aus einem Spiel, in dem wir eine Firma darstellen, die ein Übernahmeangebot bekommen hat. Das Anegbot müssen wir prüfen und je nachdem ablehnen, annehmen oder mit den Kaufinteressenten - gespielt von einem anderen Team - verhandeln. Im Laufe des Kurses durchlaufen wir so die verschiedenen Schritte eines Akquisitions-Prozesses. Obwohl dies nur eine sehr abstrakte und verkürzte Version der "richtigen Welt" ist, bekommt man einen guten Einblick in die verschiedenen Elemente von Mergers & Acquisitions und erlebt, wie man sich so fühlt als Ziel einer Übernahme.Rollenspiele sind ohnehin an der Tagesordnung in Term 3 und ich bin immer wieder erstaunt, welche Eigendynamik diese entwickeln. In "Practical Change Management" simulieren wir eine Autofabrik, die vor dem Bankrott steht und ihre Prozesse komplett umstellen muss, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Jeder Teilnehmer bekommt eine Rolle und ich bin in dem Team der Unternehmensberater, die versuchen, den Veränderungsprozess umzusetzen. Alle Beteiligten gehen völlig in ihrer Rolle auf und es ist erstaunlich, wie realistisch sich ein Rollenspiel anfühlt. Nachdem wir in den vergangenen sechs Monaten Modelle über Modelle gelernt haben, ist es ein heilsamer Schock zu erleben, wie schwierig es ist, dieses theoretische Wissen in der Praxis umzusetzen.Auf der anderen Seite sehe ich in meinen "independent projects," wie viel von dem, was ich in Cranfield gelernt habe, ich in der Praxis verwenden kann. Eins meiner Projekte ist in Südafrika und ich habe die Gelegenheit, eine Woche in Kapstadt und Johannesburg zu verbringen. Ich merke, wie viel Spass es macht, mal wieder über ein echtes, reales Problem anstatt über Fallstudien nachzudenken. Die Entscheidung, ein 1-Jahres-Programm zu wählen, war genau richtig - bereits jetzt werde ich langsam ungeduldig und freue mich schon auf den "Wiedereintritt" in das richtige Leben."Personal Awareness" gehört auch zu meinen Wahlfächern. Hier geht es vor allem darum, über die eigenen Werte nachzudenken und was mir wichtig ist. Was bedeudet Erfolg für mich in meinem Leben, wie kann ich das erreichen, was ich will und was sind die Steine, die ich mir dabei selbst in den Weg lege? Das klingt ein wenig abgehoben und ist es auch. Wir machen Visualiserungen, zum Beispiel: "Schliess die Augen, atme Ruhe und Frieden ein und Stress aus. Stell Dir einen Garten vor und ein Haus. Das Haus stellt Erfolg da. Wie sieht es aus?" Einge schlafen bei dieser Übung ein, andere sind völlig begeistert. Ich finde es gut, besonders in diese Phase des MBAs, wo wichtige Entscheidungen - zum Beispiel über den nächsten Job - anstehen. Nach dem Kurs bin ich zwar immer noch nicht weiter, habe aber neue Ideen und Anregungen in meinem Kopf.Ich finde insgesamt die Atmosphäre in Term 3 ganz anders, irgendwie nachdenklich. Ich habe des Gefühl, jeder möchte auf der einen Seite die letzten Monate in Cranfield geniessen, ist aber auf der anderen Seite schon mit den Gedanken im nächsten Lebensabschnitt. Gespräche auf Parties drehen sich zunehmend um die Frage "How is your job hunt going?" Apropos Parties: Das Wetter ist sehr englisch und ich gewöhne mich daran, zu Grillabenden mit Mütze, Handschuhen, Schal und Wintermantel zu erscheinen.Ohnehin hat jeder Term hier seinen ganz eigenen Charakter und es fühlt sich so an, als würde jeder mindestens ein Jahr dauern. Wenn ich in unsere "syndicate area" gehe, in der wir in Term 1 und 2 gearbeitet haben, kommt es mir vor, als würde ich eine andere Welt betreten, in der alles anders ist. Ich habe das Gefühl, es ist Jahrzehnte her, dass wir unsere ersten Team-Meetings hatten und uns mit "QOITs" und "The Meaning of Company Accounts" rumgeschlagen haben. Auf der anderen Seite fliegt die Zeit, und schon in weniger als drei Monaten bin ich wieder in Deutschland und Rollenspiele und Barbecues bei Minusgraden werden mir auch vorkommen wie eine andere Welt. Kurz vor SchlussIch kann nicht glauben, dass ich vor ein paar Wochen dachte, ich will nie wieder ein Examen schreiben! Jetzt kann ich keine Reports mehr sehen. Ich schreibe mir die Finger wund. 2000 Worte für "Consulting Skills", 4000 Worte für ein "independent project", 1750 Worte "Leadership Skills" ... Es ist ganz gut, dass das Jahr bald um ist, ich bin langsam des Lernens müde und obwohl es immer noch neue, spannende Sachen zu lernen gibt, habe ich das Gefühl, langsam passt in mein Gehirn einfach nichts mehr rein.Ich merke aber auch, dass ich immer routinierter werde. Wenn ich daran denke, wie wir zu Beginn des MBAs vor ?WACs' gezittert haben, bei denen wir innerhalb von 26 Stunden einen 1500-Wörter-Report abgeben mussten. Mittlerweile sind 1500 Wörter nur noch eine Sache von wenigen Stunden. Das liegt natürlich auch daran, dass ich mittlerweile die 80/20-Rule wirklich gelernt habe. Durch das hohe Arbeitspensum gehe ich einfach viel pragmatischer an Aufgaben ran und meine anstrengende Neigung zum Perfektionismus ist deutlich entspannter geworden. Neben allem, was ich sonst noch gelernt habe von ?Economics' über ?Accounting' bis ?Operations Management' ist das für mich das Wichtigste. Ich habe das Gefühl, ich arbeite jetzt viel schneller, effektiver, kann besser Prioritäten setzen und mich selber besser einschätzen.Neben meiner Arbeitsweise ist auch das Wetter besser geworden. Es ist Sommer in England - kaum zu glauben. Vergangenes Wochenende war die grosse MBA-Regatta, an der Schulen aus ganz Europa teilnehmen und die von Cranfield organisiert wurde. Ein unglaubliches Wochenende auf der Isle of Wight. Samstag haben wir bei der Regatta zugesehen - es waren natürlich auch drei Cranfield-Boote am Start - und abends gab es Barbecue und eine Party. Die Stimmung war wirlich schön - auf der einen Seite sehr ausgelassen - wie immer wenn die MBA-Band auftritt - und gleichzeitig schon ein wenig melancholisch, wei allen bewusst ist, dass es nicht mehr lange dauert, bis unsere Zeit in Cranfield vorbei ist. Es ist eine komische Vorstellung, dass man die Leute, mit denen man so viel Zeit verbracht hat und die man teilweise täglich gesehen hat, bald nicht mehr sehen wird. Sicher wird der Kontakt zu vielen bestehen bleiben, aber das ist nicht natürlich das Gleiche wie hier, wo wir uns auf dem kleinen Campus dauernd über den Weg laufen.Neben dem Report schreiben geniesse ich im Moment das Campus-Leben. Es ist einfach schön, jeden Tag in die Uni zu gehen, im Forum zu arbeiten und zwischendurch in der Sonne zu sitzen, Tennis zu spielen und mit Kommilitonen zu quatschen. So wie es am Anfang interessant war, was die verschiedenen Leute vor dem MBA gemacht habe, finde ich es jetzt total spannend, wer was "post"-Cranfield plant. Und es kommen die unglaublichsten Sachen dabei raus. Manche Leute machen etwas ganz anderes als vorher, andere genau das gleiche, einige wissen es immer noch nicht so genau und manche planen einfach gar nichts, weil sie nach dem MBA erstmal Urlaub machen wollen oder sich ein Boot kaufen wollen und in die Karibik segeln.Ich werde wieder zu Lufthansa gehen, weil ich festgestellt habe, dass mir der Geruch von Kerosin fehlt. Es ist toll, die Gelegenheit zu haben, Dinge aus einer anderen Perspektive su sehen und sich zu fragen, was man möchte, selbst wenn man dabei feststellt, dass man das machen möchte, was man schon vorher gemacht hat. Ich freue mich darauf, bald wieder in Deutschland zu sein und ein "normales" Leben zu führen. Auf der anderen Seite bin ich traurig, dass das Jahr bald vorbei ist. Habe ich das Beste daraus gemacht? Habe ich genug gelernt, erlebt, ausprobiert? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss, dass das MBA eine Entscheidung war, die ich bestimmt nie bereuen werde.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.12.2004