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An der Uni: Raus aus der letzten Reihe

Daniel Soudry war im dritten Semester, als er sich sagte: So geht es nicht weiter.
Daniel Soudry war im dritten Semester, als er sich sagte: So geht es nicht weiter. "Bis dahin war ich an der Uni komplett passiv, hatte nur meine Pflichtveranstaltungen besucht", erinnert sich der Heidelberger Jurastudent. In Massenvorlesungen fehlte dem 23-Jährigen der Mut, sich zu Wort zu melden. Kurz entschlossen startete Soudry ein Trau-Dich-Programm, das es in sich hatte: "Tu einmal am Tag etwas, wovor du wirklich Angst hast." Er übte öffentliches Reden, sprach wildfremde Leute an, warb selbst bei hohen Tieren aus Uni und Wirtschaft für die Gründung eines Debattierclubs. Lohn der Angst: Gleich in seiner ersten Show-Debatte mit Professoren räumte er einen Preis als bester Redner ab

So konsequent wie Daniel Soudry arbeitet kaum ein Student an seiner Selbstpräsentation. Selbst das Gespräch mit ihrem Professor schieben viele vor sich her, weiß Ute Fehr vom Heidelberger Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung. "Die gehen zum ersten Mal in die Sprechstunde, wenn sie kurz vor dem Vordiplom stehen." Verbreitetes Abtauchen auch in den Seminaren: Die Angst, etwas Dummes zu sagen, verschlägt vielen Studenten die Sprache

Die besten Jobs von allen


"Natürlich sollte man nicht den Fehler begehen, alle anderen totzureden", sagt Gunta Saul-Soprun, Leiterin der Beratungsagentur Academic Consult. Aber dass gerade die Leistungsfähigen und ganz besonders Frauen die Fachdiskussion im Seminar meiden, ärgert die Soziologin aus dem hessischen Dreieich. "Viele erkennen nicht, dass diese Rededuelle Präsentationsübungen sind, die einen für spätere Aufgaben im Beruf qualifizieren." 10 Tipps für Selbst-PR im Studium

  • Verkrümeln Sie sich in Vorlesungen nicht in die letzte Reihe. Vorne haben Sie mehr von Ihrem Prof - und er merkt sich Ihr Gesicht.

  • Gründen Sie mit Kommilitonen eine Diskussionsgruppe. Sie werden sehen, Ihre Fragen sind nicht dumm, denn die anderen verstehen auch nicht alles. Nutzen Sie den Gruppendruck, indem Sie vereinbaren, sich regelmäßig zu Wort zu melden

  • Beeindrucken Sie Ihre Dozenten mit den altmodischen Tugenden Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und der Bereitschaft, auch mal eine Zusatzaufgabe zu übernehmen

  • Wenn Sie ein Referat gehalten oder eine Hausarbeit eingereicht haben, bitten Sie auch um eine Einschätzung von Präsentation und Gestaltung.

  • Gehen Sie regelmäßig zu Sprechstunden. Fragen Sie Ihren Professor nicht nur nach fachlichen Details, sondern auch nach seiner Meinung - etwa auf welche Fachrichtung Sie sich spezialisieren sollen oder ob er ein Unternehmen für Ihr Praktikum empfehlen kann

  • Betonen Sie nicht zu sehr, dass Sie die Uni nur als Durchgangsstation sehen. Viele Professoren sehen es lieber, wenn ihre Studenten eine wissenschaftliche Karriere anstreben

  • Bieten Sie an, als studentische Hilfskraft zu arbeiten. Die Stellen sind derzeit nicht besonders gefragt, weil schlecht bezahlt. Das ist Ihre Chance: Hiwis kommen an wertvolle Insider-Infos.

  • Fast alle Unis bieten Seminare an, in denen Soft Skills trainiert werden. Melden Sie sich jedes Semester zu einem neuen Kurs an

  • Für Diplomanden und Promovenden: Versuchen Sie, Ihre Forschungsergebnisse auf einer Tagung oder Konferenz als Poster zu präsentieren.

  • Gehen Sie nach einer Konferenz mit auf die informellen Treffen am Abend. Dort werden Kontakte geknüpft, die Ihnen später nützen können.
  • Dieser Artikel ist erschienen am 22.07.2003