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Alpe-Chef vor dem Rücktritt

Von Oliver Stock
Die Skandalwelle bei Österreichs Banken rollt weiter: Der Vorstandschef der Hypo-Alpe-Adria-Bank, Wolfgang Kulterer, wird nach Handelsblatt-Informationen bei der Sitzung des Führunsgremiums und des Aufsichtsrats zurücktreten. Der Bankchef würde damit die Konsequenz ziehen aus einen verschleierten Millionenskandal. Die Bank versucht damit einem drakonischen Schritt der staatlichen Aufsichtsbehörden abzuwenden.
WIEN. Er werde einer Lösung im Sinne der Bank nicht im Wege stehen, sagte Kulterer dem Handelsblatt. Der Bankchef würde damit die Konsequenz ziehen aus einem verschleierten Millionenverlust, den die Bank bei Spekulationsverlusten eingefahren hat. Das Wiener Finanzministerium und die österreichischen Aufsichtsgremien hatten sich Ende vergangener Woche auf Krisensitzungen mit der Bank befasst.Kulterer hat die Hypo-Alpe-Adria-Gruppe mit mehr als 5 000 Mitarbeitern und einem Betriebsergebnis von gut 300 Mill. Euro im vergangenen Jahr zu einer der führenden Banken Österreichs mit Sitz in der Kärtner Landeshauptstadt Klagenfurt gemacht. Die Gruppe wollte ursprünglich spätestens im übernächsten Jahr an die Börse gehen.

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Die Bank ist in Südosteuropa aktiv und dient immer wieder als Financier für Investitionsvorhaben des Landes Kärnten. Der Kärtner Regierungschef Jörg Haider, der bis vor kurzem auch Vorsitzender des kleineren Regierungspartners der österreichischen Bundesregierung war, vertritt das Land als größten Einzelaktionär im Kontrollgremium der Bank.Im September 2004 verlor die Bank bei Swap-Geschäften innerhalb von zwei Wochen knapp 330 Mill. Euro. Der Verlust wurde allerdings nicht komplett bilanziert. Als das ganze Ausmaß des Schadens im April dieses Jahres dennoch bekannt wurde, zogen die Wirtschaftsprüfer ihre Testate zurück, Staatsanwaltschaft und Finanzmarktaufsicht schalteten sich ein. Die Finanzaufsichtsbehörde hat für diese Woche eine abschließende Stellungnahme angekündigt, die nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen schlecht für die Bank ausfallen könnte: Falls die Hypo-Alpe-Adria-Gruppe nicht von sich aus ein untadliges Management einsetzt, droht ihr der Entzug der Banklizenz.Kulterer und Aufsichtsratschef Karl-Heinz Moser wollen es so weit nun offenbar nicht kommen lassen. Kulterer soll seinen Posten räumen und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gruppe werden, sagte Regierungschef Haider am Wochenende in einem Interview. Damit bleibe er ?strategischer Steuermann im Gesamtkonzern". Der Politiker war im Zuge der Affäre selbst unter Druck geraten, weil auch er eigentlich über die Verluste informiert gewesen sein müsste.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.07.2006