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Von Stefanie Müller
Endesa-Chef Manuel Pizarro gilt als trickreicher Kapitalist. Ein Jahr ist es her, da half ihm der Düsseldorfer Versorger Eon als Retter im Kampf gegen Gas Natural. Doch nur Eon-Konkurrent Endesa hat seither davon profitiert. Gestenreich rechtfertigt er auf dem Podium im Endesa-Auditorium seinen großen Kampf gegen den Konkurrenten Gas Natural.
?Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Fragen Sie doch die Aktionäre, ob die mit meiner Arbeit zufrieden sind.? Nervös und mit krächzender Stimme tritt Endesa-Chairman Manuel Pizarro Anfang Februar in Madrid vor die Presse.Gestenreich rechtfertigt er auf dem Podium im Endesa-Auditorium seinen großen Kampf gegen den Konkurrenten Gas Natural. Der wollte ihn mit einem unfreundlichen Akt übernehmen. Pizarro schlug ihn aber schließlich aus dem Felde. Nun hat ihn Gas Natural verklagt: Pizarro habe den deutschen Konkurrenten Eon seinerzeit bevorzugt, der als weißer Ritter bei Endesa auftauchte.

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Und das ist am heutigen Mittwoch genau ein Jahr her. So lange geht nun das Techtelmechtel schon zwischen Eon und Endesa im Hintergrund. Doch immer wieder hat es Pizarro geschickt vermieden, klar in der Öffentlichkeit Stellung zu beziehen, sich offiziell zu Eon als Fusionspartner zu bekennen.Die Hinhaltetaktik des 56-Jährigen hat sich zumindest für die Endesa-Aktionäre bislang ausgezahlt. So brachte er Eon dazu, den Preis je Aktie zum dritten Mal zu erhöhen, zuletzt von 35 auf 38,75 Euro. Vor Beginn des Übernahmekampfes war das Papier gerade mal rund 18 Euro wert. Jetzt haben die Aktionäre bis Ende März Zeit, um über das Angebot zu entscheiden.Für Pizarro selbst hat sich die Abwehrschlacht ebenfalls schon gelohnt. Sollte er abtreten, wenn Eon den Konzern übernimmt, wartet auf ihn eine zweistellige Millionenabfindung. Verkauft er seine Aktien, macht er einen Gewinn von über 100 Prozent.Pizarro, der konservative und strenggläubige Jurist, der neben dem Gesetz vor allem auf die Bibel schwört, hat sich als knallharter Kapitalist erwiesen, den seit dem Auftauchen von Eon vor allem eines interessierte: ?Wie kann ich dadurch noch mehr für mich und die Aktionäre herausholen??Als im vergangenen September der spanische Baukonzern Acciona sich an Endesa beteiligte, wetterte Pizarro zwar gegen die feindlichen Absichten von Acciona. Doch letztlich half ihm der Baukonzern, den Wert der Endesa-Aktie noch einmal deutlich in die Höhe zu treiben. So musste Eon sein Angebot ein erstes Mal erheblich von 24,5 auf 35 Euro je Aktie steigern.Doch inzwischen wird seine Leistung allgemein anerkannt. Selbst bei Eon findet man mittlerweile Lob für den Mann, der während der vergangenen Monate über alle Banden spielte und nicht immer sauber. ?Er und sein Management haben sich letztendlich sehr professionell verhalten und ihre Kompetenz während dieser Schlacht enorm gesteigert?, sagte Eon-Vorstandschef Wolf Bernotat Anfang Februar vor deutschen Journalisten in Madrid. Und er fügte hinzu: ?Tatsächlich ist Endesa jetzt mehr wert als vor einem Jahr.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Kampf hat seine Spuren bei ihm hinterlassenUnd das alles wurde letztlich ausgelöst, weil Pizarro persönlich enttäuscht war vom spanischen Konkurrenten Gas Natural. ?Meine Freunde bei Gas Natural und dem größten Aktionär La Caixa haben mich aufs Übelste hintergangen. Warum haben sie sich uns feindlich genähert, wo wir eigentlich eine Fusion vorgesehen hatten?? fragt er im kleinen Kreis.Aus dieser Enttäuschung heraus kämpfte der Mann aus der Region Aragón mit Händen und Füßen gegen Gas Natural. Der Kampf hat seine Spuren bei ihm hinterlassen. Sein Haar ist in der nervenaufreibenden Zeit sichtlich ergraut und weniger geworden.Und noch immer nimmt er eine Abwehrhaltung ein, kämpft er irgendwie noch gegen den Rest der Welt. Als ein Korrespondent vom BBC ihn bei der Pressekonferenz in Madrid bittet, eine Frage auf Englisch zu beantworten, weigert er sich: ?Wenn ich in London bin, ja.?Später erfährt man, dass Pizarro, der insgesamt sieben internationale Beraterbanken unter Vertrag hatte, um zu verhindern, dass der größte Versorger Spaniens in fremde Hände wechselt, einfach kein Englisch spricht. Aber mit seiner Antwort blamiert er sich vor Journalisten, dem eigenen Personal und Vertretern der Beraterbanken, obwohl er an diesem Tag doch eigentlich Grund genug hätte, stolz zu sein.Anders als bei seinem Presseauftritt am 16. September 2005, elf Tage nach dem feindlichen Übernahmeversuch durch Gas Natural. Damals hatte er nicht nur die Katalanen, sondern auch die sozialistische Regierung gegen sich. Es blieb Pizarro nur das Gesetz, um sich gegen diesen Angriff zu verteidigen. Er startete eine Klagewelle sondergleichen und erreichte erst Monate später zwei einstweilige Verfügungen gegen Gas Natural.?Einer der größten Börsenexperten dieses Landes hat allen gezeigt, wie wichtig gutes Finanzmanagement für ein Unternehmen ist und wie man eine solche Abwehrschlacht führt?, lobt heute Mariano Riestra, Chef der Commerzbank in Spanien, stellvertretend für viele im Lande.Und egal, ob der Eon-Konzern, falls er die Mehrheit an dem spanischen Versorger erhält, weiter auf ihn zählt oder nicht ? er hat bei dieser Schlacht bereits auf allen Ebenen gewonnen. ?Ich habe deswegen kein Problem, sofort zu gehen. Sie werden in meinem Büro keine persönlichen Sachen finden. Ich kann schon heute meine Sachen packen, wenn das gewünscht ist?, sagte Pizarro vor Journalisten.Doch trotz dieser Souveränität gegenüber den künftigen Anteilseignern: Noch immer würde er lieber allein weitermachen ? auch ohne Eon, den deutschen Verbündeten aus Düsseldorf. ?Wenn ich den Kleinaktionären jetzt zum Verkauf an Eon rate, dann nur, weil der Aktienkurs nach der Annahmefrist wahrscheinlich absacken wird und sie unter einem Aktionär mit 55 oder 70 Prozent der Aktien kaum noch etwas zu sagen haben werden.? Das sagte der leidenschaftliche Verteidiger der katholischen Kirche dem Sender Cope, der der erzbischöflichen Konferenz gehört.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2007