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Allein mit Anleihen zum Erfolg

Von Siegfried Grass
Männer spielen gern mit Eisenbahnen. Auch Waldemar Preußner, der 47-jährige Chef der Duisburger PCC. Nur hat seine Eisenbahn nicht die Spur H0. Und die Zahl seiner Züge übersteigt den Durchschnittsbesitz des gewöhnlichen Hobbybahners deutlich.
DUISBURG. PCC steht für Petro Carbo Chem und ist eine international tätige Unternehmensgruppe unter Führung der PCC AG mit Sitz in Duisburg. Vor gerade mal zwölf Jahren wurde PCC als Handelshaus für Rohstoffe durch ehemalige Mitarbeiter der heutigen Rüttgers Chemicals gegründet. Bislang eine Erfolgsstory in aller Stille: 2005 erzielte die internationale Gruppe mit ihren drei Sparten Handel, Chemie-Produktion und Logistik einen Umsatz von 775 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn lag bei 17 Millionen.Mit zahlreichen Zukäufen hat Preußner, inzwischen alleiniger Inhaber der PCC AG, seinen Konzern aufgebaut. Finanziert hat er dies mit 17 Anleihen über insgesamt 100 Millionen Euro. Neun davon sind bereits getilgt. Das Geld investierte er in die Expansion. Beispielsweise 1998, als Preußner den Einstieg in den Energiehandel wagte. Inzwischen hat sich PCC sowohl international als Großhändler wie national als Stromverkäufer für Industrie und Mittelstand etabliert.

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Vor allem aber in Polen ist PCC aktiv. Kein Wunder: Preußner wurde im polnischen Korfantof als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren. Das ist ihm heute noch anzuhören: Leise spricht er, mit leicht osteuropäischem Anklang in der Stimme. Ein quirliger Wirbelwind ist er nicht.Als Achtzehnjähriger erst siedelte er nach Deutschland um, studierte Volkswirtschaft in Bielefeld und heuerte 1984 bei den Rüttgerswerken an, wo er schon bald eine Führungsposition erhielt ? zuständig für Materialeinkauf in Ost- und Zentraleuropa. 1993 machte er sich dann selbstständig.Mit dem vor fünf Jahren begonnenen Kauf von Beteiligungen an polnischen Chemieunternehmen wurde aus dem Chemikalienhändler zudem immer mehr ein Produzent. Dabei profitiert PCC von den deutlich niedrigeren Lohnkosten, günstigeren Steuern und den einfacheren Genehmigungsverfahren.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Deutlich geringere Arbeitskosten in Polen.Die PCC Rokikat SA. in der Nähe von Breslau erhält beispielsweise eine staatliche Absicherung der Investitionen von fünfzig Prozent in den nächsten zwölf Jahren, erklärt Preußner. Die Arbeitskosten in Polen liegen nur bei einem Siebtel der deutschen. Die Körperschaftsteuer ist einheitlich auf 19 Prozent festgelegt. Die Energiekosten sind nur halb so hoch wie in Deutschland. ?Und nicht zuletzt müssen selbst im katholischen Land Polen keine Kirchensteuern bezahlt werden?, sagt der PCC-Chef.Und weil er so von Polen schwärmt, liegt dort auch die nähere Zukunft seines Unternehmens: In Polen will Preußner einen Energieversorger übernehmen und von seinem ehemaligen Arbeitgeber Rüttgers einen Chemiebetrieb in den USA.Damit wagt sich der Duisburger, wie er sagt, ?erstmals und sehr vorsichtig? nach Westen. ?Und wir denken darüber nach, vielleicht unsere Sparte Transport als eine selbstständige Gesellschaft an die Börse zu bringen. Vielleicht sind wir 2007 so weit.?Ohnehin geht es vorsichtig zu bei der PCC, finanziell gesehen. Einen Golf fährt Preußner als Dienstwagen. Und auf der Toilette bittet ein Schild darum, nach Benutzung das Licht auszuschalten. Wer mit Eisenbahnen spielt, hat mit Protz und Prunk eben wenig im Sinn.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.01.2006