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Alle schauen auf den britischen Star-Sanierer

Von Dirk Heilmann
Stuart Rose hat den Einzelhandelsriesen Marks & Spencer gerettet. Doch nun endet der Konsum-Boom in Großbritannien. Die wichtigste Frage lautet daher: Kann Rose den Konzern auf Kurs halten?
Marks & Spencer gilt als die gute Stube des britischen Einzelhandels. Foto: dpa
LONDON. Marks & Spencer ist nicht einfach irgendein Laden. Marks & Spencer ist die gute Stube des britischen Einzelhandels, die Nachschubbasis des nationalen Familienlebens, bevorzugte Quelle für wärmende Pullis und Fertiggerichte. Konservativ, aber nicht zu spießig. Günstig, aber kein Ramsch. Solider Mainstream halt und damit die wohl schwierigste Nische im modernen Handel.Vor vier Jahren schien Marks & Spencer am Ende, und das schmerzte die Briten. Keine Firmensanierung begleiteten sie in den vergangenen Jahren mit so großer Anteilnahme wie diese.

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Damit ist klar, dass auch Stuart Rose, der Sanierer, kein normaler Manager sein darf. Wie einen Messias feiern Presse und Anleger den 58-Jährigen. Dabei passt die Rolle so gar nicht zu dem nüchternen, schlanken Mann mit dem sorgfältigst links gescheitelten grauen Haar. Immer wieder bremst er die Euphorie: erst als er 2004 gegen alle Wetten die feindliche Übernahmeattacke des lauten, neureichen Handels-Tycoons Philip Green abwehrt. Dann, als er mit harter Detailarbeit die Wende schafft, und schließlich, als er Wachstumsquartal an Wachstumsquartal reiht.Das Geschäftsjahr 2007/08, das war immer Roses Mantra, wird das entscheidende sein: In dem sich die Erfolge der Sanierung zeigen müssen. ?Wir müssen beweisen, dass wir den Schwung bewahren können?, beschwört er die Truppe im Frühsommer. Da sieht noch alles rosig aus. Der Börsenwert hat sich seit seinem Amtsantritt im Mai 2004 beinahe verdreifacht, der Umsatz erreicht das Rekordniveau von 8,6 Mrd. Pfund (11,5 Mrd. Euro), und der Gewinn nähert sich einer Milliarde Pfund.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Weihnachtsgeschäft war schwierigNoch dazu startet Rose ?Plan A?, eine Umwelt-Initiative mit 100 Versprechen, die Marks & Spencer zum grünsten aller Handelskonzerne im Land machen soll. Schweren Herzens verkauft er sogar seinen Bentley ? er fährt seither mit dem BMW zur Arbeit. Die Fliegerei als Hobby mag er jedoch nicht opfern, auch wenn sie nicht allzu umweltfreundlich ist.Ein halbes Jahr später, nach einem schwierigen Weihnachtsgeschäft, zeigt sich, dass Roses Vorsicht doch nicht übertrieben war. Nach einem schwachen Wachstum von unter zwei Prozent im verregneten Sommer bricht der Aktienkurs um ein Drittel ein. In dunklen Farben malen die Analysten die Aussichten für den erfolgsverwöhnten britischen Handel. Besonders nervös wartet die Börse auf den Zwischenbericht von Marks & Spencer, der für Mittwoch früh angekündigt ist.Wird der Leithammel der Branche Tritt halten? Kann er die Gewinn-Milliarde knacken, oder bekommt die Sanierungsstory Kratzer? Rose verfolgt die Aufregung vermutlich mit dem üblichen spöttischen Zucken des rechten Mundwinkels. Er hat ja vor zu viel Euphorie gewarnt. ?Rose hat bei Marks & Spencer alles getan, was man tun konnte?, urteilt Bryan Roberts, Analyst bei Planet Retail. ?Ich bin mir sicher, dass sie auch diesmal besser abschneiden werden als die Branche.? Das Lebensmittelangebot sei eindrucksvoll und die Damenmode wieder auf der Höhe der Zeit.?Dieses Unternehmen ist eine britische Institution?, sagt Rose. Und eine, die gut zu ihm war. Mit 23 stellte sie ihn an, einen ?gescheiterten Medizinstudenten, der herumhing?, wie er selber formuliert. 17 Jahre lang blieb er, stieg ins Management auf und führte dann eine Reihe kleinerer Handelsunternehmen, bevor er als Retter zurückkam. Nun ruhen wieder alle Augen auf ihm ? aber das kennt er ja schon.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.01.2008