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Alle Macht den Hochschulen - Wahrscheinlichkeit: 70 %

Jede Hochschule betreibt ihre eigene, freie Preispolitik innerhalb eines auf Landesebene festgesetzten Rahmens. Damit Wettbewerb in Gang kommt, ist die gesetzlich fixierte Preisspanne breit gesteckt. Denn bei einer Obergrenze von nur 500 Euro würden alle Hochschulen erwartungsgemäß das Maximum veranschlagen.
Jede Hochschule betreibt ihre eigene, freie Preispolitik innerhalb eines auf Landesebene festgesetzten Rahmens. Damit Wettbewerb in Gang kommt, ist die gesetzlich fixierte Preisspanne breit gesteckt. Denn bei einer Obergrenze von nur 500 Euro würden alle Hochschulen erwartungsgemäß das Maximum veranschlagen. Über die Gebührenhöhe für ein Fach entscheiden Faktoren wie Marktchancen nach Studienabschluss, Studienplatzkosten und Lenkungseffekte - sprich: Wer beispielsweise mehr Ingenieure gewinnen will, darf sie nicht mit Wucherpreisen vergrätzen.
Frank Ziegele, Wirtschaftsprofessor und Gebührenexperte beim Centrum für Hochschulentwicklung, ist sicher: "Letztlich wird sich ein Preis als Qualitätsindikator durchsetzen." Spitzenfächer könnten es sich leisten, bis zu 2.500 Euro für ihr Angebot zu veranschlagen. "Die besseren Studenten richten sich nach der Qualität und nicht nach ein paar hundert Euro mehr oder weniger", glaubt Ziegele. Vorausgesetzt, die Finanzierung gestaltet sich sozialverträglich. Vom Wettbewerbsmodell werden vor allem jene Hochschulen profitieren, die bereits heute einen guten Ruf und ein klares Profil haben - etwa die RWTH Aachen, die Uni Göttingen, aber auch stille Stars wie die TU Chemnitz, die stets gute Noten für Betreuung und Lehre bekommt. Doch bei aller Freiheit, die den Hochschulen möglicherweise bei der Gebührenpolitik übertragen wird: Harvardsche Verhältnisse, wo 40.000 Dollar pro Jahr fällig werden, sind hierzulande nicht zu erwarten. Dagegen sprechen die deutsche Tradition einer vorwiegend öffentlich finanzierten Bildung und die durchweg gute Qualität der staatlichen Hochschulen. Extreme Gefälle, die sich in den USA in barer Münze ausdrücken, gibt es hier nicht.

Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2005