Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Alle lieben Ekki

Von Markus Hennes, Handelsblatt
Es gibt nur wenige Top-Manager in Deutschland, die im eigenen Unternehmen so unumstritten sind wie Ekkehard Schulz, der Chef des Stahl- und Industriegüterkonzerns Thyssen-Krupp. Der 62-jährige Eisenhüttenmann, liebevoll kurz ?Ekki? genannt, genießt allseits Vertrauen.
Ekkehard Schulz
DÜSSELDORF. Dass es Schulz ähnlich ergehen könnte wie beispielsweise dem ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher, der sich nacheinander mit dem Betriebsrat, seinen Vorstandskollegen und den Aktionären überwarf und schließlich aus dem Amt gejagt wurde, erscheint bei einem Konsensstifter wie Schulz so gut wie ausgeschlossen. Der Aufsichtsrat ? also die Vertreter der Kapitalseite und die Arbeitnehmerbank ? steht geschlossen hinter ihm.?Ich hatte den klaren Auftrag der Arbeitnehmervertreter, dass wir eine Verlängerung ausdrücklich begrüßen?, sagte Konzernbetriebsratschef und Aufsichtsrat Thomas Schlenz. Wenige Stunden zuvor hatte das Kontrollgremium Schulz? Vertrag als Vorstandschef vorzeitig um zwei Jahre bis Januar 2007 verlängert. Auch auf der Kapitalseite habe es, so Schlenz, ?zu keiner Sekunde? Zweifel an der Entscheidung gegeben.

Die besten Jobs von allen

Analysten und Investoren bescheinigen Schulz ebenfalls, einen guten Job gemacht zu haben. Der Kapitän, so heißt es in Finanzkreisen, habe ?den trägen Tanker erfolgreich durch die Konjunkturkrise gesteuert?: Der Konzern ist wieder handlungsfähig, die Verschuldung wurde drastisch reduziert, die Selbstblockade in den ersten Jahren nach der Fusion mit Krupp überwunden. Einerseits.Andererseits liegt Schulz hinter dem eigenen Zeitplan weit zurück. ?Im Geschäftsjahr 2003/2004 werden wir ein Ergebnis vor Steuern von 1,5 Milliarden Euro erreichen?, hatte er angekündigt, als er 2001 alleiniger Vorstandsvorsitzender wurde. Tatsächlich aber wird Thyssen-Krupp in diesem Jahr bestenfalls etwas mehr als eine Milliarde Euro verdienen.Wäre es ? trotz aller Verdienste ? da nicht besser gewesen, hätte Schulz schon jetzt einem Jüngeren den Vortritt gelassen? Schließlich war es der Konzernchef selbst, der im Herbst 2002 für eine Blutauffrischung im Vorstand sorgte und mit Stefan Kirsten, inzwischen 43, Olaf Berlien, 41, und Edwin Eichler, 45, gleich drei potenzielle Kandidaten für seine Nachfolge von außen holte. Beobachter interpretierten dies damals als klares Signal für eine grundlegende Neuausrichtung.?Für die Youngster war die Zeit einfach zu kurz, sich entscheidend in Szene zu setzen?, urteilt ein ehemaliger Vorstand von Thyssen-Krupp über Schulz? Vertragsverlängerung. Ulrich Middelmann, 59, Chef der wichtigsten Sparte Steel und seit zwei Jahren stellvertretender Konzernchef, muss seine Hoffnungen auf die Schulz-Nachfolge wohl begraben. Wie beim Münchener Versicherungsriesen Allianz gilt bei Thyssen-Krupp das ungeschriebene Gesetz, wonach nur Manager, die jünger als 60 Jahre sind, Vorstandsvorsitzender werden können. Eine weitere Übergangslösung nach Schulz wäre dem Kapitalmarkt kaum zuzumuten, meint denn auch ein Börsenexperte: ?Institutionelle Investoren brauchen eine Zehnjahresperspektive.? Damit sinken zugleich auch die Chancen von Wolfgang Mörsdorf, 54, in drei Jahren an die Konzernspitze aufzusteigen. Der neue Chef der Autozuliefersparte von Thyssen-Krupp ist vor allem wegen seiner Amerika-Erfahrung für das Amt qualifiziert.Auslandserfahrung, die Ekkehard Schulz nicht hat. Der Lebensweg des promovierten Ingenieurs verlief, bis er vor fast drei Jahren alleiniger Vorstandschef wurde, einfach langweilig: immer nur Stahl, immer nur Thyssen, 30 Jahre lang. Und deshalb waren beim Revirement an der Konzernspitze die Zweifel groß, ob Schulz wirklich die richtige Besetzung für den Posten ist.Doch der Mann, der sich selbst als ?Berufsoptimist? bezeichnet, nahm und nimmt von den Bedenkenträgern kaum Notiz. Ohnehin glaubt Schulz, dass es in Deutschland zu viele Leute gibt, die nur daran arbeiten, dass sich die Ansichten über Fakten verbessern. Er selbst gehöre zu denjenigen, die daran arbeiteten, dass sich die Fakten verbessern.Fakt ist für ihn beispielsweise, dass Thyssen-Krupp auch in der Konjunkturflaute im Stahl keine roten Zahlen mehr schreiben wird. Gegenüber Konkurrenten sei man um Jahre voraus. Ebenso unbestritten ist, dass der Ruhrkonzern bei der Bereinigung des Portfolios gut vorankommt. Im Februar landete Schulz einen Erfolg, um den ihn Chefs anderer Konzerne beneiden dürften: den Verkauf der IT-Tochter Triaton an Hewlett-Packard. Und ganz nebenbei strich Thyssen-Krupp dabei noch einen Buchgewinn in dreistelliger Millionenhöhe ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2004