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Alle hören auf den Takt des Schweizer Uhrenkönigs

Von Jan Dirk Herbermann
Nicolas Hayek wird 80 Jahre alt und will jetzt mit grüner Technologie seinen Ruhm und sein Swatch-Vermögen weiter mehren.
HB GENF. Eifrige Bewunderer vergleichen den 1,69 Meter großen Uhrenkönig Nicolas Hayek mit Napoleon: Noch ein egomanischer Tausendsassa, der die Welt zwingt, in seinem Takt zu schlagen.Das jüngste Projekt Hayeks zeigt zumindest, dass er weiter die Zeichen der Zeit erkennt: Der Verwaltungsratspräsident der Swatch-Gruppe hat die Umweltfirma Belenos Clean Power Holding gegründet. Sie soll sich an ?in- und ausländischen Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Energie, Antriebssysteme, Ökologie sowie in verwandten Gebieten? beteiligen. Vor allem will Hayek in Wasser- und Solarkraft investieren.

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Anders ausgedrückt: Grüne Techniken werden Ruhm und Vermögen des Multimilliardärs weiter mehren. Für die Veredelung des Hayek?schen Prestiges wird auch Hollywoodstar George Clooney im Verwaltungsrat der Belenos sorgen. Der Beau lächelt schon für die Hayekmarke Omega in die Kameras.Hayek demonstriert mit seiner neuesten Firma pünktlich zu seinem 80. Geburtstag am morgigen Dienstag, dass ein Wort für ihn nicht existiert: Ruhestand. ?Würden Sie einen Mann entlassen, der um sechs Uhr dreißig voller Energie zu arbeiten anfängt, der Englisch, Französisch und Deutsch perfekt spricht, der Beziehungen zu allen Regierenden und wichtigen Meinungsführern der Welt hat und ein Topunternehmer ist?? fragt der knorrige Patron.Hayeks ausuferndes Selbstbewusstsein ist auch Produkt seines größten Coups: Der Migrant aus dem fernen Libanon rettete Helvetiens Uhrenindustrie vor dem Untergang ?für diese Tat haben ihn viele Eidgenossen auf ewig ins Herz geschlossen. ?Die Schweiz hat Nicolas Hayek viel zu verdanken?, lobt Adolf Ogi, Ex-Bundespräsident des Landes.Es war in den siebziger Jahren. Die einstmals so stolzen Schweizer Uhrenmanufakturen lagen danieder, gegen die billige Massenkonkurrenz aus Fernost wussten sich die detailversessenen Tüftler nicht zu helfen. Damals reüssierte Hayek bereits als Unternehmensberater: Die Gläubigerbanken der Uhrenindustrie heuerten Hayek an. Der hemdsärmelige Macher mischte die verschlafenen Betriebe auf, restrukturierte, straffte und fusionierte die Firmen zu einem Unternehmen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hayek revolutionierte die ganze Branche ? mit der SwatchNebenbei revolutionierte Hayek die ganze Branche ? mit der Swatch. Es war diese Mischung aus frechem Design, helvetischer Zuverlässigkeit und Handlichkeit, die aus dem banalen Zeitmesser ein Kultobjekt, einen Fetisch machte. Jung und Alt, Reich und Arm pilgerten in die Swatch-Läden, füllten die Kassen der Hayek-Firma. ?Über die Jahre haben wir durchschnittlich 15 bis 20 Millionen Swatch-Uhren jährlich produziert?, berichtet Hayek stolz und saugt genüsslich an seiner Zigarre. Der gesamte Swatch-Konzern erzielte 2007 einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Franken ? Rekord.Ein Garant für Hayeks Erfolg ist seine Familie, ein Clan, der dem Patriarchen bedingungslos ergeben ist. Da ist Nick, der Sohn. Der Junior führt als Konzernchef die Swatch Group. Da ist Tochter Nayla. Sie ist designierte Chefin von Tiffany, einer der edlen Swatch-Marken. Und da ist Enkel Marc: Ihm vertraute Hayek die Geschicke der Edelmarke Blancpain an ? eine noble Geste. Denn richtig wohl scheint sich Hayek nur mit seinen Uhren zu fühlen.Von einem seiner Zeitmesser schwärmt er besonders: ?Wenn ich mal verzweifelt bin über das, was so alles auf unserer Welt passiert, schließe ich mich im Büro ein, höre mir ein Klavierkonzert an und betrachte die von Hand gefertigte Mechanik dieser Uhr?, sinniert Hayek. ?Dann glaube ich wieder an das Gute und Schöne dieser Welt.? Die Uhr ist eine Breguet. Schon Napoleon ließ sich von einer Breguet zeigen, was die Stunde geschlagen hatte.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.02.2008