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Alexander Stuhlmann: Hanseat ohne Berührungsängste

Von Frank M. Drost
Mit dem Hanseaten Alexander Stuhlmann konnte der Aufsichtsrat der WestLB einen Hochkaräter als neuen Vorstandschef verpflichten. Als Chef der HSH Nordbank hat er nicht nur gezeigt, dass er ein Institut dieser Größenordnung führen kann. Gleichzeitig ist die Verpflichtung Stuhlmanns aber ein Indiz dafür, dass es sich um eine Interimslösung handelt.
Der neue Vorstandsvorsitzende der WestLB heißt Alexander Stuhlmann. Foto: ap
BERLIN. Als Chef der HSH Nordbank hat er nicht nur gezeigt, dass er ein Institut dieser Größenordnung führen kann. Auch der Erfolg der HSH Nordbank als weltgrößter Schiffsfinanzierer und Börsenaspirant ist eng mit dem Namen des 59-jährigen Hamburgers verbunden.Gleichzeitig ist die Verpflichtung Stuhlmanns aber ein Indiz dafür, dass es sich um eine Interimslösung handelt. Denn Stuhlmann legte sein Amt bei der HSH Nordbank Ende 2006 zur Überraschung vieler Beobachter aus privaten Gründen nieder. Seine Lebensplanung könne er nicht mit dem geplanten Börsengang der HSH Nordbank in Einklang bringen, so Stuhlmann. Den Investoren wiederum sei es nicht zuzumuten, wenn kurz vor einem Börsengang oder danach ?die Pferde gewechselt werden?. So überließ er seinem Vize Hans Berger die Führung. Es spricht viel dafür, dass mit der Wahl Stuhlmanns die WestLB schnell an einen Partner gebunden werden soll.

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Doch damit ist der Partner selbst noch nicht präjudiziert. Stuhlmann hat keine Berührungsängste, wenn es beispielsweise um Finanzinvestoren geht. So hat er den Einstieg des amerikanischen Investmentbankers Christopher Flowers bei der HSH Nordbank gegen den Widerstand der Sparkassen-Finanzgruppe nachdrücklich verteidigt. Flowers erwarb den Anteil der WestLB in Höhe von 26,6 Prozent an der HSH Nordbank.?Das ist kein Sündenfall. Der öffentliche Sektor muss privates Kapital aufnehmen, wenn er seinen Marktanteil halten oder ausbauen will?, sagte Stuhlmann in einem Interview. Die Wettbewerbsfähigkeit der öffentlich-rechtlichen Landesbanken sei in Gefahr, weil die staatlichen Eigner permanent knapp bei Kasse seien.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Stuhlmann ist gegen große Fusionen von LandesbankenGleichzeitig wendet sich Stuhlmann gegen große Fusionen von Landesbanken. ?Megainstitute für mehrere Bundesländer sind viel zu weit vom Kunden entfernt?, lautet seine Kritik. Er selbst hat dazu beigetragen, dass sich die Fusion der Landesbanken Schleswig-Holstein und Hamburg zur HSH Nordbank im Jahr 2003 geräuschlos vollzog. Bald wird sich Stuhlmann dazu äußern müssen, ob denn wenigstens eine Verbindung von WestLB und Landesbank Baden-Württemberg Charme entfalten könnte.Eigene Akzente in der öffentlich-rechtlich geprägten Landesbankenlandschaft setzte Stuhlmann mit der Absicht, die HSH Nordbank ?börsenfähig? zu machen. Ein Börsengang ist jetzt für 2008 oder 2009 vorgesehen.Der ruhige und sachliche Stuhlmann könnte kein größerer Gegensatz zu seinem Vorgänger Thomas Fischer sein, der wortgewaltig und stets streitlustig auch gern öffentlich seine Gedanken zum Besten gab. Stuhlmann wirkt stärker nach innen, was der Bank zum jetzigen Zeitpunkt sicher gut tun wird. Bei seinem Abschied von der HSH Nordbank attestierte ihm Bürgermeister Ole von Beust einen modernen Führungsstil: ?Stuhlmann ist ein Manager der Moderne, jenseits aller schmallippigen Klischees.? Neben den Zahlen behalte der Manager stets die Menschlichkeit im Auge.Fraglich ist, ob Stuhlmann bei seinem neuen Arbeitgeber auch musikalische Akzente setzen kann. Für die Mitarbeiter der HSH Nordbank jedenfalls fädelte der Manager ein Gastkonzert mit dem US-Rockstar Bon Jovi ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.07.2007