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Agenten und Berater

Von Michael Backfisch
Ex-Botschafter Richard Burt ist jetzt Consultant ? und eröffnet Ende Februar ein Büro in Berlin. Mehr als die Hälfte der rund 100 Mitarbeiter, die für den Vorsitzenden von Dilligence arbeiten, sind frühere Geheimdienstleute.
WASHINGTON. Der Blick könnte besser nicht sein. Von seinem Büro an der Pennsylvania Avenue sieht Richard Burt auf das Weiße Haus und auf den hellgrauen Obelisken des Washington Monument, das Wahrzeichen der US-Hauptstadt.Es ist ein standesgemäßer Sitz für den Vorsitzenden von Diligence, einer weltweit operierenden Firma für Sicherheits- und Risikomanagement. An der Wand hängt ein Foto aus historisch bewegter Zeit, damals, als Burt noch US-Botschafter in Deutschland war. Es zeigt den amerikanischen Ex-Präsidenten Ronald Reagan am 12. Juni 1987 bei seiner berühmten Rede vor dem Brandenburger Tor. ?Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein?, rief er, und die Worte jagten an jenem Tag rund um den Globus. Richard Burt sitzt in diesem Moment links von Reagan, weiter auf der anderen Seite ist der damalige Berliner Oberbürgermeister Eberhard Diepgen zu erkennen.

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Nun führen Burt die Wege wieder nach Berlin. Ende Februar soll die neue Außenstelle von Diligence in der Bundeshauptstadt offiziell eröffnet werden. Der christdemokratische Europaparlamentsabgeordnete und frühere Daimler-Benz-Manager Kurt Lauk wurde gerade als deutscher Vertreter in das Beratungsgremium des US-Unternehmens berufen.?Wir liefern unseren Kunden wichtige Daten über potenzielle Geschäftspartner, machen Due-Diligence-Berichte vor geplanten Firmenübernahmen und kümmern uns um die Wahrung der geistigen Eigentumsrechte?, erläutert Burt. Die exklusive Art der Informationsbeschaffung ist die Marktlücke von Diligence: Mehr als die Hälfte der rund 100 Mitarbeiter sind frühere Geheimdienstleute. Die Firma wurde im Jahr 2000 von ehemaligen Mitarbeitern der CIA und des britischen Gegenstücks MI 5 gegründet.Die Berliner Filiale sei allerdings kein ?James-Bond-Club?, unterstreicht Direktor Torsten Hinkelmann. Die vier Mitarbeiter kämen aus der Finanz- oder Anwaltssparte. Da sich die Deutschland-Vertretung jedoch auf die ehemalige Sowjetunion und Osteuropa spezialisiert, dürften Informationen aus dem Spionagemilieu unerlässlich sein. ?Wir geben unseren deutschen Auftraggebern wichtige Tipps über mögliche Partner bei Joint Ventures: Dabei wird deren Seriosität ebenso geprüft wie mögliche Einflussnahmen aus der Regierung?, sagt Burt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Risikoberatung ist noch eine relativ junge Branche Wenn man die Diligence-Leute befragt, warum man ihre Dienste denn nun eigentlich brauchen sollte, erzählen sie die Ikea-Geschichte. Vor anderthalb Jahren sei vor der Moskauer Filiale der schwedischen Möbelkette ohne Vorwarnung die Erde aufgebuddelt und eine Gasleitung verlegt worden. Wenig später habe die Firma auch noch Steuernachforderungen bekommen. ?Offenbar war einer der russischen Klienten nicht sauber, hatte aber gute Drähte in den Kreml?, erklärt ein leitender Diligence-Mitarbeiter den merkwürdigen Vorfall.Die Risikoberatung ist noch eine relativ junge Branche. ?Wir sind ein Kind der Globalisierung?, behauptet Burt. Wenn es nach dem Mann mit dem grau melierten Haar geht, wird es noch viele weitere Diligence-Büros geben. Bislang sitzt die Firma in Washington, New York, Miami, London, Brüssel, Moskau und neuerdings eben in Berlin. In diesem Jahr soll noch ein Standort in Ostasien dazukommen.Unter den größeren Konkurrenten auf dem deutschen Markt rangieren bislang die US-Firma Kroll, das britische Unternehmen Control Risks Group und die Hamburger Gesellschaft Prevent AG. Der Kundenstamm von Diligence setzt sich bislang vor allem aus Großunternehmen mit internationalen Interessen zusammen.Mit seiner Karrieremischung aus Politik und Wirtschaft wäre Burt in Deutschland ein Exot, in den USA ist er es nicht. Vor seiner Managementtätigkeit bei Diligence arbeitete er von 1992 bis 1995 als Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey. Von 1985 bis 1989 diente er als US-Botschafter in Bonn, nachdem er zuvor die Europa-Abteilung im Außenministerium geleitet hatte.Begonnen hatte Burt seine Laufbahn im Journalismus: Von 1977 bis 1980 berichtete er für die ?New York Times? über Themen der nationalen Sicherheit aus Washington.Bei der Frage, ob es ihn nicht einmal wieder in die Politik zurückziehen könnte, muss der Ex-Botschafter nicht lange überlegen: ?Eines habe ich mit den Jahren gelernt: Sag niemals nie.?
Dieser Artikel ist erschienen am 03.02.2006