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Adieu, les Bleus!

Sang-, klang- und torlos verabschiedet sich Frankreich aus dem WM-Turnier. Auch mit Zidane konnte der Titelverteidiger das Ruder nicht herumreißen. "Danish Dynamite" wusste dagegen einmal mehr zu beeindrucken.
Frankreich am Boden. Trotz Zidane immer ohne Chance auf den Sieg. Foto: HB/dpa
dpa INCHEON. Frankreichs Fiasko ist perfekt. Der Welt- und Europameister ist bei der 17. Fußball-Weltmeisterschaft durch ein 0:2 (0:1) im Endspiel der Gruppe A gegen Dänemark sang-, klang- und torlos ausgeschieden und damit als dritter Titelverteidiger nach Italien (1950) und Brasilien (1966) in der Vorrunde gescheitert. Vor 45 000 Zuschauern im Incheon Munhak Stadium trafen am Dienstag Dennis Rommedahl (23.) und Jon Dahl Tomasson (67.) für die Dänen, die auch bei ihrer dritten WM-Teilnahme die Vorrunde überstanden. Allerdings müssen sie im Achtelfinale Christian Poulsen ersetzen, der nach seiner zweiten Gelben Karte gesperrt ist.Bei angenehmen 25 Grad, aber hoher Luftfeuchtigkeit hatte die "Equipe Tricolore" trotz des erstmaligen Einsatzes ihres Top-Akteurs Zinedine Zidane (nach auskuriertem Muskelfaserriss) große Probleme und fand gegen die defensivstarken Dänen nie ins Spiel. Deren Taktik, den Schalker Torjäger Ebbe Sand auf der Bank zu belassen und Poulsen als Zidane-Bewacher aufzubieten, ging voll auf. Eher zufällig hatte David Trezeguet (17.) zwar die erste Chance, sein Linksschuss wurde aber eine sichere Beute des dänischen Keepers Thomas Sörensen.

Die besten Jobs von allen

Ein Ballverlust von Marcel Desailly führte zur überraschenden Führung der Skandinavier: Stig Töfting flankte sofort und der frei stehende Rommedahl vollstreckte eiskalt. Die "Blauen" waren geschockt und brachten nicht mehr viel zu Wege. Zidane wirkte nicht fit und der Rest des Teams enttäuschte auf der ganzen Linie, während der Gegner sein Pensum gekonnt aus einer sicheren Abwehr herunterspulte. Auch Einzelaktionen von Zidane (38.) und Sylvain Wiltord (44.), die mit Fernschüssen am starken Sörensen scheiterten, führten zu nichts.Erst nach dem Wechsel setzten die Franzosen zum erwarteten Sturmlauf an. Nach Zidanes Ecke traf Desailly (48.) per Kopf nur das Lattenkreuz. Mit Hereinnahme des nationalen Torschützenkönigs Djibril Cisse (54.) ging noch mal ein Ruck durch das Team, allerdings agierte der Champion viel zu hektisch, vergab selbst die besten Chancen und war nach Tomassons viertem Turnier-Treffer endgültig k.o. Bezeichnend für die Leistung der "Blauen" war, dass Rekonvaleszent Zidane gegen die geschlossen starken Skandinavier noch am ehesten gefallen konnte.Mannschaften und Statistik Dänemark: Sörensen - Helveg, Henriksen, Laursen, Niclas Jensen - Rommedahl, Töfting (79. Nielsen), Poulsen (75. Bögelund), Gravesen, Jörgensen (46. Grönkjaer) - Tomasson
Frankreich: Barthez - Candela, Thuram, Desailly, Lizarazu - Makelele, Vieira (71. Micoud) - Wiltord (83. Djorkaeff), Zidane, Dugarry (54. Cisse) - Trezeguet
Schiedsrichter: Melo Pereira (Portugal)
Zuschauer: 45 000
Tore: 1:0 Rommedahl (23.), 2:0 Tomasson (77.)
Gelbe Karten: Poulsen, Niclas Jensen / Dugarry
Beste Spieler: Poulsen, Töfting, Gravesen / Zidane
Dieser Artikel ist erschienen am 11.06.2002