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Abkürzung zum Wirtschaftsprüfer

Von Chris Löwer, Handelsblatt
In Ingolstadt gibt es einen neuen Universitäts-Studiengang, der die alte Reihenfolge umkehrt: Erst das Examen und dann die Praxisjahre.
Wirtschaftsprüfung kann man jetzt auch studieren. Um allzu großen Hoffnungen gleich einen Dämpfer zu erteilen, muss leider hinzugefügt werden: Das aufwendige WP-Examen hat man damit noch nicht in der Tasche. Aber: Wenn's gut läuft, verkürzt sich der lange, beschwerliche Weg dahin.Möglich macht das der neue Studiengang BWL-Wirtschaftsprüfung, der gerade an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit 40 Studienanfängern gestartet ist. Während eines achtsemestrigen Studiums der Betriebswirtschaftslehre können sich maximal 60 Absolventen nach dem Grundstudium auf Wirtschaftsprüfung spezialisieren.

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?Wir wollen mit diesem Schritt das Profil der betriebswirtschaftlichen Ausbildung schärfen und zielgerichtet ausbilden?, erläutert Thomas Fischer, Inhaber des Lehrstuhls Controlling und Wirtschaftsprüfung, der diesen bundesweit einzigartigen Studiengang koordiniert.Die frühe Spezialisierung der Studierenden soll aber nicht zur Fessel werden, sondern mehr Möglichkeiten eröffnen. So qualifiziert der Fächerkanon außer zur Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung auch für die Finanz-Analyse, Interne Revision, Unternehmensberatung, Finanzmanagement, Rechnungswesen und Controlling. ?Darin spiegelt sich letztlich auch, dass sich der Beruf stark gewandelt hat, weg vom Hakenmachen, hin zu einem breiten Aufgabenspektrum?, sagt Fischer.Auch wenn sich Absolventen beruflich alle Türen offen halten, soll ihr Ziel sein, das WP-Examen abzulegen. Die Strecke dahin können sie verkürzen, indem sie während des Studiums Praktika machen, die ihnen später bis zu einem der drei verpflichtenden Praxisjahre ersparen. ?Außerdem könnten beim Nachweis erfolgreich absolvierter Lehrveranstaltungen an der Universität Klausuren im WP-Examen erlassen werden?, stellt Fischer in Aussicht.Hinzu kommt: Absolventen können direkt nach dem Diplom das Examen ablegen und dann die Praxisjahre nachschieben. Vorteil: Niemand steht mehr vor dem Nichts wie heute, wenn er nach Jahren der Berufsausübung durch die Prüfung rasselt.Bevor allerdings diese neue Option tatsächlich die Ausbildung verschlankt, muss sie durch die WP-Kammer zertifiziert werden, was erst nach Inkrafttreten der 5. WPO-Novelle (Wirtschaftsprüferordnung) Anfang 2004 möglich wird. Die Chancen stehen gut: ?Die Wirtschaftsprüferkammer begrüßt grundsätzlich die Schaffung eines auf den Beruf des Wirtschaftsprüfers ausgerichteten Studienganges, wie den der Katholischen Universität Eichstätt- Ingolstadt?, stellt Reiner Veidt, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüferkammer, fest. Ob die Ingolstädter Option als ?besonders geeigneter Studiengang? anerkannt werde, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden.Auch beim Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in Düsseldorf begrüßt man die Neuerung. ?Mithilfe von Hochschulen die Ausbildung zu intensivieren und so die Ausbildungszeiten zu verkürzen, ist eine Idee, die schon lange von uns propagiert wird?, sagt IDW-Pressesprecherin Petra Wiedefeldt. Wie ?Ingolstadt? zu bewerten sei, müsse die Praxis zeigen.Auch Praktiker blicken wohlwollend auf die Novität. ?Eine Verkürzung der zu langen Ausbildungszeit ist immer begrüßenswert, weil diese auch gute Leute abschreckt. Außerdem bin ich von dem Studium angetan, weil es sehr früh theoretische Kenntnisse in der Wirtschaftsprüfung und im Controlling vermittelt?, sagt Jürgen Spielberg, Vorstandsmitglied der Rölfs Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.Können sich diplomierte WPs gar auf mehr Gehalt freuen? Spielberg winkt ab: ?Eher nicht. Das hängt unverändert von der persönlichen Qualifikation ab. Aber: Ein Absolvent hat durch seine verkürzte Ausbildungszeit die Chance, schneller aufzusteigen, womit er eher in eine höhere Einkommensklasse kommt.?
Dieser Artikel ist erschienen am 12.11.2003