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Aber bitte mit Sahne

Der dritte und letzte Teil des karriere-Finanzguides zeigt, wie Jobstarter ihre Altersvorsorge anpacken, damit am Lebensabend noch was zum Verfrühstücken bleibt. Im Jahre 2040, müssen 100 Beitragszahler für 120 Rentner aufkommen. Wir zeigen Ihnen, was Sie über Altersvorsorge, Rente und Fondssparen wissen sollten.
All about Rente
Die drei Schichten der Altersvorsorge

Wenn im Werbespot die Zeitmaschine landet, der Senior über den Rasen schlurft und anschließend sein früheres Ich wegen der mickrigen Rente vermöbelt, dürfte vielen Berufseinsteigern die Fernbedienung in der Hand zucken: Schon 30 und immer noch nichts für die Rente gespart! Da Wegzappen aber nun mal nicht vor dem Älterwerden schützt, liefert karriere die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Rente und Vorsorge - damit einem später das Senioren-Ich nicht auch in die Magengrube schlägt

Serie:
Finanzguide für Einsteiger
Alle Basics zu Geld, Vermögen, Vorsorge
Teil 1 in karriere 05/06: Steuern
Teil 2 in karriere 06/06: Versicherungen
Teil 3 in karriere 07/06: Finanzen und Vorsorge
Wie sieht unsere Renten-Welt aus, wenn wir "soweit" sind?
Auf jeden Fall alt. 2040, wenn die heute 33-Jährigen in den Ruhestand gehen, müssen 100 Beitragszahler 120 Rentner durchfüttern. Heute liegt das Verhältnis bei 100:65. Und weil die Lebenserwartung steigt, wird die gesetzliche Rentenversicherung die Mäuler auch noch länger zu stopfen haben. Ernst Biedermann vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung bringt das Dilemma auf den Punkt: "Wir sind das Problem - und wir haben das Problem.

Die besten Jobs von allen


Wie viel Geld werde ich im Alter brauchen?
Das hängt von den eigenen Ansprüchen ab. Gerade junge Leute kalkulieren gerne mit der Hoffnung, dass sie als Rentner bestimmt nicht mehr so viel Geld benötigen wie im Berufsleben. Ein Trugschluss. Wer sagt, dass wir nicht auch mit 70 noch in Urlaub fahren, teure Hobbys pflegen, Kosmetikerinnen aufsuchen oder gut Essen gehen - zumal wir dann viel mehr Zeit haben? Sicherlich fallen so manche Ausgaben aus der Erwerbsphase weg: Die Ausbildung der Kinder und das Eigenheim dürften bis dahin finanziert sein. Dafür kommen neue altersbedingte Kosten wie etwa für Krankheit oder für mehr Komfort hinzu. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung rechnet damit, dass bei einem Rentner 30 Prozent der bisherigen Ausgaben wegfallen und 20 neue hinzukommen. Ergibt unterm Strich einen Bedarf von rund 90 Prozent der bisherigen Ausgaben - plus/minus der eigenen Ansprüche

Was ist vom Staat noch zu erwarten?
Immerhin mehr als nichts. Otto-Normal-Rentner wird auch in den nächsten Jahrzehnten noch einen ordentlichen Teil seiner Ausgaben aus der gesetzlichen Rente bestreiten können. Aber eben nur einen Teil: Wer im Alter beispielsweise 90 Prozent seines jetzigen Netto-Einkommens braucht, aber nur 51 Prozent aus der Staatskasse zu erwarten hat (Rentenniveau-Schätzung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge für das Jahr 2040), muss 39 Prozent seines derzeitigen Nettos anderweitig finanzieren - also entweder viel erben, reich heiraten oder konsequent sparen.

Wie rechne ich meine Rentenlücke aus?
Die Faustformel lautet: Summe der voraussichtlichen monatlichen Einnahmen im Alter - zum Beispiel aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente, privater Rente, Miet- und Zinseinnahmen - minus die Summe der Ausgaben in spe - Miete, Lebenshaltung, Krankenkasse, Steuern, Urlaub, Hobbys. Die Differenz ergibt die Versorgungslücke oder den Überschuss.

Ein Plus unterm Strich dürften Berufseinsteiger allerdings selten herausbekommen, sie haben unter "zu erwartende Einnahmen im Alter" meist noch nicht viel zu verbuchen. Erst nach fünf Jahren als Beitragszahler haben sie überhaupt einen Anspruch auf gesetzliche Rente. Und ein Vermögen, das ordentlich Zinsen abwirft, will erst noch angespart werden. So ist es normal, dass junge Leute mit einer Rentenlücke von mehreren hunderttausend Euro ins Leben starten und sie im Laufe der Jahre durch Sparen verkleinern bis schließen.

Auf 3,80 Euro genau ist so eine Rentenlücke natürlich nie zu berechnen - zu viel kann in den knapp 40 Arbeitsjahren bis zur Rente passieren, aber für die eigene Vorsorgeplanung ist es schon wichtig zu wissen, ob man unter jetzigen Voraussetzungen im Alter 1.000, 2.000 oder 5.000 Euro pro Monat zu wenig haben wird.

Welche Rolle spielt die Inflation für meine spätere Rente?
Eine vernichtende. Heutige 1.000 Euro sind bei - optimistischen - zwei Prozent jährlichem Wertverlust in 40 Jahren noch ganze 503 Euro wert. Da bei der gesetzlichen Rente schon seit einiger Zeit kein Geld mehr für einen Inflationsausgleich übrig ist, sinken die Renten allein dadurch Jahr um Jahr. Und bei einer privaten Geldanlage bleiben von fünf Prozent Rendite, die man am Markt bekommt, real nur noch drei Prozent übrig. Wer seine Altersvorsorge plant, sollte daher den kontinuierlichen Wertverlust sowohl in der Einzahl- als auch in der Auszahlphase mit einkalkulieren

Wie viel muss ich pro Monat für die Rente zurücklegen?
Finanzexperten empfehlen, sechs bis zehn Prozent vom Bruttoeinkommen für die Altersvorsorge zu sparen. Generell gilt aber: Auch Kleinvieh macht Mist. Jeder Euro, der heute für die Altersvorsorge abgeknapst wird, zahlt sich später aus. Wer zudem früh mit dem Zurücklegen anfängt, kommt wegen des längeren Zins- und Zinseszins-Effekts mit sehr viel niedrigeren Beträgen zum Ziel als jemand, der erst mit 40 startet (siehe Tabelle S. 90). Interessante Tools zum Errechnen von Sparraten bietet das Deutsche Institut für Altersvorsorge unter www.dia-vorsorge.de

Urlaub, Auto, Versicherungen - wo soll ich da noch Geld für Altersvorsorge hernehmen?
Die gute Nachricht zuerst: Das komplette Altersvorsorge-Vollpaket muss zum Berufsstart noch nicht festgezurrt werden, sondern kann im Laufe des Berufslebens Baustein um Baustein wachsen. Klar, die Basisabsicherung (siehe Finanzguide, Teil 2, karriere 6/2006) und der Notgroschen gehen erst mal vor. Was dann noch übrig bleibt, sollte eher längerfristig und in flexiblen Anlageformen gespart werden, damit der Einsatzzweck - Haus, Babypause, Selbstständigkeit oder Rente - halbwegs variabel bleibt.

Eines muss einem bei allen Wünschen aber klar sein: Um die Deckungslücke im Alter kommt man nicht herum. Je mehr teure Ziele auf der Lebens-Agenda stehen, desto geschickter muss man haushalten, um sie sich alle leisten zu können

Was hat es mit dem oft zitierten "Drei-Schichten-Modell" auf sich?
Das Drei-Schichten-Modell (siehe Grafik oben) ist ein Resultat des Alterseinkünftegesetzes und gibt an, wie die diversen Rentenquellen jetzt und im Alter steuerlich behandelt werden. Schicht eins, mit der gesetzlichen Rente und Rürup-Produkten (siehe Randspalten), soll die Basisversorgung im Alter sichern. Die Beiträge sind zunehmend Steuer-entlastet, Steuern werden erst im Alter auf die Renten erhoben

Schicht zwei, bestehend aus betrieblicher Altersvorsorge und Riester-Produkten, soll künftig deutlich aufgestockt werden. Während in anderen Ländern die betriebliche Vorsorge schon ein starkes Standbein der Rente bildet, hat Deutschland da Aufholbedarf. Die Beiträge zur Schicht zwei sind ebenfalls steuerbegünstigt, Abgaben werden erst im Alter fällig

Schicht drei umfasst alle Produkte, in die Anleger auf dem freien Kapitalmarkt investieren können, egal ob für Kurzfristziele oder Langzeitprojekte wie die Altersvorsorge. Die Beiträge werden in der Regel aus versteuertem Einkommen gezahlt, das Kapital ist im Alter meist steuerfrei, nur auf die Erträge werden teilweise Abgaben erhoben

Was muss ich steuerlich bei der Vorsorgeplanung beachten?
Die Steuer spielt hier eine immer größere Rolle. Einerseits beschert einem die Steuerfreiheit der Rentenbeiträge in jungen Jahren einen größeren finanziellen Spielraum - den man tunlichst auch für die Altersvorsorge nutzen sollte. Andererseits werden viele Einnahmen im Alter zum dann geltenden individuellen Steuersatz besteuert. Wer sich also beispielsweise bis zur Förderkante mit Produkten aus Schicht eins und zwei eindeckt, kann die Steuervorteile zwar jetzt voll ausreizen, geht aber mit hohen steuerpflichtigen Einnahmen und damit einem entsprechend hohen Steuersatz in Rente.

Diese Strategie lohnt auf jeden Fall nur für Anleger, die mit der Unflexibilität der staatlich geförderten Produkte zurechtkommen. Wer flexibler bleiben will oder muss, wäre damit trotz der Steuerbonbons schlecht beraten und sollte sein Geld eher in die private Vorsorge stecken und sich im Alter über die weitgehende Steuerfreiheit freuen

Alle reden von privater Vorsorge. Aber wo lege ich mein Geld am besten an?
Mit welchen Anlageformen man sein Geld für die Rente erwirtschaftet, ist grundsätzlich erst mal wurscht, Hauptsache mit 67 ist genug Kapital zum Verknuspern da. Theoretisch könnte man es auch auf dem Girokonto ansammeln. Dort wirft das Kapital allerdings nicht mal so hohe Zinsen ab, dass die Inflation ausgeglichen wird. Der so wichtige Zinseszins-Effekt kommt gar nicht zum Zuge. Sinnvollerweise setzt man also auf Anlageformen mit höherer Verzinsung - die es allerdings nur gegen mehr Risiko und/oder eine längere Anlagedauer gibt. Zur Wahl stehen etwa private Rentenversicherungen, Investmentfonds, Zertifikate, Staats- oder Unternehmensanleihen, Immobilien, Aktien oder Banksparpläne.

Wie gehe ich beim Investieren vor?
Am Anfang steht zunächst mal die Bestandsaufnahme: Wie viel Geld werde ich im Alter brauchen? Wie viel Geld kann ich überhaupt sparen? Welche Kurz- und Langfristziele habe ich? Wann muss wie viel Geld da sein? Wer beispielsweise schon weiß, dass er sich in drei Jahren einen neuen Arbeitgeber suchen wird, bindet sich besser erst mal nicht an eine betriebliche Altersvorsorge, weil die Mitnahmemöglichkeiten noch nicht optimal sind. Wer einen Hauskauf plant, wählt nicht eine unflexible Rentenpolice, sondern beispielsweise einen risikoärmeren Investmentfonds oder eine Anleihe.

Wie mixe ich richtig?
Da zu Beginn der Karriere eher Ebbe in der Kasse ist, sollte man mit einem bis zwei Spartöpfen beginnen und erst mit steigendem Gehalt die Zahl der Produkte und die Höhe der Einzahlungen aufstocken. Ziel ist es, eine gute Mischung aus Rendite und Risiko hinzukriegen. Gegen Verlustrisiken schützt eine entsprechende Streuung der Anlagen: Nicht nur auf Aktienfonds oder Versicherungen oder Riester-Verträge setzen, sondern gegenläufige Anlageformen mischen. Ebenso wichtig ist eine Staffelung der Laufzeiten, damit immer genügend Geld frei ist, wenn es gebraucht wird. Je länger ein Sparer noch bis zur Rente hat, desto höher darf der Aktienanteil zum Beispiel in den Investmentfonds ausfallen - sofern der Sparer das natürliche Auf und Ab an der Börse von seiner Risikoneigung her ertragen kann

Meine Eltern werden mir mal ein ordentliches Vermögen vererben. Da kann ich es doch jetzt ruhiger angehen lassen?
Erben ist eine feine Sache und erspart einem eine Menge Konsumverzicht - wenn das Erbe üppig ausfällt. Aber wer weiß schon, ob das am Ende der Fall ist - zumal sich Eltern beim Thema Vererben ungern in die Karten sehen lassen? Was, wenn die Eltern das Dolce Vita entdecken und mehr ihres Geldes verbrauchen, als man eingeplant hat? Oder wenn sie krank werden und jahrelang Betreuung brauchen? Ein anständiger Pflegeheimplatz kostet locker 3.000 Euro pro Monat. Wenn dann schließlich weniger vererbt wird, als für die eigene Altersvorsorge nötig, ist es für größere Sparaktionen oft zu spät. Wer also den Nachlass der Eltern als Baustein in seine Vorsorge einplanen will, sollte dies mit Bedacht tun und sich nicht blind drauf verlassen

Ein eigenes Haus bietet doch schon reichlich Absicherung. Muss ich dann überhaupt noch was nachlegen?
Eine eigene Immobilie ist natürlich ein stolzer Batzen Vermögen - aber auch ein verdammt unflexibler. Als Rentner spart man zwar Miete, aber die übrigen Lebenshaltungskosten, Krankenkasse, Steuern oder Urlaub müssen aus dem Flüssigen finanziert werden. Darüber hinaus überschätzen viele Häuslebauer - angeheizt von der Immobilienindustrie - den finanziellen Vorteil der eigenen vier Wände. Ein Haus muss mit zunehmendem Alter öfter und teurer repariert werden. Wenn dann auch die Kinder aus dem Haus sind, ist es oft zu groß und im schlimmsten Fall nicht altengerecht ausgestattet. Um einen zusätzlichen, flexiblen Vermögensbaustein für die Rente kommt deshalb keiner herum

Wie oft muss ich meinen Vorsorgeplan nachjustieren?
Eine Bestandsaufnahme sollte man mindestens alle zwei Jahre vornehmen, spätestens aber dann, wenn sich im Leben Gravierendes tut wie etwa Jobwechsel, Nachwuchs, Babypause, Hauskauf oder Gehaltserhöhung. Folgende Fragen sollten dabei geklärt werden: Haben sich meine Ziele verändert? Passen die ausgesuchten Produkte noch dazu? Entwickeln sie sich wunschgemäß? Was muss ich umschichten, aufstocken oder versilbern? Wer seine Finanzen so im Blick behält, erlebt auch im Alter keine böse Überraschung.?

Ulrike Heitze

All about Rente
Gesetzliche Rente

Die Höhe der gesetzlichen Rente hängt in erster Linie davon ab, wie lange und wie viel der Versicherte eingezahlt hat. Der Verdienst wird jedes Jahr in Entgeltpunkte umgerechnet, die sich bis zum Rentenalter summieren. Ein Durchschnittsverdiener (2.450 Euro brutto/Monat) erhält genau einen Punkt pro Jahr; wer mehr verdient, kriegt anteilig mehr, bis maximal zwei Punkte. Die Summe der Entgeltpunkte multipliziert mit dem jeweils aktuellen Rentenwert (2006: 26,13 Euro) ergibt die monatliche Rente, von der noch Kranken- und Pflegeversicherung abgehen.
Da jeder Beitragsmonat die Rente erhöht, sollten junge Berufstätige regelmäßig ihr Rentenkonto nach Lücken durchforsten. Sind alle Jobs aufgeführt, auch Mini- und Aushilfsjobs während des Studiums oder Zeiten der Arbeitslosigkeit? Auch Mutterschutz und Elternzeit kommen der Rente zugute. Schule und Studium erhöhen die Rente dagegen nicht, zählen aber momentan noch als Anrechnungszeiten auf die 35 Jahre, die man einzahlen muss, bevor Rente beantragt werden kann. Daher sollten sie immer bei den Rentenversicherungen angegeben werden.

www.deutsche-rentenversicherung.de

Nachgelagerte Besteuerung

Das Alterseinkünftegesetz von 2005 revolutioniert unser bisheriges Rentensystem: Bis 2040 wird schrittweise die steuerliche Behandlung von Rentenzahlungen umgeschichtet. Bisher wurden die Beiträge in die gesetzliche Rente aus versteuertem Einkommen erbracht und die Renten im Alter steuerfrei ausgezahlt. Jetzt werden die Beiträge nach und nach von der Besteuerung freigestellt, so dass in der Erwerbsphase mehr Geld übrig ist, um privat vorzusorgen.
Im Gegenzug sind allerdings die späteren Renten der Steuer unterworfen. Der zu versteuernde Anteil steigt sukzessive von derzeit 52 Prozent auf volle 100 Prozent ab 2040. Heutige Berufsstarter müssen also im Ruhestand ihre komplette Rente mit ihrem dann geltenden individuellen Steuersatz versteuern.

Betriebliche Altersvorsorge/Betriebsrente

Bei der betrieblichen Altersvorsorge verzichtet ein Arbeitnehmer auf Teile seines Gehalts, die dann auf direktem Wege vom Arbeitgeber auf ein spezielles Altersvorsorgekonto überwiesen werden. Zurzeit können Arbeitnehmer bis zu 4.320 Euro jährlich steuerfrei per Gehaltsumwandlung in eine solche Sparform investieren.
Die Variante Betriebsrente zeichnet sich dadurch aus, dass die Beiträge nicht vom Arbeitnehmer stammen, sondern vom Unternehmen zusätzlich zum Gehalt beigesteuert werden.
Großer Vorteil beider Sparformen: Die Beiträge sind steuer- und sozialabgabenfrei. Für die Einzahlungen des Arbeitnehmers läuft die Sozialabgabenfreiheit allerdings Ende 2008 aus. Ob sie dann noch mal verlängert wird, steht in den (Regierungs-)Sternen. Die späteren Rentenzahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge sind teilweise oder sogar voll zu versteuern. Darüber hinaus werden für den Senior Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig.
Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge, früher ging das nur mit Zustimmung des Arbeitgebers. Heute muss jedes Unternehmen seinen Mitarbeitern mindestens eine von fünf zur Wahl stehenden Varianten anbieten: Direktzusage, Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse oder -fonds. Bei Unterstützungskasse und Direktzusage verpflichtet sich das Unternehmen direkt, seinem Mitarbeiter später eine Rente zu zahlen. Diese Varianten der klassischen Betriebsrente gibt es nur noch selten und eher bei Großkonzernen. Kleinere und mittlere Unternehmen bieten ihren Angestellten dagegen meist Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds über einen externen Anbieter an

www.ihre-vorsorge.de

Riester-Rente

Riester-Produkte sind Bank- und Fondssparpläne oder Versicherungen, die vom Staat durch Zulagen und Steuerentlastungen gefördert werden. Riestern können Arbeitnehmer, Arbeitslose, Beamte sowie rentenversicherungspflichtige Selbstständige. So funktioniert's: Wer drei Prozent seines Vorjahres-Bruttoeinkommens in einen Riester-Vertrag einzahlt (ab 2008: vier Prozent), bekommt 114 Euro Grundzulage plus 138 Euro pro Kind vom Staat geschenkt (ab 2008: 154/185 Euro).

Ein Beispiel: Bei einem Jahresbruttogehalt von 35.000 Euro müssen zurzeit 1.050 Euro pro Jahr eingezahlt werden, um die Höchstförderung einzustreichen. Da sich die Beiträge aus Eigenleistung plus Zulagen berechnen, muss der Sparer nur 936 Euro pro Jahr oder knapp 80 Euro im Monat aus eigener Tasche bezahlen. Mit Kind sind es sogar nur knapp 800 Euro jährlich. Wem das zu viel ist, kann kleinere Raten wählen; die staatliche Zulage fällt dann niedriger aus.

Parallel können die Beiträge zu Riester-Verträgen steuerlich geltend gemacht werden - was riestern auch für kinderlose Gutverdiener interessant macht: Aktuell dürfen bis zu 1.575 Euro (ab 2008: 2.100 Euro) jährlich abgesetzt werden. Das Finanzamt rechnet aus, ob Zulage oder Steuerabzug günstiger für den Arbeitnehmer ist

Riester-Produkte gibt es als Bank- oder Fondssparplan sowie als Rentenversicherung. Die beste Wahl für junge Leute sind Riester-Fondssparpläne. Je nach Aktienanteil und Qualität des Fondsmanagements lassen sich deutlich über fünf Prozent jährlich erwirtschaften.Vorteil gegenüber "normalem" Fondssparen: Es gibt eine Geld-zurück-Garantie - das heißt, am Ende erhält der Sparer zumindest die eingezahlten Beiträge plus staatliche Zulagen ausgezahlt.

Aus einem Riester-Vertrag darf inzwischen auch Kapital zur Immobilienfinanzierung entliehen und zu Beginn der Rentenphase, frühestens mit 60 Jahren, 30 Prozent des angesparten Kapitals en bloc entnommen werden. Den Rest gibt es als lebenslange Rente. Riester-Produkte sind vererbbar und Hartz-IV-sicher. Nachteil: Riester-Renten werden nicht ins Ausland ausgezahlt.

www.dia-vorsorge.de

Rürup-Rente

Die Basis- oder auch Rürup-Rente wurde 2005 eingeführt und basiert auf einer privaten Rentenversicherung. Der Sparer zahlt monatlich einen Betrag ein und erhält dafür im Alter eine lebenslange monatliche Rente garantiert. Im Gegensatz zur Riester-Rente gibt es bei Rürup keinen direkten Geldzuschuss vom Staat. Die Förderung besteht im Steuervorteil: Zurzeit können Sparer 62 Prozent ihrer Vorsorgebeiträge, maximal 12.400 Euro, als steuermindernd beim Finanzamt geltend machen. Der abzugsfähige Teil erhöht sich bis 2025 jedes Jahr um zwei Prozentpunkte bis auf 100 Prozent, maximal 20.000 Euro. Versteuert wird erst im Alter, wenn die Rürup-Renten ausgezahlt werden.

Die Absetzbarkeit hat jedoch einen Schönheitsfehler: Zu den 12.400 Euro Vorsorgeaufwendungen zählen auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Rente sowie Einzahlungen in berufsständische Versorgungswerke. Wer gut verdient, macht diesen Betrag bereits ohne Rürup-Beiträge voll - und profitiert daher von den Steuervorteilen nicht.

Erst wenn die Absetzbarkeitsgrenze sukzessive von 62 bis auf 100 Prozent im Jahr 2025 anwächst, wird's besser. Rürupen lohnt sich daher am ehesten für Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rente einzahlen und die 12.000 Euro mit ihren eigenen Beiträgen ausschöpfen können.

Weiterer Nachteil: Die Rürup-Rente ist sehr unflexibel. Es existiert kein Kapitalwahlrecht, das angesparte Geld gibt's nur als Rente. Auch ist sie weder übertragbar noch vererb- oder beleihbar. Dafür ist das Kapital Hartz-IV-sicher und wird auf jeden Fall zurückgezahlt. Die garantierte Verzinsung liegt aktuell bei mageren 2,75 Prozent, Tendenz fallend. Zwar stellen Versicherer höhere Renditen durch Überschussbeteiligungen in Aussicht. Aber die sind nicht garantiert

www.ihre-vorsorge.de

Private Renten-Police

Wer ohne staatliche Förderung fürs Alter vorsorgen will, kann dies beispielsweise über eine private Rentenversicherung tun. Die zahlt ab einem gewissen Alter eine bestimmte monatliche Rente, wahlweise auch einen Einmalbetrag. Vorteil gegenüber privatem Sparen mit Aktien oder Investmentfonds: Es ist eine Garantieverzinsung definiert, die aktuell bei 2,75 Prozent liegt, ab 2007 bei 2,25 Prozent. Die versprochenen Überschussbeteiligungen sind dagegen nicht garantiert und in den vergangenen Jahren auch nicht berauschend ausgefallen

Die Beiträge für eine private Rentenpolice können nicht von der Steuer abgesetzt werden, die Auszahlungen im Alter müssen aber auch nur zu einem Bruchteil versteuert werden.

Sinnvoll ist eine Rentenpolice für sicherheitsorientierte Anleger - sofern die Gesellschaft gut gewählt wurde und solvent bleibt. Allerdings sind Rentenpolicen flexibel wie Bahnschwellen. Hauskauf, Babypause oder Umzug sind damit nicht zu finanzieren

www.dia-vorsorge.de, www.ihre-vorsorge.de

Fondssparen

In der Vergangenheit erzielten Sparer mit Investmentfonds sehr gute Renditen. Für junge Leute, die noch 20 oder 30 Jahre bis zur Rente haben und Kursschwankungen aussitzen können, ist Fondssparen daher ein interessanter Baustein der privaten Altersvorsorge. Gekauft wird aus versteuertem Einkommen, das Kapital und die Kursgewinne im Alter sind steuerfrei, lediglich die Erträge sind teilweise zu versteuern

Vorteil von Investmentfonds: Die Sparraten lassen sich jederzeit anpassen oder aussetzen. Und der Sparer kommt jederzeit an sein Kapital heran. Ärgerlich wird es nur dann, wenn er termingenau an sein Geld muss und gezwungen ist, in schlechten Börsenzeiten Anteile zu veräußern.

Wer einen Teil seiner Altersvorsorge mit Fonds aufbauen will, sollte auf jeden Fall das Risiko breit streuen. Denn anders als bei Versicherungen gibt es bei Fonds in der Regel keine zugesagte Mindestverzinsung oder Kapitalgarantie.

www.dia-vorsorge.de, www.ihre-vorsorge.de

Katja Stricker

Die drei Schichten der Altersvorsorge

Die besten Jobs von allen

Schicht 3: Kapitalanlageprodukte
Private Rentenversicherungen, Aktien, Anleihen, Fondsinvestments, Immobilien...


Schicht 2: Zusatzversorgung
Betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente

Schicht 1: Basisversorgung
Gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Vorsorge, private Basis-Rente (Rürup)


Frühstart zahlt sich aus
Wie viel monatlich gespart werden muss, um später eine Rentenlücke von 1.200 Euro pro Monat auszugleichen*

Spar-Start... mit 25 mit 30 mit 35 mit 40
339 ? 413 ? 512 ? 651 ?

Musterfall: Eintritt in die Rente mit 67, Kapital reicht bis Alter 95, Verzinsung 4,5 % p.a., Inflationsrate 2 % p.a., Besteuerung unberücksichtigt.
*= Angespartes Kapital bis zum 67. Lebensjahr: 300.000 Euro. Reicht für eine monatliche Rente von rund 1.240 Euro bis zum 95. Lebensjahr. Quelle: karriere
Dieser Artikel ist erschienen am 28.07.2006