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?Woz? will es noch mal wissen

Von Axel Postinett
Es ist ruhig geworden um Steve Wozniak, Mitgründer der Silicon Valley Legende Apple Computer, seit er dort vor über 20 Jahren ausgestiegen ist. Nun will Wozniak mit einer neuen Chip-Firma wieder zurück ins Rampenlicht.
FRANKFURT. Er ist eher der Typ netter Teddybär im Vorruhestand. Niemand dreht sich an diesem späten Herbst-Nachmittag in der Lobby des Mövenpick Hotels um nach dem Herrn mittleren Alters, der mit silbergrauem Bart und gemütlicher Bauchrundung Vertrauen und Ruhe ausstrahlt, sobald er den Raum betritt. Es ist ruhig geworden um Steve Wozniak, Mitgründer der Silicon Valley Legende Apple Computer, seit er dort vor über 20 Jahren ausgestiegen ist. Doch die Zeiten sind vorbei, sagt er. Nächstes Jahr werde man im ?Valley? wieder von ihm hören. Er ist wieder im Spiel.Da hat er sich viel vorgenommen. Während sein Alter Ego Steve Jobs von einer Dollar-Milliarde zur nächsten eilt und spätestens seit Erfindung des ?iPod? auch außerhalb der Computerwelt unsterblichen Ruhm erlangt hat, verblassen die Erinnerungen an Wozniak, Spitzname ?Woz?, zusehends. Hart für jemanden, der sein gerade erschienenes Buch schlicht ?iWoz? betitelt hat. Vielleicht, um ein wenig Ruhm von Apple, wo er pro forma noch auf der Gehaltsliste steht, auf sich zu lenken. Vielleicht auch, weil er glaubt, dass die majestätische Kürze der Wortschöpfung am Besten seiner Bedeutung gerecht wird. ?Ich, Woz? ? Das sagt alles.

Die besten Jobs von allen

Denn die Autobiographie zeigt nicht nur den begnadeten Tüftler, der geniale Schaltungen auf?s Papier kritzelte, Apple mitgründete und später einen Großteil seines Vermögens mit vollen Händen zum Fenster hinaus warf, etwa bei selbst organisierten Open-Air Festivals a la Woodstock. U2, Police, Fleetwood Mac ? Wozniak hat sie alle geholt.Das ist dann der andere Wozniak, der ein Sendungsbewusstsein hat und der Welt vorsichtshalber noch mal erklärt, was sie ihm denn so alles zu verdanken hat. Nicht, ohne die Geschichte von Irrtümern zu bereinigen, wie dem, dass Steve Jobs auch nur irgend etwas mit den Kult-Computern ?Apple I? und ?Apple II? zu tun gehabt habe. Jobs hat sie nur vermarktet. Er, Woz, hat sie erschaffen. Als schlichter Apple-Ingenieur in subalterner Position. Sozusagen als Gleicher unter Gleichen. Karriere ? Management? Hasswörter für ihn. Steve Wozniak, Weltverbesserer und Hippie, wie ihn wohl nur das Kalifornien der Siebziger hervorbringen konnte.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wozniak kehrt zu seinem Steckenpferd zurück.Die Zäsur kam im Februar 1981, als er einen Unfall mit seinem Flugzeug verletzt überlebte. Für Wochen verlor er sein Kurzzeitgedächtnis. Als er schließlich aus dem Krankenhaus kam, warf er bei Apple die Brocken hin. Er beendete seine Collegeausbildung und startete ein neues, aber letztlich erfolgloses Unternehmen. Woz mäanderte ziellos durchs Leben, sagen die einen. Er habe seine Ziele fürs Leben schon mit Anfang Zwanzig gefunden, sagt er selber. Er habe immer das gemacht, was er wollte. Darauf besteht er.Zuletzt unterrichtete er Kinder in Computertechnik und Robotik (?Ich wollte immer Lehrer werden?). Roboter sind seine Leidenschaft und er glaubt, dass sie bald wieder die Welt verändern werden wie es der PC tat. ?Irgendwann?, sagt er ?wird eines dieser Kinder den Apple II der Roboterwelt erschaffen.?Technik ist seine Welt und dahin kehrt er nun zurück, nachdem Kinder und dritte Ehefrau aus dem Haus sind, sagt er. Zusammen mit anderen ehemaligen Apple-Managern hat er rund 180 Mill. Dollar Investorengeld eingesammelt und Ende September die Chip-Firma ?Jazz? übernommen. Die soll Chips für ?neue, innovative Produkte? erschaffen. Und die Firma aus Newport Beach wird ein Büro im Silicon Valley aufmachen. Und Woz wird dort ?in verantwortlicher Position? tätig werden, sagt er.Mehr will er nicht sagen, aber zumindest soviel: ?Weniger im Management.? Er will wieder schöpferisch tätig werden, entwickeln. Nun ja. Für etwas anderes hätten ihm die Aktionäre wahrscheinlich auch kaum Geld gegeben.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.11.2006