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?Wir sind gerne langweilig?

Heimlich, still und leise hat Georg Funke den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate in den Dax geführt. Damit strafte er viele Lügen, die auf das krisengeschüttelte Immobiliengeschäft der Münchner keinen Pfifferling mehr wetten wollten.
Georg Funke. Foto: dpa
HB MÜNCHEN. Während die frühere Muttergesellschaft Hypo-Vereinsbank im vergangenen Jahr ihre Selbstständigkeit verlor und von einer Führungskrise in die nächste schlitterte, setzte der 50-jährige Funke bei der Hypo Real Estate weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit den Sanierungskurs fort und lieferte kontinuierlich gute Zahlen. ?Wir sind gerne langweilig?, sagte der internationale Immobilienexperte einmal bei der Vorlage der Geschäftszahlen. Auch im neuen Jahr will er Negativschlagzeilen möglichst vermeiden.Als die HVB vor gut zwei Jahren ihr Geschäft mit der Finanzierung von Gewerbeimmobilien abspaltete, gaben viele Experten dem neuen Gebilde nur wenig Chancen. Die Hypo-Vereinsbank habe sich von Immobilien-Altlasten befreit, mit denen nun die Hypo Real Estate leben müsse, hieß es damals. Inzwischen fallen die Urteile positiver aus. ?Die Restrukturierung ist auch dank eines guten Managements gelungen?, sagt Metehen Sen, Banken-Spezialist bei Sal. Openheim. Die Aufnahme in den DAX im Dezember sei die Krönung dieser Sanierungsstory gewesen.

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Der freundliche, aber zurückhaltende Funke ist ein durchaus typischer Vertreter einer neuen Führungsgeneration, die eher unauffällige Machertypen denn charismatische Selbstdarsteller hervorgebracht hat. Auch bei Finanzkonzernen wie Allianz und Münchener Rück stehen mit Michael Diekmann und Nikolaus von Bomhard Chefs an der Spitze, die öffentliche Auftritte eher meiden, intern aber mit harter Hand viel bewegt haben.Funke gilt im Unternehmen als ausgesprochen uneitel und umgänglich. Mit seinen Vorstandskollegen duzt er sich. Die Zügel hält er aber dennoch straff. Über jeden größeren Deal hält er sich persönlich auf dem Laufenden. ?Wir machen keine Geschäfte, die sich nicht rechnen?, lautet dabei seine Devise.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Aus dem Ruhrgebiet nach London.Seine Bodenhaftung sei wohl auch auf die Herkunft des Gelsenkircheners aus dem Ruhrgebiet zurückzuführen, sagt ein Branchenexperte. Gleichzeitig sei er aber auch international geprägt. Zeitweise hatte Funke, der mit einer Irin verheiratet ist, die Hypo Real Estate aus Irland geführt. Zudem hat er zwölf Jahre seines Berufslebens in London verbracht.Mit Immobilien hat sich Funke während seines gesamten Berufslebens beschäftigt. Seine Laufbahn startete der Familienvater und Hobby-Fotograf 1972 bei der Westdeutsche Wohnhäuser AG in Essen. 1984 wechselte er zur damaligen Hypo-Bank, bei der er fünf Jahre später Co-Leiter der Niederlassung London wurde. Nach der Fusion mit der Bayerischen Vereinsbank zur Hypo-Vereinsbank 1998 übernahm Funke die Leitung des Immobilienbereichs in Großbritannien. Zwei Jahre später rückte er in den Bereichsvorstand der Real Estate International bei der HVB und kurze Zeit später in den Vorstand der HVB Real Estate Bank auf. Mitte 2003 rückte er an die Spitze der Hypo Real Estate.Nach der Abspaltung verordnete er der Bank eine Konzentration auf die Wachstumsmärkte im Ausland. In Deutschland wurde eine Zeit lang jedes Neugeschäft eingestellt, bis das Portfolio bereinigt war. Inzwischen wagt sich die Hypo Real Estate auch auf dem Heimatmarkt wieder ans Neugeschäft heran. Bisher ist dieser Kurs erfolgreich.Zwar liegen die genauen Zahlen für 2005 noch nicht vor. Laut letzten Prognosen sollte der Vorsteuer-Gewinn aber auf bis zu 425 Millionen Euro fast verdoppelt werden. Auch für die nächsten Jahre hat sich Funke viel vorgenommen: ?Die Hypo Real Estate Group ist auf gutem Wege, der führende international tätige spezialisierte Immobilienfinanzierer zu werden.?
Dieser Artikel ist erschienen am 02.01.2006