Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

?Wer Menschen mitreißen kann, der hat eine Superchance.?

Rupert Stadler, 44, geboren im bayerischen Titting bei Ingolstadt, ist seit dem 1. Januar 2007 Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Im Interview erzählt er über Traktoren, Träume und Small Talk mit Ferdinand Piëch.
Herr Stadler, Sie sind bald ein Jahr im Amt. Wie schmeckt der Job? Rupert Stadler: Hervorragend! Ich spüre eine große Verantwortung, und das ist gut so. Es ist sehr ermutigend, wenn man wichtige Entscheidungen trifft und dann sieht, dass sie richtig waren. Audi ist ja sehr gut aufgestellt, da macht die Arbeit doppelt Spaß.

Die besten Jobs von allen

Haben Sie noch Zeit für die Familie?Die Zeit ist deutlich knapper geworden. Aber soweit es geht, nehme ich mir die Zeit, denn die Familie ist ein wichtiger Anker in meinem Leben. Ab und zu fahre ich meine drei Kinder zur Schule.Stimmt es, dass Sie auf einem Bauernhof groß geworden sind? Ja, in einem kleinen Dorf 35 Kilometer von Ingolstadt entfernt. Wir hatten eine Landwirtschaft mit 80 Tagwerk.Mussten Sie mit anpacken? Kräftig. Ich musste morgens in den Stall gehen. Wir hatten Rinder, Milchkühe und auch Schweinezucht. Es war normal, dass man den Traktor bewegt, um aufs Feld zu fahren und beim Säen und Kartoffelernten zu helfen.Sie waren im Internat. War die Schule besonders streng?Da gelten klare Spielregeln. Die haben mir aber nicht geschadet. Ich habe viel gelernt: im Umgang mit Menschen, Verantwortung, Zuverlässigkeit und Akzeptanz.Lesen Sie weiter auf Seite 2: ?Ich fand Wirtschaft spannend.?Man lernt, dass man nur mit Ellenbogen nicht weiterkommt?Nur Ellbogen, das läuft nicht. Ich habe früh gelernt, dass man Ziele nur miteinander und nicht gegeneinander erreicht.Das ist natürlich gerade in einer Führungsposition besonders wichtig? Ja, vor allem das Gespür für unterschiedliche Individuen zu entwickeln. Wer Menschen gut führen, mitreißen und motivieren kann, der hat eine Superchance.Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Betriebswirtschaft zu studieren?In der Schule wuchs der Gedanke, Mensch, du könntest mal zur Bank gehen. Ich fand Wirtschaft spannend.Haben Sie mal in einer Bank gearbeitet? Ich habe ein Praktikum bei der Bayerischen Raiffeisen-Zentralbank gemacht. Dort habe ich die Tageseinnahmen einer Handelskette in Geldsäcken transportieren dürfen. Da hast du richtig Verantwortung, im Kofferraum steckt ein Vermögen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Das Gespräch mit Herrn PiëchSie haben in Augsburg BWL studiert, waren aber nicht im Ausland und haben keinen MBA absolviert? Während des Studiums habe ich das Ausland außer mit dem Interrail-Ticket nicht erlebt. Hier in Ingolstadt hatte ich die Chance bei Audi im Bereich Vertriebscontrolling. Wir waren eine junge Mannschaft und wollten raus zu den Importeuren, um die Planungen zu verstehen. Italien, Frankreich, England - ich war mitten in Europa. Da brauchte ich keinen MBA mehr. So verschlug es mich auch nach Spanien, und zwar Hals über Kopf. Ich hatte mit meiner Frau gerade ein Haus gebaut. Darin haben wir exakt neun Monate gelebt, dann sind wir umgezogen.Für Spanien mussten Sie erst die Sprache lernen? Bei 35 Grad war ich in Barcelona in der Sprachschule und habe einen Intensivkurs absolviert. Ich hatte meinen Mitarbeitern versprochen, dass wir Spanisch sprechen, wenn sie aus dem Sommerurlaub zurückkommen. Ich konnte Wort halten, das haben mir die Kollegen hoch angerechnet.Was passierte, als Sie nach Deutschland zurückkamen?Während des Umzugs hatte ich eine Vorstellungsrunde bei Herrn Piëch. Mir wurde nicht gesagt, um was es ging. Ich dachte, ist ja toll, dass man Nachwuchskräfte einfach mal zum Small Talk einlädt.Wie lief das Gespräch mit Herrn Piëch? Sehr angenehm. Wir haben über meine Kindheit gesprochen, Jugend, Schule, über Spanien. Er sagte, bei der Technik macht mir keiner was vor, aber ich hätte ganz gerne einen Kaufmann an der Seite - und zwar in der Rolle des Büroleiters.Wenn wir Ihnen zwei Tage Zeit schenken könnten, was würden Sie tun?Ich würde meinen Rucksack schnüren, mich auf mein Rennrad setzen, das natürlich vorher mit meiner Frau abstimmen und einfach mal zwei Tage rausfahren.
Rupert Stadler, 44, geboren im bayerischen Titting bei Ingolstadt, ist seit dem 1. Januar 2007 Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Er studierte an der Fachhochschule Augsburg Betriebswirtschaft. Nach seinem Abschluss arbeitete er bei Philips in Nürnberg, bevor er 1990 zu Audi in Ingolstadt wechselte. 1994 übernahm er das Controlling bei Seat in Spanien, ab 1997 leitete er das Generalsekretariat des VW-Chefs. Stadler ist verheiratet und hat drei Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.12.2007