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?Viel Geld ist nicht gut?

Von Wolfgang Drechsler
Anton Rupert ist der Mann, der aus dem Nichts einen Weltkonzern geformt hat mit Zigarettenmarken wie Peter Stuyvesant und Dunhill, mit Luxusmarken wie Cartier und Mont Blanc. Gestern ist er im Alter von 89 Jahren in Stellenbosch gestorben.
HB KAPSTADT. Wer das Gesicht mit den tiefen Falten und der Boxernase nicht kennt, hält ihn glatt für den Hausmeister. Doch es ist der Multimilliardär Anton Rupert. Südafrikas erfolgreichster Unternehmer. Der Mann, der aus dem Nichts einen Weltkonzern geformt hat mit Zigarettenmarken wie Peter Stuyvesant und Dunhill, mit Luxusmarken wie Cartier und Mont Blanc. Gestern ist er im Alter von 89 Jahren in Stellenbosch gestorben.Die gleiche Zurückhaltung und Bescheidenheit, die Rupert bei Empfängen und Aktionärstreffen offenbarte, ist zeitlebens typisch für seinen Stil gewesen. ?Viel Geld?, warnte er gerne, ?ist nicht gut für den Menschen und seine Familie. Wer zu viel davon hat, neigt zum Müßiggang.? So lebte der Sohn eines Rechtsanwalts trotz seines immensen Reichtums bis zu seinem Tod über 30 Jahre lang in dem gleichen Haus in einer von hohen Eichen gesäumten Allee.

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Anders als die diamanten glitzernden Oppenheimers, Südafrikas andere große Unternehmerdynastie, zogen die Ruperts nie in den Wirtschaftsmoloch Johannesburg, sondern regieren ihr Firmenimperium bis heute aus dem Wein- und Universitätsstädtchen Stellenbosch bei Kapstadt. Für den Senior der Familie war der Unternehmenssitz ohnehin nur von geringer Bedeutung. ?Die eigentliche Firmenzentrale?, pflegte der Hobbyphilosoph und Naturliebhaber zu sagen, ?ist der eigene Kopf.?In Stellenbosch, der Kaderschmiede des Burentums, beginnt kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg der Aufstieg der Ruperts. Hier kauft der promovierte Chemiker, der lieber Mediziner geworden wäre, 1948 mit Freunden und dem Startkapital von zehn Pfund Sterling die insolvente Tabakfirma Voorbrand ? den Vorläufer seiner beiden südafrikanischen Firmensäulen Rembrandt (Tabak) und Distillers (Alkohol).Wenig später startet er in einer alten Getreidemühle die Produktion der ersten Zigaretten. Bereits damals ist Rupert von dem Ehrgeiz beseelt, der englischen Geschäftswelt am Kap zu zeigen, dass auch die oft von oben herab behandelten Buren wirtschaftlich erfolgreich sein können. Der Jungunternehmer erkennt früh, dass vor allem zwei Produkte weltweit praktisch krisenfest sind: Alkohol und Tabak.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Rest ist heute Stoff von LegendenDer Rest ist heute Stoff von Legenden: Fünf Jahre nach seinem Einstieg bei Rothmans übernimmt der einstige Lizenznehmer Rupert die internationale Marke Rothmans of Pall Mall, später auch Dunhill, Lord sowie Lucky Strike. In Rekordzeit expandiert Rembrandt in 27 Länder auf allen Kontinenten und legt damit den Grundstein für seine Internationalisierung. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges produziert er jede zehnte Zigarette der Welt.Die Erfolgsmixtur verdankt er seinem Gespür für Vermarktung und Innovation: Er erfindet nicht nur den weltweit ersten ?King-Size?-Zigarettenfilter, sondern auch den früher vor fast jedem Kinofilm ausgestrahlten Werbeslogan ?Peter Stuyvesant ? your international passport to smoking pleasure?. Heute zählt Rembrandt noch immer zu den Größten im Tabakgeschäft.Die internationalen Vermögenswerte der Gruppe bündelt Rupert in den späten achtziger Jahren wegen der zunehmenden Isolierung Südafrikas im Luxus- und Tabakkonzern Richemont mit Sitz im Schweizer Zug. Nach und nach erwirbt er weltbekannte Luxusmarken wie Montblanc, Piaget, Karl Lagerfeld und Chloé, aber auch Lange&Söhne sowie weitere Uhrenmarken.Treibende Kraft hinter dieser Expansion ist seitdem sein ältester Sohn Johann, der heute das gesamte weltweite Geschäft leitet. Er ist es auch, der die Marken Dunhill und Cartier in einem 18-monatigen Verhandlungsmarathon übernimmt und später Rothmans International mit dem Tabakgiganten British American Tobacco (BAT) fusioniert ? ein erstes Indiz für den allmählichen Rückzug der Ruperts aus dem Tabakgeschäft.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Bedeutung der Familie für SüdafrikaDie Bedeutung der Familie für Südafrika ist groß. Wie einst das Bergbaukonglomerat Anglo American war auch ihre Investmentholding Rembrandt, die wegen ihrer Verschwiegenheit lange als ?der Vatikan der südafrikanischen Geschäftswelt? galt, bis vor kurzem in fast jeder Industriesparte am Kap vertreten. Das hat historische Gründe. Die 1960 unter der Apartheid verhängten Kapitalexportkontrollen zwangen die Ruperts lange dazu, alle am Kap erwirtschafteten Gewinne im eigenen Land anzulegen. So beteiligten sie sich von der Hühnerzucht über das Finanzwesen bis zur Telekommunikation und dem Goldbergbau an vielen Branchen.Auch politisch und ökologisch offenbarte Anton Rupert stets Weitblick. Obwohl burischer Herkunft und tief in der eigenen Kultur verwurzelt, ist er der erste führende Unternehmer am Kap, der schwarzen Angestellten den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit zahlt. Daneben prangert er die Apartheidpolitik der burischen Minderheit an und mahnt die Machthaber unermüdlich zur Reform. In einem Brief an den damaligen Premier PW Botha schreibt er 1986: ?Sagen Sie sich von der Apartheid los! Sie kreuzigt uns, sie zerstört unsere Sprache, sie macht unser stolzes Volk zu Aussätzigen in der Welt.?Seine immer wieder geäußerte Sorge, dass ?wir nicht ruhig schlafen, wenn unsere Nachbarn hungern?, veranlasste ihn zu einem sozialen Engagement, das in der Herausbildung einer ersten schwarzen Unternehmerschicht gipfelte. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki würdigte Rupert gestern ?als einen Mann, der einen wesentlichen Anteil an der demokratischen Wende seiner Heimat hatte?.Doch das Lebenswerk des Mitbegründers des World Wide Fund for Nature (WWF) sind die über 40 von ihm initiierten Naturreservate und Parks im südlichen Afrika ? eine Aufgabe, die ihm mehr bedeutete als seine Firmengruppe. Eng fühlte er sich seinem Heimatort Graaf Reinet in der Halbwüste der Karoo verbunden. ?Wenn man hier in den Sternenhimmel schaut, wird einem bewusst, wie vergänglich alles ist und wie klein wir Menschen im großen Spiel der Dinge sind.?Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die RupertsAnton Rupert1916 wird er als Sohn eines Rechtsanwalts in dem kleinen Ort Graaf Reinet(Provinz Ostkap) geboren. Er studiert Chemie in Pretoria.
1948 Beginn des Aufbau seines Zigarettenimperiums mit Kleinkrediten und ohne eigenes Kapital, zunächst in Johannesburg, dann wenig später in Stellenbosch
1953 Übernahme von Rothmans of Pall Mall. Später folgen u.a. bekannte Marken wie Dunhill Carreras, und Lucky Strike., Peter Stuyevesant und andere renomierte Zigarettenmarken
1960 beginnt er, sein Unternehmen in neue Märkte zu führen, von Wein und Spirituosen bis Bergbau
die vom südafrikanischen Staat verhängte Kapitalexportkontrollen zwingen die Rembrandt-Gruppe (Remgro) zur Expansion in Bergbau, Versicherungen, Banken, Energie und Chemie.
1968 Beginn des Engagements für den Naturschutz und den Aufbau von Wildparks
1981 Gründung der Small Business Development Corporation mit dem Diamantenkönig Harry Oppenheimer
1990startet er die Etablierung mehrerer grenzüberschreitende Parks im südlichen Afrika, vornehmlich zwischen Südafrika und seinen Nachbarstaaten Mosambik, Simbabwe und Botswana
ab 1996 Rückzug aus der südafrikanischen Rembrandt-Gruppe und Konzentration auf den Umweltschutz
verheiratet mit Hubertine (gest. 2005), zwei kinder Johann und Hannelie; Sohn Anthonij vor vier Jahren bei Verkehrsunfall ums Leben gekommen
Johann Rupert1950wird er in Stellenbosch geboren. Seine Ausbildung erhält er bei renommierten US-Investmentbanken.
1970er Jahre Ausbildung bei Chase Manhattan und Lazard Freres in New York
1979 rettet er durch Übernahme die Rand Merchant Bank in Johannesburg vor dem Bankrott.
1985 Einstieg bei der Rembrandt Gruppe des Vaters
1988 Bündelung der Auslandsinteressen von Rembrandt und Rothmans International in der im schweizerischen Zug ansässigen Luxusgüter- und Tabakgruppe Richemont und Börsennotierung in der Schweiz
1999 gibt er stückweise das Tabakgeschäft auf.
Fusion von Rothmans International mit dem Tabakriesen British American Tobacco (BAT) ? Beginn des Rückzug der Ruperts aus dem Tabakgeschäft und gleichzeitig stärkerer Fokus auf Luxusgüter
2002 Aufspaltung von Rembrandt in einen Arm mit "klassischen" Beteiligungen wie Tabak, Spirituosen und Bergbau sowie einen weiteren Arm unter dem Namen Venfin mit Schwerpunkt in den New-Economy-Sparten Telecom, Medien und Technologie
2005 Verkauf der gesamten Venfin ? Beteiligungen an den briitschen Mobilfunkanbieter Vodafone Credo: "Es ist unmöglich, mit Leuten im Wettbewerb zu bestehen, die eine konfuzianische Weltanschauung haben, wenn man nur kurzfristig auf Gewinn pro Aktie und den jeweiligen Kurs des Unternehmens schielt."
Hobbys: Golf, Cricket, Rugby
Dieser Artikel ist erschienen am 20.01.2006