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?Universitäten und Firmen als Partner?

Arend Oetker, 65 ist profilierter Indistruieller mit zahlreichen ehrenamtlichen Engagements. Im Interview erklärt er, warum sich Universitäten stärker für die Weiterbildung engagieren sollten.
Handelsblatt:Herr Oetker, die deutschen Universitäten verstehen sich traditionell als Orte der Wissenschaft. Nun fordern Sie, dass sich die Unis mehr in der Weiterbildung (auch für Manager) engagieren. Warum?Arend Oetker: Dafür gibt es mindestens drei gute Gründe: Weil die Hochschulen damit ihre Pflicht erfüllen ? die wissenschaftliche Weiterbildung gehört hochschulgesetzlich außer Forschung und Lehre zu ihren Kernaufgaben; weil sie ihre besondere Kompetenz der Gesellschaft wesentlich breiter verfügbar machen und schließlich weil sie damit ihre Budgets aufbessern können. Weiterbildung ist ein boomender Markt, Bedarf und Nachfrage steigen kontinuierlich.

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Können die Universitäten das überhaupt? Fehlt ihnen nicht grundsätzlich die (pädagogische) Kompetenz?Und kommt dann mehr heraus als eine Vortragsveranstaltung, die verdächtig einer Vorlesung ähnelt? Tatsächlich fehlen noch Professionalität und maßgeschneiderte Programme; insgesamt mangelt es an Nachfrage-, Bedarfs- und Marktorientierung. Einige Beispiele aber zeigen, dass die Hochschulen durchaus in der Lage sind, entsprechende Angebote zu entwickeln.Grundsätzlich: Sollten die Unternehmen in Deutschland nicht die Ausbildung selbst in die Hand nehmen (Stichwort: corporate university)? Dann können sie das doch viel bedarfsorientierter machen.Es ist den Unternehmen unbenommen, hier selbst tätig zu werden. Sie holen sich dann aber doch häufig geeignete Dozenten von den Hochschulen. Die Hochschulen sollten aktiv in den Wettbewerb auf dem Weiterbildungsmarkt einsteigen. Gerade Mittelständler werden hier gerne einschlägige Angebote annehmen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die in der Weiterbildung schon jetzt erfolgreichen Hochschulen die Fachhochschulen sind.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Für eine wirklich bedarfsgerechte Weiterbildung müssten die Hochschulen enger mit den Unternehmen zusammenarbeiten.Für eine wirklich bedarfsgerechte Weiterbildung müssten die Hochschulen enger mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Dagegen steht oft die Freiheit von Forschung und Lehre.Ich sehe hier überhaupt keinen Zusammenhang oder Widerspruch, ganz im Gegenteil: Public Private Partnerships werden Hochschulen und Unternehmen voranbringen und sollten zum festen Bestandteil der Hochschulen gehören. Die Weiterbildung ist ein besonders geeignetes Feld, um solche Partnerschaften aufzunehmen und zu vertiefen.Die Fragen stellte Christoph Mohr.
Persönliches Engagement Arend Oetker, 65, engagiert sich als Präsident des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Hochschule. Der Industrielle ist auch Vizepräsident im Bundesverband für Deutschen Industrie (BDI), Präsidiumsmitglied in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Präsidiumsmitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft.Stifterverband Zur Förderung der Weiterbildungsangebote von deutschen Hochschulen schrieb der Stifterverband stifterverbandim vergangenen Jahr einen Wettbewerb ?Hochschulen im Weiterbildungsmarkt? aus.37 Universitäten und Fachhochschulen reichten ihre Konzepte für den Wettbewerb ein, der mit Preisgeldern von 100 000 Euro, 50 000 Euro und 25 000 Euro sowie einer ?Strategieberatung? durch McKinsey lockte. Sieger wurde die Fachhochschule Konstanz, die für das Weiterbildungsangebot des International Packing Institute sowie einen berufsbegleitenden Master of Engineering in Packing Technology ausgezeichnet wurde. Der zweite Preis ging an das Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg, das als mittelständisches Dienstleistungsunternehmen (1,7 Mill. Euro Umsatz 2003) arbeitet. Mit dem dritten Preis wurde die Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg und ihr ?Ohm?Netzwerk für lebenslanges Lernen? ausgezeichnet.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2005