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?Superman? mit siebtem Sinn

Von Andreas Hoffbauer
An ihm kommt in Hongkong keiner vorbei. Wer sich im Supermarkt (ParkŽn Shop) eine Zeitung holt, in der Drogeriekette (Watson?s) sein Rasierwasser kauft und nebenan im Elektronikgeschäft (Fortress) ein neues Handy ersteht ? immer landet der Umsatz in der Tasche von Li Ka-Shing, dem reichsten Mann Asiens und ungekrönten König von Hongkong.
Der 79-jährige Li Ka-Shing denkt noch lange nicht an Ruhestand. Foto: PR
PEKING. Von jedem Dollar, der in Hongkong ausgegeben wird, so heißt es, gehen fünf Prozent an den Multimilliardär. Und noch einen Spruch hört man oft in der Hafenstadt: ?Hongkong ist das private Königreich von Li Ka-Shing.?Der Dollar-König herrscht im Herzen der asiatischen Metropole im 62. Stock seines gläsernen Hochhauses über ein weit verzweigtes Reich von Hotels, Containerhafen, Bürohäusern, Energieversorgern, Telekom- und Internetfirmen. Sein Vermögen wird auf rund 23 Mrd. US-Dollar taxiert. Seine Konglomerate Cheung Kong und Hutchison Whampoa besitzen Firmen und Beteiligungen in 56 Ländern.

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Die Menschen in Hongkong nennen den Finanzjongleur, der am Sonntag 79 Jahre alt wird, immer noch ?Superman?. Dabei trägt der Chinese meist eine altmodische Hornbrille und einfache Anzüge, hat äußerlich nichts mit coolen Hollywood-Darstellern gemein. Li Ka-Shing wirkt eher wie ein pingeliger Buchhalter.Dazu passt, dass der Mann, der sich die teuerste Rolex leisten kann, als extrem sparsam gilt. Seine Armbanduhr koste weniger als 50 Dollar, kokettiert der Multimilliardär gern mit seiner Knauserigkeit. Und damit hat ?Superman? Li nicht auf der Leinwand, sondern im wahren Leben seine filmreife Tellerwäscher-Karriere gestartet.Als der Zwölfjährige 1940 mit seinen Eltern vor den japanischen Besetzern aus der südchinesischen Heimat nach Hongkong flüchtete, besaß die Familie nichts. Sein Vater, ein Lehrer, kränkelte und starb wenige Jahre später. Li Ka-Shing brach die Schule ab, schuftete sieben Tag die Woche in einer Fabrik für Plastikprodukte, lernte noch spät abends daheim und sparte vor allem eisern.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der clevere Chinese habe eine ganz besondere Fähigkeit.1950, nicht einmal 22 Jahre alt, gründete er sein erstes Unternehmen ? die Plastikfabrik Cheung Kong, ?langer Fluss?. Er habe den poetischen Namen nach einem chinesischen Sprichwort gewählt, hat Li später erklärt. Wer erfolgreich sein wolle, müsse andere Menschen und andere Meinungen akzeptieren, laute die Weisheit. ?Warum ist der Jangtse ein so starker Strom??, so Milliardär Li. ?Weil er kleine Flüsse aufnimmt und dadurch erst groß wird.?Cheung Kong wuchs schnell, das Unternehmen lieferte bald große Mengen Plastikblumen in die USA. Als die Produktion expandieren musste, schaute sich Li Ka-Shing nach einem Standort um und entdeckte so den Immobilienmarkt. Während im nahen China die Kulturrevolution tobte, kaufte er stückweise Hongkong auf und wurde zum Immobilien-Tycoon.Ende der sechziger Jahre weitete er seine Immobilienaktivitäten nach Kanada, später nach Amerika und Europa aus. Der internationale Durchbruch gelang jedoch 1979 mit der Übernahme von Hutchison Whampoa, einem alten Handelshaus und eines der mächtigen Konglomerate Hongkongs. Allerdings zeigt sich gerade außerhalb Asiens, dass nicht alles sofort zu Gold wird, was Li Ka-Shing anfasst. Im Telekombereich hat Hutchison etwa beim Aufbau der neuen Handynetze schon Millionen verloren.Doch der clevere Chinese habe eine ganz besondere Fähigkeit, sagen Banker in Hongkong, ?nämlich den siebten Sinn, wann man verkaufen muss?. Ein Beispiel war 1999 der Verkauf seines britischen Mobilfunkers Orange an den deutschen Mannesmann-Konzern. Kurz vor dem Ende der Internet-Euphorie strich Li Ka-Shing rund 15 Mrd. US-Dollar ein. Dabei wurde er zugleich größter Einzelaktionär von Mannesmann ? und damit zur entscheidenden Figur in der bald ausbrechenden Schlacht um den Düsseldorfer Konzern. Am Ende war der Hongkonger auch hier der lachende Dritte. Die Mannesmann-Übernahme durch Vodafone brachte ihm einen milliardenschweren Anteil am größten Mobilfunkkonzern der Welt.Li Ka-Shing wird zu den fünf einflussreichsten Milliardären der Welt gezählt, ist bereits zum ?mächtigsten Mann Asiens? gekürt worden. Wenn der Anlage-Guru in eine Firma investiert, gilt dies als eine Art Gütesiegel. Und wenn er warnt, wie zuletzt vor Chinas überhitzten Börsen, steigen Kleinanleger umgehend aus.Lesen Sie weiter auf Seite 3: ?Sein größtes Kapital ist seine Ehrenhaftigkeit.?Das Vertrauen beruht jedoch nicht nur auf seinem Goldfinger. Li Ka-Shing hat sich neben Ruhm und Reichtum immer großen Respekt verschafft, weil er stets Wort gehalten habe, heißt es. ?Sein größtes Kapital ist seine Ehrenhaftigkeit?, schrieb mal eine Zeitung über ihn. Früher, als der Milliardär noch durch die Gassen der britischen Kolonie ging, sollen sich nicht selten Menschen tief vor ihm verbeugt haben. Denn Li Ka-Shing ist der große Gönner Asiens. Der Milliardär spendet regelmäßig einen Teil seines Vermögens für gute Zwecke. In der Nähe seiner Geburtsstadt Chazhou ließ er bereits 1981 eine Universität bauen ? Ausdruck seiner Liebe zu China.Die bringt ihm jedoch auch immer wieder in die Kritik. Li Ka-Shing, einer der größten Investoren in China, pflegt die Nähe zu den kommunistischen Machthabern in Peking. Denen hielt er auch nach dem Massaker von 1989 die Treue. Li ist Patriot und Pragmatiker zugleich. Ihm hat die China-Connection viele lukrative Geschäfte verschafft, etwa den Bau des neuen Edel-Kaufhauses Oriental Plaza in Peking. Auch bei der Rückgabe Hongkongs an China spielte der Tycoon hinter den Kulissen eine gewichtige Rolle.Seit der Entführung seines Sohns Victor im Jahr 1996 und dem Tod seiner Frau lebt der Milliardär jedoch eher zurückgezogen. So wird der ?König von Hongkong? seinen Geburtstag denn auch eher umgeben von Ming-Vasen und Kalligrafien als mit seinen zwei Söhnen Victor (42) und Richard (40) feiern.Eines hat der Patriarch bereits klargestellt, dass sich für ihn auch mit 79 Jahren eine Frage nicht stellt: die der Nachfolge. Li Ka-Shing, der neben seinem Büro hoch über Hongkong ein Schwimmbad hat und jeden Morgen Golf spielt, erklärte, er denke noch lange nicht an Ruhestand: ?Ich bin in bester Verfassung.? Schließlich wolle er noch kräftig in die Zukunft investieren ? vor allem in Pharmafirmen.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Das Milliarden-Imperium. Das Milliarden-ImperiumCheung Kong: Umsatz: 15,3 Mrd. Hongkong-Dollar
Der Mutterkonzern besteht aus zehn Firmen, die an der Hongkonger Börse gelistet sind. Li Ka-Shing hält 39,63 Prozent. Zu den Eigentümern gehört auch die Deutsche Bank (5,25 Prozent). Die Gruppe hat eine Marktkapitalisierung von über 800 Mrd. HK-Dollar (80 Mrd. Euro). Der Gewinn stieg 2006 um 29 Prozent auf 18 Mrd. HK-Dollar. Über die Holding kontrolliert Li den Umsatzriesen Hutchison Whampoa, das Medienhaus Tom Group und die Pharmafirma CK Life Sciences.
HWL: Umsatz: 267 Mrd. HK-Dollar
Hutchison Whampoa Limited (HWL) gehört zu den größten an der Börse Hongkong notierten Firmen. Zu dem Handelskonzern gehören Tausende von Läden ? Supermärkte, Drogerien, Elektrofachgeschäfte und andere. Hutchison besitzt Hotels, Häfen (Rotterdam, Felixstow) und große Energieversorger in Hongkong und Kanada.
Tom Group: Umsatz. 2,9 Mrd HK-Dollar
Tom Group wurde 1999 als Medienkonzern gegründet und konzentriert sich auf den chinesischen Markt. Ende 2006 nutzten 75 Millionen Nutzer den Internetservice. Tom Group hat Partnerschaften mit Ebay und Skype.
CK Life Sciences: Umsatz: 2,2 Mrd HK-Dollar
Die Pharma- und Umweltfirma ist im Bereich Biotechnologie tätig und vermarktet unter dem Slogan ?Better health, better live? eine breite Produktpallette von Kraftpillen bis zu Aufbaudrinks.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.07.2007