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?Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest?

Von Helge Hesse
Mit dem Konzept von Kodak vereinfachte George Eastman die Fotografie und erschloss ihr den Massenmarkt: Seine Rollfilm-Kamera ?Brownie? kostete nur einen Dollar und war somit das erste Modell, das sich jeder leisten konnte.
DÜSSELDORF. Am Anfang und am Ende: ein Schuss. Den Beginn von George Eastmans Erfolg markierten millionenfache Schnappschüsse aus Fotokameras. Jahrzehnte später besiegelte der Schuss aus einem Revolver das erfolgreiche Leben des genialen Erfinders und Geschäftsmanns.Doch an das tragische Ende war 1900 noch nicht zu denken. In diesem Jahr brachte Eastman eine Kamera auf den Markt, die durch ihren Namen Brownie schon das mit ihr verbundene Versprechen ausdrückte. Denn Brownies sind in der englischsprachigen Welt das, was Heinzelmännchen im deutschen Sprachraum sind: kleine fleißige Wesen, die ohne viel Aufhebens über Nacht lästige Arbeit erledigen. Die Brownie und das um sie herum gestaltete Konzept, so der Plan, sollte das Fotografieren revolutionär vereinfachen. Es gelang.

Die besten Jobs von allen

Schon 1888 hatte Eastman eine Kamera vorgestellt, die mit Rollfilm arbeitete. Hatte man zuvor, nachdem man ein Foto gemacht hatte, umständlich die Fotoplatte wechseln müssen, drehte man nun den Film in der Kamera einfach weiter. Auch hier lieferte Eastman die Kamera schon gleich mit. Sie trug den Markennamen, unter dem fortan alle weiteren Produkte Eastmans laufen sollten: Kodak. Das Wort war seine Idee gewesen. Es war lautmalerisch und vereinte das Klicken der Kamera mit dem Gefühl, man habe es mit etwas Einfachem und Praktikablem zu tun. Der Verkaufsslogan für die Kodak Nr. 1 ?Press the button, we do the rest? (Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest) wurde zu einem geflügelten Wort und beschrieb die geniale Idee, die hinter der Kamera steckte: Man schoss die Bilder und gab die Kamera ab. Kodak oder der Händler wechselte den Film und entwickelte die Fotos.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Brownie kostete nur einen Dollar und war damit für jeden erschwinglich.Die Marktrevolution steckte also im Grunde schon in dieser ersten Kamera, aber ausgelöst wurde sie erst von ihrem Nachfolger, der Brownie. Ihr entscheidender Vorteil im Vergleich zu ihrem Vorgänger: der Preis. Die Kodak Nr. 1 hatte die damals vergleichsweise hohe Summe von 25 Dollar gekostet. Das war der Monatslohn eines Arbeiters. Die Brownie kostete nur einen Dollar, im Grunde konnte sie sich jeder leisten. Zudem war die Kamera extrem einfach zu bedienen. Wie die Werbung verhieß, konnte jedes Schulkind damit umgehen. Mit Fotoklubs und Fotowettbewerben gewann Eastman neue Käufer.Eastman war keinesfalls der Erfinder des Rollfilms, auch nicht der entscheidende Mann bei der Entwicklung von Handkameras, aber er war derjenige, der es schaffte, die Fotografie dem Massenmarkt zu erschließen. Er, der zu den Ersten gehörte, die in ihrem Unternehmen aus freien Stücken Renten, Lebensversicherungen und eine Beteiligung am Gewinn einführten, erkrankte 1932 an einer unheilbaren Verhärtung des Rückenmarkgewebes und nahm sich mit einem Revolverschuss ins Herz das Leben. Auf dem Zettel, den er hinterließ stand: ?My work is done, why wait??
Dieser Artikel ist erschienen am 17.08.2006