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?Meine Kinder denken, ich kenne alle Models dieser Welt.?

Interview: Sven Scheffler, Martin Tofern. Foto: Otto-Pressebild
Alexander Birken, 43, arbeitet seit 1991 bei Otto. 2005 wurde er Mitglied des Vorstands der Otto Group und verantwortet aktuell die Bereiche Personal und Steuerung. Im Interview spricht er über Sackgassenjobs, Führungsarbeit und Raphael van der Vaart.
Herr Birken, auf Ihrem Türschild steht, dass Sie für Personal und Steuerung zuständig sind. Was steuern Sie denn?Hinter Steuerung verbirgt sich letztendlich, dass ich für die gesamten kaufmännischen Funktionen des Kerngeschäfts der Einzelgesellschaft Otto verantwortlich bin. Im Prinzip also alle kaufmännischen Belange, die das Otto-Kerngeschäft betreffen.

Die besten Jobs von allen

Das ist ja eine große Verantwortung!Ja, und das macht mir große Freude. Dies ist keine Aufgabe, zu der ich mich zwingen müsste. Ich komme ausgesprochen gern zur Arbeit und fahre abends genauso gern wieder nach Hause zur Familie. Meine Arbeit empfinde ich als positive Aufladung. Insofern ist das Thema Verantwortung für mich nichts Problematisches, sondern etwas, woraus ich Kraft schöpfe.Wenn Ihre Kinder fragen, was Sie machen, wie beschreiben Sie das denn?Schwieriges Thema! Ich glaube, fast jeder Managerjob ist sehr abstrakt. Was ich maßgeblich tue, ist Menschen führen. Es ist wirklich nicht so einfach, dies Kindern zu erklären. Meiner 15-jährigen Tochter kann ich das schon relativ gut erläutern, wenn ich aber mit meinem siebenjährigen Sohn rede, fällt es mir schon weniger leicht. Für Kinder ist es ja ganz wichtig, in der Schule beschreiben zu können, was Vater oder Mutter beruflich machen. Der Sohn des Lokomotivführers hat es da einfacher! Ich werde von meinen Kindern immer gefragt: Papa, ihr habt doch jetzt das neue Model. Warst du denn dabei, als sie die Frau fotografiert haben? Da muss ich als Kaufmann natürlich passen. Aber es ist schon sehr interessant: Meine Kinder denken, ich kenne alle Models dieser Welt.Und die sollen Sie dann einladen zum Kindergeburtstag?Da müsste ich bei unserem Titel-Model Sylvie van der Vaart auch gleich noch den Ehemann mit einladen (lacht). Wenn Raphael van der Vaart beim Geburtstag meines Sohnes auftauchen würde, wäre das das Größte!Wenn Sie ein 30-Jähriger fragt, was er machen soll, damit er auch so erfolgreich sein kann wie Sie, was würden Sie ihm mit auf den Weg geben? Ich habe meinen Mitarbeitern meistens nur zwei Tipps gegeben: Nehmt niemals eine Aufgabe an, bei der ihr das Gefühl habt, sie ist nur ein "Sackgassenjob" ohne Möglichkeit der Weiterentwicklung. Ich selbst hatte den Vorteil, immer eine gewisse Plattform zu bekommen. Es gab für mich die Möglichkeiten, das Erreichte darzustellen und insbesondere bei wichtigen Entscheidungsträgern im Unternehmen sichtbar zu sein. Dazu braucht man auch ein Quäntchen Glück. Wer das abstreitet, der ist nicht ganz ehrlich mit sich selbst.Warum sind Sie schon so lange bei Otto? Es macht mir einfach Spaß, hier zu arbeiten! Zum Beispiel habe ich kurz nach meinem Einstieg bei Otto gefragt, ob ich eine bestimmte Aufgabe übernehmen könnte. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Aufgabe tatsächlich bekommen würde, aber ich wollte ein Zeichen setzen, dass ich an Führungsaufgaben Interesse habe. Und ich war angenehm überrascht, als ich dann nach einem Monat hörte, ich würde den Job tatsächlich bekommen. Das ist Otto-Mentalität: eine gewisse Dynamik und ein gewisser Mut, den Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen.Was hat den Leuten von Otto an Ihnen so gefallen?Ich glaube, ich habe mit meiner Persönlichkeitsstruktur hier einfach gut reingepasst. Wenn wir nach Menschen schauen, die wir einstellen, geht es uns nicht nur um Skill Sets, Fähigkeiten und Erfahrungen, sondern auch um die Art der Persönlichkeit. Deshalb finden wir es auch so gut, wenn sich Mitarbeiter und Führungskräfte auch außerhalb ihres Jobs ehrenamtlich sozial engagieren.Wo engagieren Sie sich?Ich bin in einer Kirche mit verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten engagiert. Darüber hinaus bin ich Gründungs- und Kuratoriumsmitglied des Atlantic Forums hier in Hamburg. Da haben wir kürzlich zum Beispiel eine wunderbare Kooperation mit dem Schauspielhaus aufgesetzt, in der Kinder aus allen Schulen in Hamburg gecastet wurden und über mehrere Monate das Stück ?Herr der Fliegen' eingeübt haben, um es dann im Schauspielhaus aufzuführen. Diese Tätigkeit ist mir sehr wichtig, weil wir da wirklich Werte vermitteln und für Kinder erlebbar machen können.Sie hatten das Thema Werte angesprochen. Welche Werte sind Ihnen wichtig? Den Mitarbeiter wertzuschätzen als Mensch, als Individuum, scheint mir an der gesamten Führungsarbeit der bedeutendste Aspekt zu sein. Alexander Birken, 43, arbeitet seit 1991 bei Otto. 2005 wurde er Mitglied des Vorstands der Otto Group und verantwortet aktuell die Bereiche Personal und Steuerung. Er studierte Betriebswirtschaft in Hamburg und begann seine Karriere bei der Philips Medical Group. Von 2003 bis 2005 war er Chief Operating Officer der zu Otto gehörenden Spiegel Group in Chicago, bevor er in den Vorstand aufrückte. Neben dem Personalbereich ist er verantwortlich für alle kaufmännischen Funktionen des Otto-Kerngeschäfts. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.12.2007