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?Mein Tag ist sehr voll geworden?

Robert Engle erhielt den Wirtschafts-Nobelpreis 2003 für seine Forschungen über die Volatilität auf den Finanzmärkten. Seitdem hat sich sein Leben deutlich verändert. Robert Engle im Handelsblatt-Interview.
Handelsblatt: Mister Engle, wie haben Sie im vergangenen Jahr von Ihrem Nobelpreis erfahren?Engle: Ich war mit meiner Frau in Frankreich. Als der Anruf aus Stockholm kam, war ich gerade zum Mittagessen. Kreidebleich erzählte mir meine Frau, jemand aus Stockholm habe angerufen ? sie dachte, es sei etwas Schreckliches passiert. Da klingelte es wieder, und ich erhielt die Nachricht.

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Was geschah danach?Ich bekam viele Anrufe von Freunden. Mit Hilfe der New York University konnte ich sogar von Frankreich aus eine Pressekonferenz in New York halten.Was hat sich bei Ihnen privat verändert?Mein Tag ist sehr voll geworden.Wie hat der Preis Ihr Leben als Wissenschaftler verändert?Ich habe eine enorme Zahl von Einladungen bekommen. Außerdem konnte ich viele interessante Menschen treffen, die ich sonst nie getroffen hätte.Sie haben den Preis für ihre Arbeiten zur Volatilität auf den Finanzmärkten bekommen. Hat es auf diesem Gebiet seitdem Fortschritte gegeben?Mein Artikel wurde bereits 1982 veröffentlicht. Seitdem haben viele Leute sich mit Volatilitätsmodellen beschäftigt. Das Tempo der Forschung hat dramatisch zugenommen. Ein Grund dafür ist, dass Volatilität vermutlich das wichtigste Problem auf den Finanzmärkten ist.Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum so viele Wirtschaftsnobelpreisträger aus den USA kommenWarum kommen so viele Wirtschaftsnobelpreisträger aus den USA?Nicht alle sind in den USA geboren, aber viele arbeiten und forschen hier. Die Ökonomie ist in ihrem Stil eine sehr englische Wissenschaft geworden. In den USA werden die Ökonomen gut unterstützt, und man trifft viele interessante Kollegen. Es gibt also kein Geburtsrecht auf den Nobelpreis, die Arbeitsbedingungen sind hier einfach besser als anderswo.Es scheint den Trend zu geben, den Nobelpreis stärker für spezifische wissenschaftliche Beiträge zu vergeben. Die Auszeichnung für ein Lebenswerk ist selten geworden. Woran liegt das?Die Ökonomie ist professioneller geworden, und das Nobelpreiskomitee hat das anerkannt. Die Jury schaut mehr auf Innovationen, die den Lauf der Geschichte verändert haben. Häufig sind es eben Fortschritte in der Methodologie, die die größten Auswirkungen haben.Die Fragen stellte Torsten Riecke.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.10.2004