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?Ihr werdet mich raustragen müssen?

Von Susanne Wesch
Medienunternehmer Rupert Murdoch feiert heute seinen 75.Geburtstag. Der Australier hat innerhalb von fünf Jahren aus dem kleinen australischen Zeitungsverlag seines Vaters eine große Mediengruppe aufgebaut, die sich messen kann mit Branchengrößen wie Time Warner und Disney. Doch ans Aufhören denkt Rupert Murdoch noch lange nicht. Und die Nachfolgefrage ist noch offen. Die Zügel in seinem Medienimperium hält er fest in der Hand.
NEW YORK. Der Patriarch feiert Geburtstag: 75 Jahre wird Rupert Murdoch morgen alt. Die Zügel in seinem Medienimperium hält er fest in der Hand.Innerhalb von fünf Jahrzehnten hat Murdoch den kleinen australischen Zeitungsverlag seines Vaters zu einer großen Mediengruppe ausgebaut, die sich messen kann mit Branchengrößen wie Time Warner und Disney. Vom heimatlichen Kontinent Australien zog es ihn zunächst nach Großbritannien, dann in die USA. 1985 nimmt er sogar die US-Staatsbürgerschaft an, um im wichtigsten Medienmarkt der Welt leichter mitmischen zu können.

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Selbst 7,6 Milliarden Dollar Schulden, die Anfang der 90er-Jahre in seiner Bilanz stehen, können ihn nicht in die Knie zwingen. Heute gehören ihm Boulevardblätter wie die ?New York Post? und Zeitschriften wie die britische ?Times? ebenso wie das berühmte Hollywood-Studio 20th Century Fox, die Abofernseh-Kanäle von BSkyB in Großbritannien und die Satellitensender Sky Italia und DirecTV. Seine Sendergruppe Fox ist eine feste Größe im einst abgeschotteten US-Fernsehmarkt. Im vergangenen Jahr hat er den Firmensitz in die USA verlegt, an die New Yorker Avenue of the Americas.Murdoch regiert sein Reich mit eiserner Hand. Forderungen von Investoren oder Analysten, das Zei-tungsgeschäft oder die Fernsehstationen zu verkaufen, weist er brüsk zurück ? er ist jemand, der aufbaut. Verkaufen war nie seine Stärke. Aus dem Internetgeschäft steigt er erst aus, als die Onlinetochter News Digital Media 2001 nicht mehr zu retten ist. Murdoch, dessen Familie knapp 30 Prozent der Anteile am Gesamtkonzern kontrolliert, schmettert Aktionärskritik ab. ?Ich bin der größte Aktionär von News Corp., wenn ich warte, sollten das die anderen auch tun.?Lesen Sie weiter auf Seite 2:Der Einstieg in Deutschland ist dem Selfmademan bisher nicht gelungen. Der Einstieg in Deutschland ist dem Selfmademan bisher nicht gelungen. Beim Axel Springer Verlag blitzte er ab, die Kooperation mit Leo Kirch ging schief, und auch Premiere bekam er nicht. Dafür hat er Erfolg in Großbritannien und in den USA mit Fernsehen und Zeitungen ? und selbst in den abgeschotteten Medienmarkt China konnte er einsteigen, unterstützt durch seine dritte Frau, die Chinesin Wendi Deng.Nach wie vor steht Murdoch zu seiner Herkunft: Ein Fünftel des Umsatzes bringen die Zeitungen. Ein Verkauf kommt für ihn nicht in Frage: ?Das mag eine emotionale Entscheidung sein?, sagt er selbst. ?Aber wir sind ein Kommunikationsunternehmen, kein bloßer Inhaltelieferant, und wir wollen die Welt verbessern.? An Sendungsbewusstsein mangelt es Murdoch nicht. Und die Zeitungen bringen politische Kontakte, die er nutzt. Wer aber seine Kampagnen für konservative Politiker wie Margaret Thatcher gesehen hat, kann kaum glauben, dass er einst als Student in Oxford als linksradikal galt. Heute nutzt er sein Imperium, um seinen Einfluss auszubauen. Viacom-Chef Sumner Redstone sagte einst: ?Rupert möchte die Welt regieren ? und er scheint es auch zu tun.?Zur Ruhe setzen kann er sich auch mit 75 noch nicht. Denn die Nachfolgefrage ist offen. Im vergangenen Sommer hat sein ältester Sohn Lachlan News Corp. verlassen ? ein Etappensieg für Murdochs 36-jährige Frau, Wendi Deng, die um die Macht im Hause kämpft. Und er selbst will nicht aufhören: ?Ihr werdet mich hier heraustragen müssen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 11.03.2006