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?Ich wollte einfach viel Geld verdienen?

Von Nicole Bastian, Handelsblatt
Park Byeong-Yeop ist Koreas Vorbild-Unternehmer. Jetzt will er mit dem Handyhersteller Pantech Europa erobern.
SEOUL. Perfekter kann der Traum vom Selfmademan kaum sein: Mit dem Geld seiner Schwiegereltern und einem Kleinkredit gründet ein Endzwanziger eine Firma für Mobilfunkempfänger (Pager). Er setzt sich gegen die Großen der Branche durch, stößt ins Handygeschäft vor, kauft einen Konkurrenten und katapultiert sein Unternehmen in gut einem Jahrzehnt in die Top-Liga der zehn weltgrößten Handyproduzenten.Es ist die Erfolgsgeschichte von Park Byeong-Yeop, dem Gründer und Chairman von Pantech. Sie klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Erst recht, weil sie in Südkorea spielt, einem Land, das für die Macht seiner riesigen Familienunternehmen, der Chaebol, bekannt ist, die jungen Anbietern den Markteintritt erschweren.

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?Ich wollte einfach viel Geld verdienen?, erklärt Park in seinem hel-len Büro in der Hauptstadt Seoul das Geheimnis seines Erfolgs. ?Eigentlich habe ich nur darauf bestanden zu überleben, weil ich das Geld brauchte.? Ein bisschen muss der 41-Jährige mit dem jungenhaften Gesicht selbst darüber lachen.Seine Pantech-Gruppe beschäftigt heute fast dreieinhalbtausend Menschen. Im vergangenen Jahr kamen die beiden Produzenten Pantech Co. und Pantech & Curitel zusammen auf einen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Euro. Pantech Co. konzentriert sich auf Geräte für den europäischen Markt und Curitel für andere Märkte wie die USA und Korea. Und sie wachsen rasant weiter.Trotzdem sind Park und seine Firmen-Gruppe im Westen noch kaum bekannt. Bisher haben sie ihre Handys vor allem für andere gefertigt, für den US-Konzern Motorola oder lokale Firmen in China. Doch das ändert sich gerade. In diesem Jahr will der Newcomer nicht nur 20 Millionen statt bisher zwölf Millionen Handys herstellen. Bereits die Hälfte sollen die Logos von Pantech und Curitel tragen. ?In drei Jahren wollen wir alles unter unserer eigenen Marke verkaufen.? So will er die Marge pro Gerät steigern und Pantech zu einer globalen Marke machen ? neben den Nokias und den Samsungs der Branche.Park weiß, wie schwer das wird. ?Wir sind die Underdogs in diesem Geschäft. Wir haben weder die Markenstärke noch die Einkaufskraft oder das Vertriebsnetz der großen Wettbewerber.? Mit hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung will er dies ändern.?Ich bin nicht 100 Prozent davon überzeugt, dass wir es schaffen, aber es ist der einzige Weg zu überleben.? Pantech müsse eine kritische Größe überspringen und höherwertige Handys fertigen, um langfristig profitabel zu sein.Immerhin ist die Gruppe schon in rund dreißig Ländern vertreten, jüngst in Russland gestartet. Nun ist Europa an der Reihe. Rund 2,5 Millionen Handys will Park in diesem Jahr bereits absetzen, Geräte für die neuen UMTS-Netze sollen im kommenden Jahr folgen. Die Europazentrale will er in Frankfurt eröffnen.?Ich liebe Frankfurt?, meint er. Auf der Autobahn am Rhein entlang fahren, dass entspanne ihn, gebe ihm Ruhe. Und während er dies sagt, klingelt in seinem Büro in Seoul wieder einmal eines seiner drei Handys. Park drückt die mittlerweile sechste Zigarette im Aschenbecher aus und entschuldigt sich mit ruhiger Stimme kurz. Es ist das Prioritätenhandy, von dem nur seine Sekretärin die Nummer hat.Park ist ein Arbeitstier mit Visionen. Ein Perfektionist, der zwar meint, er würde eigentlich lieber mit seiner Frau Golf spielen, aber akribisch wie aggressiv an der Zukunft seines Unternehmens feilt. ?Ich sehe noch eine Menge Fehler und Unzulänglichkeiten, die wir verbessern müssen?, meint er. Viele Unternehmen seien an ihrer Hochnäsigkeit zu Grunde gegangen. ?Uns gibt es gerade einmal 13 Jahre, wir sind immer noch ein Unternehmen, das jede Minute untergehen kann.?Der verheiratete Vater von zwei Söhnen, der gerne mal bei viel Alkohol in der Karaoke-Bar den Arbeitsstress vergisst, weiß mit seiner Art andere zu begeistern. Er schaffte es vor drei Jahren, den erfolgreichen Manager Lee Sung-Kyu von Samsung Electronics als Chef für Pantech Co. abzuwerben. Analysten halten jedoch sein Ziel, mit der eigenen Marke in die Top Six der Handybauer weltweit vorzustoßen, für sehr ambitioniert.Aber der studierte Betriebswirt, der gerade nebenbei für seinen Masterabschluss büffelt, würde sie nicht das erste Mal überraschen. Pantech, lange fast nur im Exportgeschäft tätig, setzte in den vergangenen zwei Jahren gegen den Rat der Experten mit Curitel auf Korea ? und kontrolliert heute fast ein Fünftel des Marktes. ?Immer noch liegt der Hauptteil unseres Geschäfts im Export?, meint Park. ?Aber ich wollte gegen Samsung und LG konkurrieren, um wettbewerbsfähiger zu werden.?Schon hat Park eine neue Vision: Er will ein Mechatronic-Unternehmen schaffen, das Hochtechnologie und Maschinenbau vereint. Deshalb bietet er derzeit für Daewoo Heavy Industries and Machinery. Analysten kritisieren, er verliere das Kerngeschäft aus den Augen. Park brauche Energie und Geld für seine Handys. Pantech Co. etwa schloss das vergangene Jahr mit Verlust ab, weil er viel investierte und die Lungenkrankheit SARS das Geschäft im wichtigen Markt China verhagelte.Aber Park lässt sich nicht beirren. ?Ich bin zu jung, um die ganze Zeit das zu tun, was ich zuvor getan habe.? Und zum Vorwurf, jetzt eifre Koreas junger Vorbildunternehmer den breit aufgestellten Familienkonzernen Chaebol nach, zuckt er nur die Schultern. Vorbild einer neuen Generation will er gar nicht sein. ?Warum soll ich nicht auch ein Chaebol werden können??
Dieser Artikel ist erschienen am 26.05.2004