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?Ich versichere Raketen und Flugzeuge.?

Interview: Guido Walter
Thomas Blunck, Vorstandsmitglied der Münchener Rück, über sein internationales Leben in Südamerika und Spanien, seinerstes Praktikum bei Hoechst und Lampenfieber.
Herr Blunck, stellen Sie sich vor, wir wären in der Sendung mit der Maus. Wie erklären Sie mit einfachen Worten, was Sie bei der Münchener Rück tun? Ich versichere Raketen und Flugzeuge. Das ist auch die Antwort, die ich meinem Sohn immer gebe.

Die besten Jobs von allen

Thomas Blunck wurde 1965 in Santiago de Chile geboren. Sein Vater, der eigentlich aus Hamburg stammt, war mit Anfang 20 nach Chile ausgewandert. Er hatte dort einen Job bei Hoechst gefunden, und Thomas Bluncks Mutter ist ihm auf dem Schiff in einer dreimonatigen Reise hinterhergereist. Heute leben die Eltern von Thomas Blunck in Spanien, wie bereits Anfang der 80er-Jahre. In Barcelona hat Thomas Blunck ein Studium der Betriebswirtschaft begonnen, und in Fribourg (Schweiz) fortgesetzt. Thomas Blunck lebt heute in München. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Hört sich spannend an. Dabei gelten Rückversicherer doch als langweilig ...Anfangs war ich auch skeptisch. Es gab Freunde, die den Wechsel nicht verstanden haben. Bevor ich zur Münchener Rück kam, war ich im Management von Bosch und Siemens Hausgeräte tätig. Da ging es um Geräte, also anfassbare Dinge. Bei der Münchener Rück geht es zwar um ein abstraktes, aber forderndes Produkt. Wir müssen unsere Kunden nicht nur beraten, sondern übernehmen auch ihr Risiko. Das kann sehr spannend sein.Dazu gehört auch Einfühlungsvermögen. Welche Werte sind Ihnen persönlich wichtig?Meine wichtigsten Werte kann ich mit zwei Begriffen zusammenfassen: Familie und Großfamilie. Mit Familie meine ich natürlich meine eigene. Meine Großfamilie, das ist die Münchener Rück. Das hängt damit zusammen, dass wir im Unternehmen sehr eng zusammenarbeiten und auch großen Wert auf diese Verbundenheit legen. Dazu gehört auch, bei widerstrebenden Interessen das Wohl der Gesamtfamilie nie aus den Augen zu verlieren.In jeder Familie gibt es auch mal Streit. Wie sieht das bei der Großfamilie Münchener Rück aus?Die Streitkultur ist bei uns leider nicht besonders ausgeprägt. Wir sollten uns in Sitzungen nicht nur mit Wattebäuschchen bewerfen. Ich sehe Fortschritte, aber in diesem Punkt müssen wir noch zulegen.Sie haben in Ihrer Karriere ordentlich zugelegt. Können Sie sich an Ihre erste Berührung mit dem echten Wirtschaftsleben erinnern? Ja, das war 1987 ein Praktikum bei Wacker Chemie, die damals zu 50 Prozent der Firma Hoechst AG gehörte. Mein Vater hat zu dieser Zeit bei Hoechst gearbeitet. Er hat mir das Praktikum besorgt, weil ich nach München wollte.Sie sind in Santiago de Chile geboren. Können Sie uns etwas darüber erzählen?Mein Vater, der eigentlich aus Hamburg stammt, ist mit Anfang 20 nach Chile ausgewandert. Er hat dort einen Job bei der Hoechst AG gefunden, und meine Mutter ist ihm auf einem Schiff in einer dreimonatigen Reise hinterhergereist. Vor Ort haben die beiden geheiratet, 1965 wurde ich dann geboren. Mein Vater hat sich bei Hoechst weiterentwickelt, und wir sind mit ihm von Land zu Land gereist. Von Chile aus ging es nach Spanien, wo wir in Madrid und Barcelona gelebt haben. Dann waren wir eine Zeit in Deutschland, dann in der Dominikanischen Republik und später noch in Venezuela. Eigentlich eine typische Expat-Laufbahn in einem Großunternehmen.Inwiefern hat Sie das internationale Leben geprägt?Wenn ich so zurückblicke, dann freut es mich. Weil sich in meinem Denken bestimmte Dinge verändern, zum Beispiel die Frage: Wie gehen wir mit Senioren um? In Lateinamerika wird das ganz anders gehandhabt, da gehören die Großeltern zur Familie und werden bis zum Tode im Hause gepflegt. Das sind Dinge, die man mitnimmt. Ich glaube auch, dass ich eine gewisse Feinfühligkeit mit verschiedenen Kulturen und Wertesystemen erlernt habe. Davon zehre ich heute bei der Münchener Rück, bei der wir ja Kunden aus aller Welt haben.Sie haben dann Ihre Jobs im Zwei- bis Fünf-Jahresrhythmus gewechselt. Stand ein konkreter Karriereplan dahinter?Einen Plan gab es nie. Meistens waren die Wechsel von Zufällen getrieben. Nur einmal habe ich bewusst eine Änderung hervorgerufen. Nach zwei Jahren bei der Unternehmensberatung Roland Berger wollte ich wechseln, weil mir das Leben aus dem Koffer zu wenig Zeit für das Privatleben ließ. So habe ich bewusst eine Möglichkeit gesucht, bin bei BSH (Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH) gelandet und war dort Leiter der Zentralen Unternehmensentwicklung und Strategischen Planung.Gab es einen Mentor, der Sie unterstützt hat?Ich hatte schon öfter Glück und auch gute Beziehungen zu meinen Vorgesetzten. Durch die enge Zusammenarbeit entwickelt sich automatisch eine Art Mentorenrolle. Es gab schon drei bis vier Vorgesetzte, die an mich geglaubt haben und deren Unterstützung ich sehr schätze.Wenn Sie sich an Ihre erste Vorstandssitzung erinnern: Hatten Sie Lampenfieber?Das würde ich nicht unbedingt sagen, aber ich war schon sehr zurückhaltend. Ich habe erst einmal nur beobachtet und zugehört. Und ich war sehr froh, dass ich bei meiner ersten Vorstandssitzung keinen eigenen Tagesordnungspunkt hatte.Haben Sie noch einen Traum, den Sie sich erfüllen wollen?Ich will meinen Hochsee-Segelschein machen. Zurzeit bin ich ja nur Windsurfer, aber das mit dem größeren Segelschiff kann ja noch kommen.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.11.2007