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?Ich sehe mich fast als Künstler?

Von Joachim Dorfs, Claus Larass
Wer links des Genfer Sees die Route de la Capité hinauffährt, der riecht den frisch gemähten Rasen eines Golfplatzes. Dahinter führt eine schmale Auffahrt zu einem schweren Stahltor. Dahinter pocht das Herz der Globalisierung, und es trägt einen deutschen Namen: Prof. Dr. Dr. Klaus Schwab.
HB GENF. Wer links des Genfer Sees die Route de la Capité hinauffährt, der riecht den frisch gemähten Rasen eines Golfplatzes. Dahinter führt eine schmale Auffahrt zu einem schweren Stahltor. Dahinter pocht das Herz der Globalisierung, und es trägt einen deutschen Namen: Prof. Dr. Dr. Klaus Schwab.Ihm gelingt es Jahr für Jahr, 2 000 Persönlichkeiten aus Weltwirtschaft, Weltpolitik und Weltgesellschaft für eine Woche in die Graubündener Berge zu locken, nach Davos zum ?World Economic Forum?.

Die besten Jobs von allen

Davos. Weltgeschichte wurde hier gemacht, Welttrends wurden hier entdeckt, hier prallte Europas Elite erstmals auf die Gurus des Internet-Zeitalters. Schwab, der Gründer des Forums, sagt: ?Wir wollen eine globale Gemeinschaft bilden, eine weltweite Vernetzung zwischen den Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien.?Das hat er geschafft. Die Erfindung der ?Weltmarke? Davos macht Schwab zu einem der erfolgreichsten, aber auch ungewöhnlichsten Unternehmer, die Deutschland hervorgebracht hat. Nicht in Umsatz und Gewinn berechnet sich sein Erfolg, sondern in Ideen und Einfluss, in Meinungsführerschaft und Kontakten. Schwabs Markt sind die Gehirne der Weltelite. Und da ist er so etwas wie der Weltmarktführer.Das hat ihm auf der einen Seite der Gesellschaft den Ruf des Vordenkers eingebracht. Von Globalisierungsgegnern hingegen wird er angefeindet. Für sie ist das World Economic Forum die Speerspitze des Kapitalismus. Schwab gefällt das dennoch ganz gut. ?Davos ist Konfrontation?, sagt er. ?Und das soll auch so sein.?In seinem Hauptquartier in Genf erscheint die Globalisierung so wie in Lehrbüchern: als erstrebenswerter Endzustand. Asiatische und europäische Baustile fließen harmonisch ineinander. Der Boden aus Schiefer, das Holz rötlich-braun, durch die riesigen Glasflächen schimmert das Licht des Genfer Sees.Die Eine Welt ist hier lebendig. Junge Inderinnen plaudern mit einem Dozenten aus England, ein Franzose raucht im japanisch anmutenden Garten eine Zigarette, an den Wänden hängen zeitgenössische Gemälde aus allen Kontinenten. ?Committed to improving the state of the world?, das Motto des Weltwirtschaftsforums, hier lebt es.Schwab kommt gerade aus Jordanien. Er ist ein quecksilbriger Mann, aber nicht quirlig, mit wachen Augen, die aber an diesem Tag durch eine Allergie gerötet sind. Gegen klimatische Umstellungen ist auch der globale Mensch nicht immer gefeit.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Im Nahen Osten hat Schwab Jordaniens König Abdullah getroffen.Im Nahen Osten hat Schwab Jordaniens König Abdullah getroffen und die amerikanische Ex-Präsidenten-Gattin Barbara Bush und jeweils die halbe Ministerriege aus Israel, Ägypten, Jordanien, dem Irak.Seine Veranstaltung sollte helfen, den Konflikt im Nahen Osten wieder auf einen friedlichen Weg zu leiten. ?Ohne Dialog geht das nicht. Unser Forum ist eine ideale Plattform dafür, weil wir als Stiftung keine eigenen wirtschaftlichen oder ideologischen Interessen haben. So entsteht Vertrauen?, sagt Schwab.Es gibt nur wenige Menschen auf der Erde, die jederzeit derart viele bedeutende Persönlichkeiten anrufen könnten ? und durchgestellt würden. Ob Bill Gates oder Helmut Kohl, Bill Clinton oder Nelson Mandela, Wladimir Putin, Jacques Chirac, Tony Blair, Wissenschaftler, Manager.Schwab hat sich das hart erarbeitet. Seine heutigen Kontakte reichen oft 30 Jahre zurück, in jene Zeit, als er 1971 als junger Wirtschaftsprofessor das European Management Symposium ins Leben gerufen hat. Hin und her gerissen zwischen Universität und Wirtschaft, las er das Buch des Franzosen Jean-Jacques Servan-Schreiber über die ?Amerikanische Herausforderung?. Der Bestseller trat unter Europas Intellektuellen erbitterte Diskussionen los ? nicht unähnlich der heutigen Debatte über das alte Europa und seine festgefahrenen Strukturen.Servan-Schreiber wollte die Europäer wach rütteln. Bei Schwab gelang es ihm: ?Als ich das Buch las, kam mir die Idee, eine Plattform zu schaffen, wo die besten amerikanischen Professoren mit europäischen Managern zusammentreffen?, sagt Schwab.Wer seine Herkunft kennt, für den ist es eine logische Fortschreibung. Klaus Schwab wird am 30. März 1938 im oberschwäbischen Ravensburg geboren. Der Vater leitet eine Turbinenfabrik, Ableger eines Schweizer Konzerns.Deshalb erlebt Schwab den Zweiten Weltkrieg anders als viele Zeitgenossen: ?Mein Vater musste viel in die Schweiz reisen, durfte jederzeit die Grenze passieren. Ich durfte oft mit. Auf der einen Seite war Krieg, und auf der anderen herrschte Frieden und etwas von der Gelassenheit des alten Europas. Das hat mich ungeheuer bewegt und wahrscheinlich sehr beeinflusst.?Lesen Sie weiter auf Seite 3:Vom Vater beeinflusst, studiert Klaus Schwab Maschinenbau in Zürich.Die Eltern schicken die Kinder früh hinaus ins Ausland. ?Als Jugendlicher verbrachte ich die Ferien oft in Skandinavien, Italien, Frankreich und natürlich in der Schweiz?, erzählt Schwab. ?Das war Anfang der 50er-Jahre noch nicht üblich. Ich arbeitete damals auch im deutsch-französischen Jugendwerk. Mein Vater war begeisterter Rotarier und wollte nicht, dass wir in einem engen, nationalen Korsett aufwachsen.?Vom Vater beeinflusst, studiert Klaus Schwab Maschinenbau in Zürich. Nebenbei macht er das Examen in Volkswirtschaft an der Uni Fribourg und baut während einer Assistentenzeit beim Maschinenbau-Verband VDMA in Frankfurt in beiden Fächern seinen Doktor.Er ist jetzt reif für eine Manager-Karriere. Aber es zieht ihn nach Amerika, nach Harvard. Nur wenige Deutsche studieren in jener Zeit dort. Er hört bei Professoren wie Henry Kissinger oder John Kenneth Galbraith ? die er später nach Davos holt. ?Harvard prägte mich stark, erweiterte meinen Horizont über das Technische hinaus. Die Universität hat mir den Blick für die Welt geöffnet.?Als Klaus Schwab 1967 zurück nach Deutschland kommt, ist er 29 Jahre alt und erfüllt alle Voraussetzungen, um Karriere in der Industrie zu machen. Er steigt bei der Escher Wyss AG ein und leitet den Integrationsprozess in den Sulzer-Konzern.Sulzer will ihn halten, doch fast zur gleichen Zeit trägt ihm die Hochschule in Genf einen Lehrauftrag für Strategie an. Schwab bleibt auf der Mittellinie, arbeitet halbtags im Unternehmen und die restliche Zeit an der Hochschule.Der Klaus Schwab jener Zeit ist jung, umtriebig ? und offensichtlich größenwahnsinnig. Mindestens 400 Teilnehmer braucht er, um die Kosten für das erste Treffen in Davos zu decken. Wochenlang verschicken er und seine erste Angestellte ? später wird sie seine Frau ? Einladungen an Freunde, Bekannte und Fremde.Gleichzeitig sucht er Sponsoren. Die Europäische Gemeinschaft hilft ? die Bedingung: Die Veranstaltung soll auf dem Gebiet der EG stattfinden. Schwab überzeugt den zuständigen EG-Kommissar Raymond Barre, dass der EG-Beitritt der Schweiz nur eine Frage der Zeit sei. Nun ja. Der spätere französische Premierminister wird dennoch Davos-Dauergast.Für seine Vision opfert Schwab sein Erspartes. Auch die Eltern steuern etwas bei, aber noch immer fehlen mindestens 40 000 D-Mark. Das Loch stopft ein Schwarzwälder Unternehmer, den er beim Golfspielen kennen lernt. Der Inhaber der Möbelfabrik Hukla mit 5 000 Angestellten ist von der Davos-Idee überzeugt. Als einzige Sicherheit verlangt er: Sollte das Projekt scheitern und Schwab das Geld nicht zurückzahlen können, hätte er in die Geschäftsleitung von Hukla eintreten müssen.Lesen Sie weiter auf Seite 4:Klaus Schwab wird kein Möbelfabrikant.Klaus Schwab wird kein Möbelfabrikant. Zum ersten Davoser Treffen sagen 444 Manager aus ganz Europa zu. In Rollkragenpullovern und Bergschuhen diskutiert die Managerelite jener Zeit in Clubatmosphäre über die neuen Herausforderungen. Die Sitzordnung beim Lunch wird durch Hollerith-Lochkarten festgelegt, die Manager mit gleichen Hobbys vereint. Was als einmaliges Ereignis geplant war ? ?Ich hatte absolut nicht die Idee, das zu meinem Lebenszweck zu machen?, sagt Schwab ?, ist so erfolgreich, dass der Gründer die 50 000 Franken Überschuss des ersten Treffens zum Stammkapital seiner Stiftung machte.Doch nach den beiden nächsten Veranstaltungen ist das Kapital aufgezehrt. Angesichts der großen Konkurrenz anderer Management-Symposien haben zu viele Manager Davos gleich wieder den Rücken gekehrt. ?Die Marktidee hat nicht mehr gezogen?, räumt Schwab ein.Die erste Krise des World Economic Forums ist seine schwerste. Der Stahlkonzern Mannesmann bietet Schwab den Posten eines stellvertretenden Vorstandsmitglieds an. Soll er seine Vision aufgeben?Schwab löst die Frage auf die für ihn typische unemotionale Weise: Mit seiner Frau stellte er eine Liste aller Faktoren auf, ?zu denen auch so einfache Dinge wie Skilaufen oder Bergwandern gehörten. Dann gaben wir getrennt Plus- und Minuspunkte. Das Ergebnis: 86 zu 85 für Genf.? Er entscheidet sich für das Gestalten und gegen das Managen. Schwab sagt: ?Ich habe mich immer als kreativen Menschen gesehen, in diesem Sinn fast als Künstler. Ich wollte etwas schaffen.?Kurz darauf gelingt ihm der Durchbruch. Die Stimmung in der Weltwirtschaft hat sich rapide verschlechtert: Die Aufhebung der Dollarbindung an Gold und die Ölkrise wirbeln die Weltmärkte durcheinander. Wohlstand und Wachstum drohen zu kippen. Gesucht werden neue Ideen und Strategien. Schwab bietet den Ort, um sie zu finden: Davos.Schwab passt sein Konzept an. Es reicht nicht mehr, Unternehmer, Manager und Professoren einzuladen. Um die Weltprobleme zu durchdringen, braucht er auch Politiker, später auch die Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen, Künstler, Gewerkschafter und Kirchenleute. Und sie kommen alle. ?Schwab hat etwas erfunden, was die Welt offensichtlich brauchte?, sagt Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.Über die Jahre wird das Forum in Davos zur Institution, zum Jour fixe der Einflussreichen. Freiheitskämpfer Nelson Mandela und Apartheid-Regierungschef Frederik de Klerk reden in Davos über die Zukunft Südafrikas. Schimon Peres und Jassir Arafat vereinbaren eine Teilautonomie Palästinas. Auch der Club of Rome mit seinem Bericht über die ?Grenzen des Wachstums? erhält in Davos eine Plattform ? genauso wie die Grüne Petra Kelly, die sich in Davos unflätiger Angriffe deutscher Topmanager erwehren muss.?Ich habe viele rote Tücher eingeladen. US-Vizepräsident Dick Cheney hat sich auch einiges anhören müssen?, sagt Klaus Schwab. ?Das ist das Salz von Davos.?Lesen Sie weiter auf Seite 5:Es gibt viele Gründe, Ende Januar nach Davos zu fahren. Es gibt viele Gründe, Ende Januar nach Davos zu fahren. Zwischen Kontaktbörse und ?Volkshochschule auf höchstem Niveau? (Davos-Stammgast Hubert Burda) reichen die Urteile der Teilnehmer. Für 14 000 Franken und einen Jahresbeitrag von 30 000 Franken kann sich zwischen 9 und 23.30 Uhr jeder in Davos über den Zustand der Europäischen Union oder das Wesen von Finanzmarktblasen informieren. Oder im benachbarten Hotel Seehof mit nordostasiatischen Karikaturisten diskutieren. Oder darüber spekulieren, ob ?Gott die Demokratie liebt?.Mit diesem Konzept hat Schwab einen guten Teil der weltwirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Prominenz zu Stammgästen in Davos gemacht: Bill Gates, Heinrich von Pierer, Elie Wiesel, Bill Clinton.?Klaus Schwab hat aus einem kleinen Berg-Treffen ein weltumspannendes Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geschaffen?, beschreibt von Pierer dessen unternehmerische Leistung. Schwabs hervorstechendste Eigenschaften seien ?Unbestechlichkeit und Bescheidenheit?, sagt der Siemens-Aufsichtsratschef, ein Davos-Stammgast seit den frühen 90er-Jahren und Mitglied im Stiftungsbeirat des Forums.Schwab selbst geht es um Verständigung und Initiativen, um die große Geste und die kleine Hilfe. Auf seine sperrige und moralische Art will der Mann die Welt verbessern. ?Wir sind die einzige wirklich globale Plattform, die verschiedene Entscheidungsträger einbezieht?, sagt er.Und so sieht man ihn in Davos vor allem auf dem Podium neben Politikern, die von Schuldenerlass für Afrika oder einer neuen Klima-Initiative künden. Kerzengerade sitzt er da und fordert in seinem harten englischen Akzent die anwesenden Unternehmensführer zu ?global citizenship? auf.Auf den Abendveranstaltungen sieht man Schwab hingegen nur selten. Small Talk ist seine Sache nicht. ?Zurückhaltend?, charakterisiert ihn Heinrich von Pierer.Schwab selbst sagt es viel drastischer: ?Ich bin einer der asozialsten Menschen, die ich kenne.? Auch privat daheim in Genf: ?Ich gehe nur sehr selten auf Abendessen oder Cocktail-Empfänge, zu denen ich eingeladen werde.?Außer in Davos hält er keine öffentlichen Reden. Über die Vermischung von Beruflichem und Privatem ? eigentlich das Geschäftsprinzip einer Branche, die von persönlichen Kontakten lebt ? setzt sich Schwab hinweg. ?Es funktioniert nicht nach dem Prinzip: Kommst du auf meine Party, dann komme ich auch zu deiner?, sagt der Mann mit dem vermutlich berühmtesten Adressbuch der Welt. ?Man muss eine Mission und die richtige Idee zur richtigen Zeit haben, dann kommen alle, auch ohne dass es Abhängigkeiten gibt.?So kann sich Schwab erlauben, weder mit Wirtschaftsführern noch mit Globalisierungskritikern zu paktieren. In Zeiten, in denen die Wirtschaftschefs dem Shareholder-Value frönen, lobt er unverdrossen den Stakeholder-Value-Ansatz, der auch die Rolle von Mitarbeitern und Kunden für ein Unternehmen würdigt. In der Ära der Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds kritisiert er ?als Theoretiker deren überzogene Renditeerwartungen?. Früh schon bittet er Globalisierungskritiker zum Diskurs.Lesen Sie weiter auf Seite 6:Nicht immer findet das den Geschmack seines Publikums.Nicht immer findet das den Geschmack seines Publikums. Einige finden, Schwab komme den Globalisierungskritikern zu weit entgegen, und stufen die Davoser Foren mit ihren Aufrufen für mehr Gerechtigkeit in der Welt als belanglos ein. Aber auch die Zahl seiner Fans unter den Anti-Globalisierern ist begrenzt: Nicht umsonst wurde das Welt-Sozialforum im brasilianischen Porto Allegre ausdrücklich zur Konkurrenzveranstaltung zu Davos erklärt.Schwab fühlt sich zwischen den Stühlen wohl. ?Unsere Funktion ist es, globale Wirtschaftspolitik zu betreiben?, sagt er und bezeichnet sich als ?ersten Globalisierungsgegner?, der früh davor gewarnt habe, dass der Rechtsrahmen für internationale Unternehmen zu vage sei.Schwab weiß, dass nicht alle Mitgliedsfirmen des World Economic Forums diese Art Engagement goutieren: ?Von unseren 1 000 Mitgliedern würden etwa 400 das Konzept der ,global citizenship? voll unterschreiben. 300 denken sich: ,Na, wenn der Schwab dabei ist?. Und 300 sehen das sehr kritisch.? Der Entwicklung seiner Vision tut dies keinen Abbruch. Der Jahresetat liegt mittlerweile bei 100 Millionen Franken. In der Zentrale in Genf arbeiten die meisten der 230 Mitarbeiter. Im Sommer eröffnete die Stiftung Büros in New York und Peking. Die Hälfte seiner Arbeitszeit reist er um die Welt. Stress??Ich bin gesund?, sagt der 67-Jährige, ?ich kann mich relativ schnell erholen?. Zu Hause steht er um 6 Uhr auf, schwimmt eine halbe Stunde in der Gegenstrom-Anlage seines Pools und frühstückt mit seiner Frau. Früher waren seine beiden Kinder dabei, sie sind jetzt aus dem Haus. ?Ich bin ein Familienmensch, so wie ich es in meinem Elternhaus erlebt habe.? Mit seiner Frau zieht er mindestens einmal im Jahr in die Berge, meist in die Gegend von Zermatt.Davon erzählt er beim Lunch im Golfclub, dessen Rasen so schön duftet. Wer hier Mitglied werden will, muss mindestens sieben Jahre auf der Warteliste ausharren. Mit Geld geht?s auch nicht schneller. Reichtum hat in der Schweiz noch immer eine andere Bedeutung als anderswo.Herr Schwab, sind Sie reich??Ich habe ein wunderschönes Haus mit Seeblick, eine Wohnung in den Bergen und verdiene als Präsident des Forums ordentlich. Ich bin glücklich mit meiner Familie und meiner Arbeit, das zählt.?Was wollen Sie noch erreichen??Unser Forum will die wirtschaftliche Globalisierung fördern. Aber Unternehmen müssen erkennen, dass sie nicht isoliert und nur dem Markt und ihren Anteilseignern verpflichtet sind. Mit der jetzigen Ausgrenzung von Milliarden Menschen ist die Globalisierung nicht zu schaffen. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen sich als Partner verstehen.?Klaus Schwab schaut auf die Uhr. Er muss hinunter nach Genf, um den indischen Präsidenten Abdul Kalam zu treffen. Der ist ein alter Bekannter, natürlich.
HerkunftKlaus Schwab wird am 30. März 1938 in Ravensburg geboren. Sein Vater ist Geschäftsführer in einer Turbinenfabrik. Nach dem Abitur 1957 studiert er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich Maschinenbau. 1962 wird er Diplom-Ingenieur, die Promotion folgt 1965. Parallel studiert er an der Universität Fribourg Wirtschaftswissenschaften, in denen er 1967 promoviert wird. Zwischenzeitlich studiert er auch in Harvard, unter anderem bei Henry Kissinger und John Kenneth Galbraith. Von 1963 bis 1966 arbeitet er zudem als Assistent des Präsidenten des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in Frankfurt.Karriere1967 tritt Schwab (Foto links aus den späten 80er-Jahren) ein ins Management der Sulzer Escher Wyss AG. Zugleich übernimmt er eine Professur für Unternehmensstrategie in Genf. 1971 organisiert er zum ersten Mal ein ?European Management Symposium? im Schweizer Skiort Davos. Weil die Veranstaltung nach anfänglichen Erfolgen in Schwierigkeiten gerät, erweitert er das Konzept von reinen Management- auf weltpolitische Themen. 1976 wandelt er seine Stiftung um in eine Mitgliederorganisation. Seit 1987 nennt sich das Treffen ?World Economic Forum?. Immer wieder kam es dort zu wichtigen weltpolitischen Debatten. 1987 fordert Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher den Westen auf, die Reformen des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow ernst zu nehmen. Im Jahr darauf brachte Schwab die verfeindeten Staatschefs der Türkei und Griechenlands an einen Tisch. 1990 trafen sich Bundeskanzler Helmut Kohl und der neue DDR-Staatschef Hans Modrow in Davos, zwei Jahre später die Südafrikaner Nelson Mandela und Frederik de Klerk.2002 verlegt Schwab den Tagungsort erstmals weg von Davos ? nach New York. Das soll vier Monate nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 Selbstbehauptungswillen und Zusammengehörigkeitsgefühl der Weltführungskräfte fördern.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.12.2005