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?Ich bin geizig und stolz darauf?

Von Georg Weishaupt
Ikea-Gründer Ingvar Kamprad wird 80 und könnte es sich einfach nur gut gehen lassen. Doch der laut ?Forbes? viertreichste Mann der Welt kann es nicht lassen und zieht beim Möbelkonzern immer noch die Fäden. Er könnte es sich einfach nur gut gehen lassen in Epalinges, wo er nach Informationen von Beobachtern ein ?gediegenes Einfamilienhaus? besitzt.
DÜSSELDORF. Er könnte das Leben dort im Schweizer Waadtland genießen, wo Prominente wie Formel-1-Pilot Michael Schumacher und Popstar Phil Collins entspannen.Doch Ingvar Kamprad kann es nicht lassen. Bei seiner Möbelkette Ikea behält der Mann mit den grauen, leicht widerspenstigen Augenbrauen, der heute 80 Jahre alt wird, nach wie vor die Fäden in der Hand. Und er nimmt strapaziöse Reisen in Kauf, um große Projekte selbst voranzubringen wie die Investitionen in Russland, wo Ikea in den nächsten Jahren rund 3,2 Milliarden Euro investieren will.

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18 Stunden täglich auf den BeinenIn Russland, ?das ich seit 30 Jahren besonders liebe?, ist er 18 Stunden täglich auf den Beinen, besichtigt Fabriken, verhandelt hart und entschlossen über Preise und kalkuliert Liefermengen. So zumindest zeigt er sich in einem Film des schwedischen Fernsehens. Das hatte die seltene Gelegenheit, den öffentlichkeitsscheuen Milliardär eine Woche lang zu begleiten.
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Der Mann, der mit seinen Möbeln Billy, Ivar & Co. deutsche Wohnzimmer geprägt hat wie kein anderer, ist trotz des Erfolgs sparsam geblieben. ?Ich bin geizig und stolz darauf?, ließ er das Lausanner Lokalblatt ?Le Matin? wissen. Er fährt einen 17 Jahre alten Volvo. Als einzigen Luxus leistet er sich nach eigenen Angaben ?ein kleines Weingut? in Frankreich.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Sparsam war er schon immerSparsam war er schon immer. ?Um Preise kreiste sein ganzes Denken?, schreibt Rüdiger Jungbluth in seinem Buch ?Die 11 Geheimnisse des Ikea-Erfolgs?. Der Sohn eines Forstbesitzers gründet 1943 nach Tischlerlehre und Höherer Handelsschule in seinem schwedischen Heimatort Agunnyard das Handelsunternehmen IKEA ?I?ngvar ?K?amprad ?E?lmtaryd ?A?gunnaryd. Ab 1953 konzentriert er sich auf preiswerte Möbel. Das Konzept geht auf. Heute betreibt der Konzern 221 Filialen weltweit ? allein 37 in Deutschland ?, beschäftigt 90 000 Mitarbeiter in 44 Ländern und setzte zuletzt 14,8 Milliarden Euro um.Das Erfolgsbild wurde zeitweise getrübt, als herauskam, dass Kamprad zurzeit des Zweiten Weltkriegs Mitglied in einer nationalistisch orientierten schwedischen Jugendbewegung war. ?Das war das größte Fiasko meines Lebens. Dafür schäme ich mich?, entschuldigte er sich später.Kamprad steuert sein Möbelreich über ein Netz aus Stiftungen und Holdinggesellschaften von der Schweiz aus. Wann er die Kontrolle mal abgeben wird, ist offen, auch wer seiner drei Söhne das Rennen machen wird. Zwar trat 2004 Sohn Mathias erstmals in eine nach außen sichtbare Position bei Ikea, als er die Leitung der dänischen Tochterfirma übernahm.Doch damit ist noch nichts über die Nachfolge entschieden. Die Söhne ?müssen sich ihren Platz erarbeiten?, sagte Vater Ingvar in einem Stern-Interview.Mitarbeit von: Jan Dirk Herbermann
Dieser Artikel ist erschienen am 30.03.2006