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?Ich bin die Party?

Von Katharina Kort
Bescheidenheit ist nicht seine Stärke. ?Ich hätte gerne im 16. Jahrhundert gelebt und eine Familie wie die Medici im Rücken gehabt?, sagt der aus Florenz stammende Modedesigner Roberto Cavalli ganz ohne Selbstzweifel. Aber die Medici können ihm nicht mehr helfen. Deshalb sucht er eine moderne Alternative.
MAILAND. Schon in den kommenden Tagen soll die Investmentbank Merrill Lynch einen Bieterprozess für das Modehaus in Gang bringen. Vor allem Private-Equity-Investoren kommen nach Ansicht Cavallis infrage.?Ich bin nicht unsterblich, und meine Energien sind nicht unendlich: Ich brauche einen Partner, der mich in drei Jahren so schnell wachsen lässt, wie ich es sonst in zehn Jahren könnte?, sagt der 67-Jährige der italienischen Wirtschaftszeitung ?Il Sole 24 Ore?.

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Mit der Investorensuche geht Cavalli ein Problem an, vor dem viele seiner Kollegen stehen. Die meisten berühmten Designer sind in den 60er- und 70er-Jahren groß geworden und müssen nun schauen, wie sie ihre Unternehmen für die Zeit nach ihrer Herrschaft aufstellen, finanziell und personell.Zurzeit läuft das Geschäft für Roberto Cavalli gut. Er kleidet Stars wie Shakira und Christina Aguilera auf ihren Tourneen ebenso wie die Spice Girls bei ihrer Comeback-Tour. Er schneidert ähnlich wie Karl Lagerfeld mal eine Kollektion für H&M. Und Cavalli, der gerne mit dicker Zigarre und Sonnenbrille auftritt, inszeniert sich am liebsten selbst. So lässt er H&M in seine prunkvolle Familienvilla bei Florenz, um einen Werbespot zu drehen. Da tobt bereits eine Party, als er auftaucht. Auf die Frage, ob er nicht die Party verpasse, antwortet Cavalli: ?Ich bin die Party.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch Cavalli braucht GeldTrotz so viel Selbstbewusstsein: Ohne Private-Equity-Investoren dürfte auch für ihn die Party nicht ewig dauern, wie bei anderen Konkurrenten. Im vergangenen Jahr hat der britische Finanzinvestor Permira die Valentino Fashion Group übernommen. Im Jahr zuvor hatte Prada die deutsche Tochter Jil Sander an Change Capital Partners (CCP) in London verkauft.Vor allem für die internationale Expansion brauchen die Modehäuser Geld, denn dafür sind Läden in den Großstädten weltweit nötig, und die Ansprüche an Design und Architektur steigen. Andererseits sind Luxus- und Modeunternehmen wegen ihrer hohen Margen bei den Private-Equity-Investoren ?als Cash-Generatoren? beliebt.Auch Cavallis Zahlen können sich sehen lassen: Im zurückliegenden Jahr kam sein Unternehmen bei einem Umsatz von 238 Millionen Euro auf eine operative Gewinnmarge von 39 Prozent.Im vergangenen Jahr hatte Cavalli bereits das Luxuskonglomerat Richemont als möglichen Käufer selbst ins Spiel gebracht, doch dem folgten keine Taten. Nun zeigt er sich auch offen für Finanzinvestoren. Der Designer sagt bisher nicht, ob er das gesamte Unternehmen oder nur eine größere Beteiligung verkaufen will. Angeblich schätzt er den Wert seines Unternehmens auf 1,4 Milliarden Euro. Das würde dem 14-Fachen des Vorsteuergewinns entsprechen und wäre selbst für die Modebranche ? in der auch zweistellige Multiples bezahlt werden ? ein stolzer Preis.Lesen Sie weiter auf Seite 3: ?Ich will das Beste, was der Markt zu bieten hat?Dass er weiterhin mitreden will, daran lässt Cavalli aber keinen Zweifel: ?Ich will das Beste, was der Markt zu bieten hat, von den Managern bis zu den Stilisten. Und natürlich will ich als Trainer bleiben?, sagt der Mann, dessen Tochter im Unternehmen arbeitet.Damit dürfte sich an dem lauten, knalligen Stil des Hauses in Zukunft nicht viel ändern. Der Sohn einer Schneiderin und Enkel eines berühmten Malers hat eine Vorliebe für Muster aus der Natur. Leoparden-, Tiger- und Zebramuster gehören zum Bestandteil seiner Kollektionen. Schon in den 60er-Jahren ließ er eine spezielle Drucktechnik auf Leder patentieren. Seine in Weiß gehaltene Mailänder Wohnung schmücken Kissen mit Zebrafell und Ozelotdecken.Vielleicht ist es Neid: Doch in Mailands elitären Nobelzirkeln ist seine Modekunst umstritten. ?Er ist als Person genauso vulgär wie seine Mode?, sagt der Verkaufsdirektor einer Konkurrenzmarke über ihn. Andere, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, entwerfen ein anderes Bild von Roberto Cavalli. Sie beschreiben ihn als ?angenehmen, ruhigen Menschen?.Ob ihn die Medici-Familie wie Michelangelo gefördert hätte, wird er nicht mehr erfahren. Ob Private-Equity-Investoren einsteigen wollen, wird sich dagegen schon in den kommenden Monaten zeigen.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.03.2008