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?Geheim ist geheim?

Von Nils Rüdel
Béatrice Guillaume-Grabisch ist Chefin von Coca-Cola Deutschland. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht die Unternehmerin über ihren Führungsstil, die Lust auf die große, weite Welt und darüber, ob sie schon einmal Pepsi getrunken hat.
Béatrice Guillaume-Grabisch: "Jeder Enttäuschung stehen unzählige positive Erlebnisse gegenüber." Foto: PR
Frau Guillaume-Grabisch, erinnern Sie sich an Ihre erste Berührung mit einer Coca -Cola?

Die besten Jobs von allen

Die erste bewusste Erinnerung datiert aus meiner Studienzeit in Amerika. Ich habe dort die Coke Light für mich entdeckt und sie flaschenweise mit nach Hause geschleppt, denn in Frankreich gab es sie zu dieser Zeit noch nicht. Gehalten hat mein Vorrat allerdings nie lange. Ich hätte mir damals übrigens nie träumen lassen, dass ich Jahre später einmal an der Quelle arbeiten würde.Sie sind Französin und seit anderthalb Jahren Chefin für den deutschen Markt bei einem amerikanischen Konzern. Klingt schwierig ...... ist es aber nicht. Für mich ist die Arbeit in einem internationalen Umfeld ja nichts Neues. Ich habe in den Vereinigten Staaten und in Frankreich - dort für einen amerikanischen Konzern - gearbeitet, war bei einem französischen Unternehmen in Deutschland und führe jetzt das deutsche Geschäft eines amerikanischen Weltunternehmens. Ich versuche, das Beste aus allen diesen Kulturen in meinen Führungsstil einfließen zu lassen. Für mich ist das wie ein gut gemixter Cocktail.Das hört sich klasse an, aber wie jongliert man mit den verschiedenen Unternehmenskulturen?Die ergänzen sich wunderbar. Coca -Cola hierzulande verbindet Organisationskraft und Strukturiertheit, die für Deutschland typisch sind, mit der zupackenden, leidenschaftlichen Art der Amerikaner.Ist das auch Ihre Art, das Zupacken?Ich glaube schon. Es ist schwer für mich, etwas beiseite zu lassen und zu vernachlässigen.Wie sieht Ihr Führungsstil aus? Sie sollen ja den Film "Der Teufel trägt Prada" mögen, in dem eine herrische Chefin ein hartes Regiment führt ...... halt! Der Film hat mir gut gefallen, ja. Aber ich mag den Charakter der Figur nicht. Und was die Kontrolle angeht: Ich setze klar auf Vertrauen und verlasse mich auf meine Mitarbeiter.Wer viel vertraut, wird leicht enttäuscht. Schon mal passiert?Selbstverständlich. Aber jeder Enttäuschung stehen unzählige positive Erlebnisse gegenüber, in denen mein Vertrauen gerechtfertigt wurde. Zudem: Jede Enttäuschung beinhaltet einen Lernprozess und schärft die Menschenkenntnis.Sie haben schon mit 21 an der Pariser Elite-Hochschule Essec graduiert. Sind Sie eine Streberin?(lacht) Nein. Erstens fängt man in Frankreich früher an zu studieren. Und zweitens hatte ich auch ein bisschen Glück.Trotzdem könnte man meinen, Sie haben nur gelernt, während andere Studenten Party machten ...Sie wollen wissen, ob ich eine Nachteule bin? Auf jeden Fall. Wir haben während des Studiums viel gearbeitet, aber auch viel gefeiert. Nur: In meiner Studentenzeit kam ich mit weniger Schlaf aus als heute, zwanzig Jahre später. Aber auch heute begehe ich wichtige Anlässe gerne feierlich, ob nun im privaten Rahmen oder mit Mitarbeitern.Lesen Sie weiter auf Seite 2: "In einem anderen Leben wäre ich Archäologin geworden."Wann wussten Sie, dass Sie eine Karriere als Managerin anstreben wollen?Ich war durch mein Elternhaus vorgeprägt: Mein Vater arbeitete bei einem großen Unternehmen, war viel unterwegs und weckte in mir die Lust auf die große, weite Welt. Der Wunsch, in die Wirtschaft zu gehen, entwickelte sich konkret allerdings erst während meines Studiums.Nie mal den Wunsch gehabt, etwas anderes zu machen?In einem anderen Leben wäre ich Archäologin geworden. Es gibt viel, was man machen möchte und machen könnte. Aber es gefällt mir so, wie es ist.Sie waren nach dem Studium bei Colgate, Beiersdorf, Johnson & Johnson und L?Oréal. Haben Sie jemals Nachteile erfahren, weil Sie eine Frau sind?Das mag es da und dort gegeben haben. Ich habe aus der Frage des Geschlechtes aber nie eine große Sache gemacht. Vermutlich auch, weil Frauen im Management in Frankreich seit langem schon nichts Außergewöhnliches, sondern gelernte Praxis sind.Was raten Sie jungen Frauen?Hinterfragt euer Tun, aber zweifelt nicht an euch! Es fängt immer mit dem Selbstverständnis an: Wenn man an sich und seiner Rolle zweifelt und Angst hat zu versagen, dann kann man andere nicht überzeugen. Und wenn man nicht überzeugen kann, versagt man. Das ist eine selbst erfüllende Prophezeiung, ein Teufelskreis.Unter Ihrer Führung wächst das Unternehmen wieder, dennoch ist der Umsatz im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Wurmt Sie das?Natürlich stellen mich die Quartalsergebnisse nicht zufrieden. Man muss sie allerdings auch einordnen: 2006 hatten wir einen wunderbaren Sommer und die Fußball- WM in Deutschland. Das war etwas Besonderes, das man 2007 nicht toppen konnte.Was haben Sie noch vor mit Coca -Cola?Wir möchten unser Portfolio an alkoholfreien Getränken für jeden Konsumentenbedarf konsequent weiter ausbauen. Eine Marke wie Coca -Cola, die auf der Welt fast so bekannt ist wie das Wort "okay", hat ein riesiges Potenzial.Sind Sie eigentlich eingeweiht in das sagenumwobene Geheimrezept der Coca -Cola?Geheim ist geheim. Deshalb kenne auch ich das Rezept nicht.Haben Sie schon mal heimlich Pepsi getrunken?Aber natürlich. Man muss die Mitbewerber doch kennen.
Zur Person:Béatrice Guillaume-Grabisch arbeitet seit Mai 2006 für Coca -Cola. Sie startete ihre Karriere bei Colgate -Palmolive in Paris und wechselte dann zu Beiersdorf in Hamburg. Später arbeitete sie für Johnson & Johnson in Düsseldorf, bevor sie Deutschland-Chefin bei L?Oréal wurde. Guillaume-Grabisch hat einen MBA-Abschluss von der University of Illinois, USA. Sie lebt seit 19 Jahren in Deutschland und ist mit einem Deutschen verheiratet.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.02.2008