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?Erfolg ist auch animalisch?

Von Georg Weishaupt, Handelsblatt
Mittelstandspräsident, Finanzprofi und Begleiter auf Wohltätigkeitsgalas: Mario Ohoven, Chef der Investor und Treuhand Beratungsgesellschaft mbH (IT), weiß seine Rollen zu nutzen.
DÜSSELDORF. Er wirkt wie der Präsident eines englischen Clubs oder der Chef einer Privatbank. Die Haare korrekt gescheitelt, dunkelblaues Jackett mit rotem Einstecktuch, darunter ein fein kariertes Hemd mit weißem Kragen. Er thront in einem antiken, grün gesteppten Ledersessel am Kopfende eines ovalen Tisches. Von da aus schaut er auf eine alte Kommode, Ölgemälde mit den ernsten Mienen der Vorfahren und Tischlampen mit schweren Messingfüßen.Mario Ohoven rückt auf dem Chefsessel nach vorne, hebt den Kopf und spricht: erst über die Osterweiterung und den Frust vieler Mittelständler. Dann über das ?Unterbewusstsein als Baustelle des Lebens und Arbeitsraum der Seele?. ?Erfolg ist auch animalisch?, philosophiert er und wird schließlich politisch: ?Wenn der Mittelständler sich nicht wehrt, wird er weggekehrt.? Dabei schaut er in die Ferne, als spräche er vor großem Publikum. Aber der Mann sitzt im Konferenzraum seiner Firma Investor und Treuhand Beratungsgesellschaft mbH (IT) in Düsseldorf.

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Mario Ohoven ist ein Mann mit vielen Rollen: Einmal der Präsident des Bundesverbandes für Mittelständische Wirtschaft (BVMW), der Politiker hart angeht. Ein anderes Mal der lächelnde Ehemann, der an der Seite von Ute Henriette Ohoven auf Wohltätigkeitsgalas mit den Reichen dieser Welt plaudert. Und als Inhaber der Investor und Treuhand ist er der gerissene Finanzprofi.Der gelernte Bankkaufmann ist so vielseitig wie umstritten. So geriet erst sein Gerangel mit einem Rivalen um die Verbandspräsidentschaft in die Schlagzeilen und dann der Streit mit dem Ex-Hauptgeschäftsführer des BVMW. ?Neid und Missgunst gibt es in keinem Land so wie hier. Da bin ich in guter Gesellschaft?, kommentiert Ohoven leicht säuerlich und streift über die Krawatte mit den Pferdemotiven. ?Aber Neid ist die höchste Form der Anerkennung.?Ob seine Firma und ehemalige Berater deshalb rechtlich belangt werden? Am 3. Juni stehen zwei seiner Ex-Vertriebsleute vor dem Düsseldorfer Schöffengericht. Sie sind wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Das Verfahren ist ein Nachspiel zu einem Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Da bekam ein Mühlheimer Rentnerehepaar Recht, weil es sich beim Kauf eines Filmfonds falsch beraten sah.In einem anderen Fall sollen Ohovens Vermittler bei einem Immobilienprojekt Provisionen erhalten haben, die im Prospekt falsch ausgewiesen waren. Der Bundesgerichtshof hat den Fall an das Oberlandesgericht Düsseldorf zurückgereicht. Der Anwalt der Anleger, Jens Graf, hofft jetzt, die Schadensersatzforderung gegen die Vermittlungsfirma IT durchzusetzen, und hat ?die Klage auf Herrn Ohoven erweitert?.Der Beklagte ist über das BGH-Urteil empört. ?Dann müsste auch jeder Schmuck- und Diamantenhändler Auskunft über seine Provisionen geben.? Ohoven betont, die beiden Verfahren seien die einzigen, die gegen sein Unternehmen entschieden wurden. Seine Bilanz: rund 400 Objekte, 22 000 Kunden, über 3,6 Milliarden Euro Umsatz in 24 Jahren und heute 100 Vertriebsleute. ?Damit können wir sehr zufrieden sein.? Auch Kritiker wie Karsten Lucht vom Verband geschlossene Immobilienfonds (VGI) erkennen an, ?dass Ohoven zu den wenigen gehört, die sich im grauen Kapitalmarkt so lange behaupten?.Ohoven ist ein Meister darin, seine Posten geschickt zu verknüpfen. Beispiel ?Zeitgespräche?: Da lädt er Politiker wie Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bestsellerautoren wie Peter Scholl-Latour zu Vorträgen ein. Ohoven gibt dann den Mittelstands-Präsidenten.Als sich Hunderte Zuhörer nach einer Veranstaltung im Düsseldorfer Hilton bei Mettbrötchen und Bier stärken, schwärmen Berater aus, um Kunden für Film- und Immobilienfonds seiner Finanzvermittlungsfirma IT zu gewinnen. Auch Unesco-Botschafterin Ute Henriette Ohoven lässt sich im Foyer sehen. Und ihr Mann signiert sein Buch ?Magie des Powerselling?, begleitet von zwei auffällig stark gebauten Herren mit ernstem Blick.Stolz ist Ohoven, auf 130 Vorträge 2003 und auf seine Verbandsbilanz. Er habe die Mitgliederzahl auf 53 000 mehr als verdoppelt. Er lobt sein Engagement in der Steuerpolitik und dass er früh auf die Probleme durch die neuen Bankenregeln Basel II hingewiesen habe.?Wo wir Mittelstandsarbeit auf Fachebene machen, da sehen wir Ohovens Verband nicht?, kritisiert hingegen Josef Düren, Mittelstandsexperte im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Barbara Vogt von der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) wird deutlicher: ?Das ist kein seriöser politischer Verband. Die produzieren viel heiße Luft.?Angesichts der Kritik bedauert Ohoven manchmal, dass er nicht Künstler geworden ist. ?Dann hätte ich künstlerische Freiheit und hätte es mit meiner direkten Art viel leichter.? Eigentlich wollte er Opernsänger werden wie sein Vater, der in den vierziger Jahren als Benjamino Monti auftrat, statt die Papierfabrik der Familie in Neuss zu übernehmen. Aber die Mutter schickte Mario zur Lehre in die Deutsche Bank. Und im Finanzgeschäft blieb er.An schauspielerischem Talent hätte es dem 57-Jährigen wohl nicht gefehlt. Ohoven könne von einer Minute auf die andere von Lachen auf Weinen umschalten oder lospoltern, berichten Ex-Vertriebsleute.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.05.2004