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?Edel & Starck? und Herr Richter

Von Hans-Peter Siebenhaar, Düsseldorf
Die Fernsehzeiten sind hart. Der Optimismus bei der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 ist längst verflogen. Die Losung der Unternehmensführung ist klar: Zusatzgeschäfte müssen her. Eine Schlüsselfigur dabei: Jens Richter.
HB DÜSSELDORF. Eine Schlüsselfigur dabei: Jens Richter. Der ehemalige Chefverkäufer von Filmrechten bei der Beta-Film baut seit rund vier Wochen für den TV-Konzern den Filmrechtevertrieb Seven One International auf.Eigentlich wollte Richter selbst Unternehmer sein. Vor rund einem Jahr versuchte er, die frühere Kirch- Firma Beta-Film zusammen mit dem Wagniskapitalgeber Bridgepoint zu übernehmen. Vergeblich ? im Frühjahr hatte ihm sein früherer Förderer Jan Mojto, einst Stellvertreter von Kirch, einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die besten Jobs von allen

Ganz bei null fängt Richter aber nicht an ? auch nicht kürzlich auf der Filmmesse Mipcom, wo er seinen ersten Auftritt im neuen Job hatte. Der Verkäufer kennt wie kein Zweiter die internationale TV-Szene. Eloquent und konzentriert erzählt der braun gebrannte 38-Jährige über seine Ware: Filme, Serien und Dokumentationen. Bereits seit zehn Jahren fährt Richter zur Filmmesse. Doch diesmal ? als Vertriebschef der Pro Sieben Sat 1 ? ist alles anders: Das Geschäft muss aufgebaut werden.Nach der bitteren Niederlage gegen Mojto im März tauchte der sportliche Manager für ein paar Monate ab. Nun schaut er wieder nach vorne, die Unterstützung von ganz oben ist ihm sicher: Richter ist direkt de Posch unterstellt. Selbst den Mehrheitsgesellschafter Haim Saban traf er am Rande der Filmmesse zum Gespräch. Der clevere Rechtehändler aus Beverly Hills gibt selbst gern ein paar Tipps für den neuen Geschäftszweig in Unterföhring. ?Wir haben eine ganze Reihe von Programm, dessen Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist?, sagt Richter und schwärmt von Programmen wie dem Wissenschaftsmagazin ?Galileo? und Serien wie ?Edel & Starck? oder ?Typisch Sophie?. Viel TV-Programm hat Richter bei seiner ersten Verkaufstour aber nicht im Gepäck. Das gesamte Angebot passt auf vier großzügig beschriebene Din-A4-Blätter. Zu seinen besten Zeiten bei der Beta-Film präsentierte Richter einen dicken Katalog mit Superhits. ?Er muss aufpassen, nicht zur One-Man-Show zu werden?, warnt eine Filmrechtehändlerin.Doch überleben hat Richter gelernt: zuerst die Pleite von Kirch und dann das Waterloo bei Beta-Film. Der Betriebswirt, der in Nürnberg und München studierte, hat nebenbei auch Psychologie studiert, Schwerpunkt Markt- und Werbepsychologie: ?Das hilft in meinem Geschäft ungemein?, sagt Richter.Er schätzt die Internationalität und das Risiko. Ihm war ein Job beim Elektroriesen Siemens ? dem Arbeitgeber seines Vaters ? zu langweilig. Im Gegensatz zu vielen in der Medienbranche kann Richter aber abschalten. Dann zieht es den Franken mit seiner amerikanischen Freundin in die bayerischen Berge. Egal ob beim Wandern oder Skifahren: Hoch hinaus geht es auf alle Fälle.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.10.2004