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?Direkter Nutzen für das Geschäft?

Rüdiger Hoppe, 47. ist Head of Group Management Development der Allianz AG. Ihm untersteht auch das Allianz Management Institute (AMI). Im Interview erklärt er wie das AMI arbeitet.
Handelsblatt: Herr Hoppe, die Allianz hat ihre Manager-Weiterbildung in einer eigenen Organisation gebündelt, dem Allianz Management Institute (AMI) am Starnberger See. Wie arbeitet das AMI?Hoppe: Das Allianz Management Institut richtet sich auf internationaler Ebene an rund 1000 Top-Führungskräfte und ?High Performers?. Wir bieten Executive Education auf hohem Niveau, setzen einen Rahmen zum Austausch und zur Ausrichtung an den strategischen Ziele der Allianz Group und unterstützen nachhaltig die Entwicklung der Führungsmannschaft. Themen sind Führung, General Management und strategisch wichtige Inhalte aus den Geschäftsbereichen.

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Ihr besonderer Fokus gilt Programmen für das internationale Top-Management. Was machen Sie da genau?Hoppe: Wir unterscheiden Campus Programme (strategische Business-Themen), Leadership-Programme und General-Management-Programme. Pro Jahr besuchen etwa 600 Senior Manager die ca. 30 Programme des AMI.Es wird immer behauptet, Weiterbildung sei ein Tool für das strategische Management. Mehr als nur eine schöne Floskel?Hoppe: Das AMI richtet sich strikt an den Zielen des Gesamtunternehmens aus, und das wird vom Vorstand mitgetragen. Wo notwendig, passen wir existierende Programme an neue strategische Ziele an oder legen ganz neue Programme auf.Wie wichtig ist Weiterbildung für die ?Talent-Pipeline??Hoppe: Weiterbildung ist hier wichtig, kann jedoch den Aufbau eines geeigneten Talentpools nur unterstützen. Auf der Basis eines individuellen Entwicklungsplanes kann man aber die nötigen Entwicklungsmaßnahmen ableiten. Weiterbildung ist hier ein Mosaikstein.Sie organisieren Ihre Weiterbildungsprogramme nicht selbst, sondern kaufen sie weltweit ein, insbesondere auch bei den führenden Business Schools in Europa und den USA. Wie gehen Sie da vor?Lesen Sie weiter auf Seite 2:Wir kaufen nicht nur ein.Hoppe: Wir kaufen nicht nur ein. Die Programmentwicklung ist heute ein sehr komplexer Prozess, der uns zwingt, das Design zu über 50 Prozent selbst zu gestalten und die Umsetzung durch die Business Schools genau zu prüfen. Als Interner kann man die Erfordernisse der Zielgruppen viel genauer abschätzen. Das Design ist Basis für eine internationale Ausschreibung an führende Anbieter, übrigens nicht nur Business Schools, die nach einem Kriterienraster verglichen werden. Wer hier durchkommt, den laden wir zu einem Präsentationswettbewerb ein.IMD und INSEAD, mit denen Sie auch zusammenarbeiten, gelten als die mit Abstand besten Executive-Education-Anbieter in Europa. Was ist dran an dem Ruf?Hoppe: Die führenden Business Schools arbeiten sehr kundenorientiert und haben ein breites Spektrum an internationalen Dozenten, die es verstehen, Executive Education mit professioneller fachlicher Beratung und konkreter Projektunterstützung zu verknüpfen. Heute besteht der Wert eines Programms in dem Nutzen, den es direkt für das Geschäft erzeugt.Das AMI hat sich als erste Einrichtung ihrer Art in Deutschland von der European Foundation of Management Development, die sonst MBA-Programme unter die Lupe nimmt, prüfen und zertifizieren lassen. Warum?Hoppe: Wir wollten über die positiven Erfahrungen unserer Führungskräfte hinaus zeigen, wie gut AMI wirklich ist, wenn man scharfe, externe Maßstäbe anlegt. Erfreulicherweise hat sich der nicht ganz unerhebliche Aufwand für uns gelohnt, und wir haben gut abgeschnitten. Das hilft beim externen Marketing, zum Beispiel an Hochschulen.Die deutschen Hochschulen drängen in den Weiterbildungsmarkt für Manager ? bei Ihnen vor der Haustür die LMU München. Wie weit sind die deutschen Hochschulen von den Standards der international renommierten Business Schools entfernt?Hoppe: Es ist wünschenswert, wenn wir hier in Deutschland verlorenen Boden gut machen können, weil diese Form der Bildung zentral für den Bildungsstandort Deutschland ist. Wir arbeiten mit einer Reihe von deutschen Hochschulen zusammen. Unsere ausländischen Kollegen aus USA oder Asien beurteilen jedoch deren Qualität unterschiedlich, was auch Image-Gründe hat: ?Deutschland? wird dort vielfach nicht mehr mit Dynamik, Innovation, effizientem Management und hohen Bildungsstandards verknüpft, so dass deutsche Hochschulen oftmals nicht als Partner erwogen werden.Auch die European School of Management and Technology, an deren Gründung die Allianz beteiligt war, positioniert sich auf dem Executive Education-Markt? Wie beurteilen Sie die ESMT?Hoppe: Unsere Erfahrungen sind positiv. Kursteilnehmer berichten von hoher Kompetenz der Dozenten und geschäftsrelevanten Lernerfahrungen. In bestimmten Bereichen, z.B. Spezialprogramme für Human Resources, IT oder Marketing, die wir im AMI nicht abdecken können oder wollen, arbeiten wir intensiv mit der ESMT zusammen. Dort finden wir ein gutes ergänzendes Angebot. Die Zusammenarbeit wird sich jetzt, nachdem die ESMT ihren eigenen Campus in Berlin beziehen wird, sicher weiter verstärken.Die Fragen stellte Christoph Mohr.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2005