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Porträt: Ikea-Manager Werner Weber - Der sanfte Eroberer

Von C. Schlautmann und K. Terpitz
Der langjährige Deutschland-Chef Werner Weber steigt beim schwedischen Möbelhaus Ikea zum Vize-Europa-Chef auf. Der Wechsel kommt jedoch wenig überraschend.
Sieben Jahre lang sahen ihn Mitarbeiter im hessischen Wallau selten anders gekleidet als in schwarzer Hose und ebenso schwarzem Pullover. Selbst Kunden des Hauses begegnete Ikea-Chef Werner Weber auf den vorderen Seiten seines Möbelkatalogs für gewöhnlich in seinem Lieblingsoutfit. Ein Anblick, auf den man bald schon verzichten muss. In zwei Monaten bereits verlässt der 50-jährige Geschäftsführer von Ikea Deutschland seinen Posten. Wie das Handelsblatt gestern im Unternehmen erfuhr, ruft ihn Konzernlenker Anders Dahlvig ins schwedische Mutterhaus nach Helsingborg. Dort soll er stellvertretender Europa-Chef werden.Nachfolger wird, wie es bei Ikea in Wallau heißt, der Belgier Luc Lauwers, der in deutschen Branchenkreisen bislang unbekannt ist. Lauwers leitet derzeit für Ikea die Geschäfte in Kanada, wo das schwedische Möbelhaus mit insgesamt elf seiner weltweit über 200 Filialen vertreten ist. Der Wechsel sei zum 1. September geplant. Lauwers? Nachfolgerin in Kanada wird Kerry Molinaro.

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Der Wechsel des Deutschland-Chefs in die europäische Konzernholding kommt für Insider wenig überraschend. Seit fünf Jahren bereits kümmert sich Weber ? sozusagen nebenbei ? um die Expansion des Möbelriesen in Russland. Dort hat Ikea mit deutschem Geld und deutscher Managementhilfe in den vergangenen Jahren fünf Möbelhäuser mit angeschlossenen Einkaufszentren errichtet. 22 sollen es bis 2018 werden ? für Ikea soll Russland nach Deutschland zum zweitwichtigsten Markt werden.Wie man erfolgreich Marktanteile erobern kann, hat Weber auch hier zu Lande unter Beweis gestellt. 1997, im letzten Jahr vor seinem Antritt in Wallau, setzten die blau-gelben Möbelhäuser deutschlandweit 1,33 Milliarden Euro um, im vergangenen Jahr brachten es Webers Filialen auf 2,49 Milliarden. Während der deutsche Möbelhandel 2004 mit Mühe und Rabattaktionen gerade einmal ein Umsatzplus von 0,6 Prozent schaffte, präsentierte Weber im selben Zeitraum einen Umsatzsprung von sechs Prozent. Die neidischen Reaktionen der Konkurrenz blieben nicht lange aus. ?Lebst du schon, oder schraubst du noch?? höhnte ein mittelständisches Möbelhaus in Anspielung auf Ikeas TV-Werbung. Und als der Ikea-Deutschland-Chef vor wenigen Wochen ein Haus in Siegen eröffnete, plakatierte ein Wettbewerber gleich nebenan: ?Lust auf Wohnen? Nur eine BAB-Abfahrt weiter?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: mit StatussymbolenFür viele Händler gilt Weber, der allein in diesem Jahr bis zu vier neue Häuser starten will, längst als Rambo der Möbelbranche. Ikeas Ankündigung im vergangenen Herbst, die Preise auf breiter Front noch einmal zu senken, machten den Ikea-Chef endgültig zum Angstgegner von Segmüller, Porta & Co. Der Verband Deutscher Möbelindustrie (VDM) ging sogar so weit, Weber ?bewusste Verbrauchertäuschung? vorzuwerfen, weil Ikea neben den angekündigten Preisreduzierungen auch einige Preise erhöht hatte.Doch Weber ist alles andere als ein kaltblütiger Draufgänger. Hinter seinem leicht angegrauten Schnäuzer wirkt der gebürtige Ruhrgebietler fast schüchtern, ausladende Gesten sind ihm fremd. In Frankfurter Hochhäusern überkommt Deutschlands mächtigsten Möbelhändler regelmäßig die Höhenangst. ?Ich sitze da lieber mit dem Rücken zum Fenster?, sagt er.Der studierte Psychologe und Sozialwissenschaftler, der seine Karriere bei Ikea 1987 in der Personalabteilung startete, ist so erfolgreich, weil er ein feines Gespür für gesellschaftliche Veränderungen besitzt. Möbel für Haustiere hat er ins Programm genommen und Wohneinrichtungen im Landhausstil, die ältere ? und kaufkräftigere ? Zielgruppen ansprechen als bisher. ?Allein mit der Fokussierung auf Studenten?, erklärt er, ?hätten wir das Wachstum der letzten Jahre nicht geschafft.? Nicht nur dass ihn im Unternehmen alle duzen, macht Weber für Mitarbeiter leicht erreichbar. Der Herr über fast 11 000 Angestellte verzichtet auf eine Sekretärin, die ihn im Unternehmen abschottet. Mit Kollegen teilt er sich stattdessen ein Großraumbüro.Auch beim Firmenwagen, einem VW Passat, bleibt der Vater von zwei Kindern bescheiden. Einen Minivan hätte er sich gönnen dürfen, wären es daheim in Wiesbaden mehr als drei Sprösslinge. Die Zurückhaltung mit Statussymbolen gilt als eine der wesentlichen Vorgaben von Firmengründer Ingvar Kamprad. Der 79-jährige Multimilliardär verblüffte ein Fernsehteam erst neulich, als er nach einem Interview in sein Auto kletterte und davonbrauste ? mit einem weißen Skoda Oktavia.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.07.2005