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Porträt: Allessandro Profumo - Nie ohne einen Plan B

Von Katharina Kort, Handelsblatt
Unicredito-Chef Alessandro Profumo ist der Star unter Italiens Bankmanagern. Jetzt greift er nach der HVB - und stiehlt damit in der italienischen Finanzwelt den anderen fusionierenden Geldinstituten die Schau. Ein Handelsblatt-Profil.
MAILAND. Am Montag hat seine Bank Unicredito die Gespräche mit der deutschen Hypo-Vereinsbank (HVB) über eine mögliche Fusion bestätigt ? und damit die seit Monaten schwelenden Gerüchte über eine mögliche Übernahme der HVB bestätigt.Die große Bühne ist nichts Neues für Profumo. Als der gebürtige Genuese 1996 zum Chef der Bank erkoren wurde, war er mit 39 Jahren der jüngste Bankchef Italiens. Das garantiert Aufmerksamkeit.

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Ebenso wie seine Erfolge: Er hat aus der schwerfälligen Unicredito, hervorgegangen aus der Geschäftsbank Credito Italiano und sechs regionalen Sparkassen, eine schlagkräftige internationale Bank gemacht. Klar trennte er die Zuständigkeiten nach Produktion und Vertrieb. Frühzeitig setzte er auf einheitliche EDV-Systeme und Prozessoptimierung. Und er teilte Unicredito in drei getrennte Institute für Privatkunden, Firmenkunden und die wohlhabende Klientel auf.?Damit war er ein klarer Vorreiter unter den italienischen Banken?, erklärt Marco Opipari, Marktstratege der Rasbanca. Der Börsenwert hat sich seit Profumos Antritt mehr als verfünffacht. Vor zwei Jahren erhielt er die Auszeichnung ?European Banker of the year?.Der ehemalige Unternehmensberater hat vor allem das Auslandsgeschäft vorangetrieben, auch dass eine Novität in Italien, wo Banken sich zuvor gern auf dem Heimatmarkt beschränkten, gehegt und geschützt von der Politik. Früher als andere italienische Bankmanager hat er das Potenzial in Osteuropa erkannt. Heute ist Unicredito die größte Bankengruppe in Osteuropa.Auch wenn er sich dort mittlerweile mit anderen italienischen Banken wie der Banca Intesa und San Paolo Imi ins Gehege kommt, sagt der ehemalige McKinsey-Mann: ?Das Wachstum liegt im Ausland und da vor allem in Osteuropa.?Das ist auch einer der wichtigsten Gründe für den Kauf der HVB: Denn deren Tochter Bank Austria ist ordentlich aufgestellt in Osteuropa. Und: Der Unicredito gelänge endlich der Einstieg in Deutschland. Ein Versuch, die Commerzbank zu kaufen, war 2001 am Preis gescheitert. Im Aufsichtsrat der Deutschen Börse sitzt Profumo ohnehin schon.Der schlanke, nicht besonders hoch gewachsene Mann mit weiß-grauen Haaren und dunklen Brauen über den wachen Augen hat auch in der Politik seine Fans. So gilt der 48-Jährige bei der Mitte-links-Opposition als einer der bedeutendsten Wirtschaftsexperten. Und es wird auch über einen Wechsel in die Politik spekuliert, so wie schon bei mehreren italienischen Managern, darunter Ministerpräsident Silvio Berlusconi. ?Mir macht das Bankgeschäft Spaß?, winkt Profumo aber ab.Auf die Frage, ob er auch die nächsten 48 Jahre bei Unicredito bleiben will, sagte Profumo vor einem Monat am Rande der Hauptversammlung: ?Ich hoffe, dass mir dann ein guter Freund rät, aufzuhören.?Schließlich ist er schon lang dabei. Noch während seines Wirtschaftsstudiums an der renommierten Mailänder Bocconi-Universität hat er begonnen, bei der kleinen Bank Lariano zu arbeiten. Sein Schwiegervater ? Profumo hat schon Anfang 20 geheiratet ? war ihr Direktor.Später knüpfte er als Berater bei McKinsey und Bain wichtige Kontakte für die Zukunft. Noch heute trifft sich der als Gesellschaftslöwe bekannte Manager oft mit seinen ehemaligen Kollegen. Wegbegleiter beschreiben den Vater zweier fast erwachsener Kinder und begeisterten Hobbytaucher als ambitioniert, aber unverkrampft und flexibel.Und tatsächlich wirkt Profumo wie ein Mensch, der in sich ruht, wenn er seinem Gegenüber direkt in die Augen schaut. Er habe stets einen Plan B parat, sagen die, die ihn kennen. Vielleicht ist die Hypo-Vereinsbank der Plan B zur Commerzbank. Oder Profumo hat noch ein Ass im Ärmel, falls es mit der HVB nicht klappen sollte.Doch ein paar Kratzer hat sein Image auch: Im vergangenen Jahr musste Unicredito den Abgang mehrerer Top-Leute verkraften. Unter anderem wechselte Profumos Stellvertreter Pietro Modiano zu San Paolo Imi. Auch die Zahlen glänzen nicht mehr so wie einst. Und: Unicreditos Hauptkonkurrent, die Banca Intesa, holte kräftig auf.Auch sein recht vorsichtiger Geschäftsplan vom vergangenen Herbst war bei den Investoren nicht gerade begeistert aufgenommen worden. Er zielt vor allem auf Kostensenkungen und Personalabbau ? nicht gerade Zeichen einer Bank, die sich bester Gesundheit erfreut.?In letzter Zeit hat Profumo etwas enttäuscht?, sagt auch Marco Opipari, der Marktstratege der Rasbanca: ?Der Markt wartet jetzt auf neue Beweise für seine Fähigkeit.? Die Übernahme der HVB wäre eine Möglichkeit, das zu zeigen, meint Opipari.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2005