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?Augen auf und schauen, dass man weiterkommt!?

Von Martin Tofern
Christian Berner ist seit Januar 2004 Chef der Lekkerland-Tobaccoland GmbH & Co. KG. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht der studierte Volkswirt über seine Karriere, Kochkünste und erklärt, warum Selbstbewusstsein im Beruf wichtig ist.
Christian Berner: "Wenn es um Führung geht, dann profitieren Sie von Ihrer Einstellung und Erziehung." Foto: dpa
Herr Berner, Lekkerland vertreibt auch Fertiggerichte. Wann haben Sie das letzte Mal selbst gekocht?Als meine Frau zur Geburt des zweiten Kindes im Krankenhaus war. Da blieb das erste Kind bei mir und ich musste für uns beide etwas kochen. Das ist 17 Jahre her.

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Was gab es? Nudeln mit Tomatensoße?Nein. Das ist inzwischen bei uns ein Running Gag innerhalb der Familie, es war Milchreis, den meine Frau sehr schön vorbereitet hatte.Was ist Ihr persönliches Leibgericht?Oh, das ist auch ganz furchtbar: Frikadellen, mit ganz viel Fett auf den Kartoffeln!Sie haben Volkswirtschaft studiert. Haben Sie je als Volkswirt gearbeitet?Nein, denn Volkswirte in der Bundesbank oder in Behörden oder in Versicherungsinstituten, die sitzen und analysieren und schreiben Berichte und analysieren und schreiben. Eigentlich braucht man dafür wenig Menschen um sich herum und das wollte ich nie.Aber Grundsätze der Unternehmensleitung bekommt man da ja nicht vermittelt?Ich befürchte, das bekommen Sie bei BWL auch nicht vermittelt. Denn das, was nachher im Leben auf Sie trifft, sind Dinge, die mehr mit dem Common Sense zu tun haben, als mit der reinen Lehre. Wenn es nachher um Führung geht, dann profitieren Sie mehr von Ihrer Einstellung, von der Erziehung und Ihrer Persönlichkeit, als von Dingen, die Sie an der Uni gelernt haben.Hatten Sie während des Studiums schon überlegt, in welcher Branche Sie arbeiten wollen?Als ich mein Examen gemacht habe, war für mich relativ klar, ich muss ein Trainee-Programm machen. Das ist wie ein Edel-Azubi ? der einzige Unterschied: Man kriegt ein bisschen mehr Geld ? aber im Prinzip weiß man nichts. Man kommt in die Wirtschaft, guckt sich die Bereiche an. Ich war damals bei dem Pharma-Konzern Böhringer Mannheim, gehört heute zum Roche-Konzern. Und das war eine supergute Erfahrung, weil ich Fragen stellen konnte ? auch dumme Fragen ? und zum ersten Mal Zusammenhänge gesehen habe.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was bringen gute Bewerber mit?Warum sind Sie nach zwei Jahren gegangen?Weil in der Beschreibung meiner Persönlichkeit auch das Wort Ungeduld vorkommt. Es kam ein Headhunter auf mich zu, der ganz komische Sachen gemacht hat. Der hat meine Handschrift mit der meines nächsten Arbeitgebers verglichen und gesagt, die beiden passen zusammen. So kam der Job auf mich zu. Aber entscheidend war, ganz ehrlich gesagt, das Geld. Ich verdiente 3 000 Mark. Der neue Job brachte 5 000 Mark. 1981! Da habe ich gesagt, das ist ja cool, das machen wir.Was sagen Sie jungen Leuten zum Thema Jobwechsel?Ich sage immer, Ihr müsst nicht unbedingt gehen, wenn es eine Weiterentwicklung innerhalb des Konzerns gibt. Gerade zu Beginn würde ich keinem jungen Menschen raten, eine Funktion fünf Jahre am gleichen Platz auszuüben. Aber ein Wechsel muss auch sinnvoll sein und er darf nicht den Eindruck eines Jobhoppers erwecken. Also Augen auf und schauen, dass man weiterkommt.Was müssen Berufseinsteiger mitbringen, die bei Ihnen anfangen wollen?Sie müssen mobil sein und eine gewisse Ausbildung haben. Internationale Trainees haben zwei Fremdsprachen, eine sehr gute Ausbildung und sind mobil. Das ist das Eine. Bei unseren Assessment-Centern treten aber andere Dinge ganz deutlich in den Vordergrund. Bewerber müssen Selbstsicherheit ausstrahlen.Warum?Wenn Sie ein gesundes Selbstbewusstsein haben, dann kommen Sie mit Tiefen gut zurecht, die kommen nämlich im Laufe des Lebens. Aber mit den Höhen, die Ihnen zufällig auch mal begegnen, kommen Sie auch zurecht und fangen nicht an abzuheben. Und: Sie stellen Fragen. Ein Mensch ohne Selbstbewusstsein stellt keine Fragen ? aus Angst, sie könnten falsch interpretiert werden.Was sollen die Bewerber noch mitbringen?Wenn ein Bewerber das Selbstbewusstsein noch mit einer guten Auffassungsgabe und gutem analytischem Verständnis verbindet, dann bringt er viel mehr mit, als er in der Uni lernen konnte.Ihre Karriere erfordert einen hohen Arbeitseinsatz. Haben sich Ihre Kinder nie beschwert?Meine Kinder haben sich deswegen nie beschwert, weil ich mich am Wochenende schon sehr um sie bemühe. Im Urlaub habe ich beispielsweise zwei Stunden täglich gearbeitet und bin dann wieder an den Strand gegangen und habe mit den Kindern gebuddelt. Da würden Sie mich gar nicht wiedererkennen. Ich war und bin ein intensiver Vater.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Zur Person Christian BernerChristian Berner übernahm im September 2001 den Vorsitz der Geschäftsführung der Lekkerland-Tobaccoland GmbH & Co. KG. Seit Januar 2004 führt er den Konzern Lekkerland als CEO. Der Konzern beliefert unter anderem Tankstellen und Fast-Food-Ketten mit Tabak- und Süßwaren, Getränken, Snacks, Fast Food, Frische-Artikeln, Non-Food und Telefonkarten.Berner wurde 1953 geboren und studierte in Hamburg Volkswirtschaft. Danach arbeitete er in verschiedenen Funktionen bei Böhringer Mannheim, der Unternehmensgruppe Gauselmann, beim Container-Logistiker Eurokai (heute Eurogate) und Kühne & Nagel in Hamburg. Berner ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2008