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Mindestlohn gefährdet Wissenstransfer im Praktikum
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Karrieresprungbrett Praktikum

Wissenstransfer durch Mindestlohn gefährdet

Teil 2: "Generation der Zweifelnden" und ihr Wert

Welche Kompetenzen sollte generell ein Praktikum zutage befördern?

Praktikanten erhalten die Möglichkeit, ihr Fachwissen in der Praxis anwenden zu können. Aber vor allem sollen sie das (Berufs-)Leben lernen. Das beginnt mit ganz alltäglichen Dingen, wie Auftreten und Formulierungsgeschick, geht über die Persönlichkeitsentwicklung bis hin zu ganzen Tagesabläufen. Die Praktikanten bekommen mit, dass sie sich immer auf alles vorbereiten müssen – und nicht einfach ins Tagesgeschehen reinstolpern können. Das gilt ewig. Sie übernehmen branchen- und personentypische Floskeln, Gestik und Mimik. Was sie prägt, ist, dass sie sich durchbeißen müssen – und zwar auf hohem Niveau.

Findet ein beiderseitiger Know-how-Transfer statt?

Eindeutig ja. Wenn Praktikanten ihre Kenntnisse in die Praxis umsetzen dürfen, geschieht das aus meiner Erfahrung superschnell und ist mit guten Einfällen verbunden. Praktikanten verändern die Sichtweise und mischen festgefahrene Ideen auf. Ich diskutiere zum Beispiel viel mit ihnen, lasse ihnen ausreichend Freiraum und bin gespannt auf ihre Ideen. Denn das muss man sagen: Sie gehen ja ganz unvoreingenommen – durch Politik oder Budgetbeschränkungen – an die Themen heran. Es ist der Genuss des unverkrampften Blicks auf Unternehmensseite. Das bringt einen zum Nachdenken.

Praktikanten scheinen sich über den Wert, den sie Unternehmen bieten, selbst nicht bewusst zu sein. Die "Generation der Zweifelnden" – so bezeichnen Sie die Nachwuchskräfte. Wie kommen Sie darauf?

Aus Existenzthemen heraus: Die jungen Menschen fragen heute ständig: Bin ich gut genug? Hab ich ein Auskommen? Studiere ich das Richtige? Ist meine Karriereplanung zukunftsweisend? Oder ist das nur eine Modererscheinung?

Ich stelle fest, dass die Unbeschwertheit fehlt, die früheren Generationen zu eigen war. Alles ist zerbrechlicher. Vielfach wird auch die Globalisierung unterschätzt. Alle wollen zurück; es gibt eine starke Sehnsucht danach, eine Heimat zu finden.

Die Ursache sehe ich in Bologna: Das ganze Studium wurde gestrafft, Auslandssemester vielfach zur Pflicht gemacht.

Aber um ehrlich zu sein: Auf die Bachelor-Absolventen wartet auch keiner. Für die Karriere muss es schon mehr sein. Das spricht sich rum. Und verunsichert.

 

Praktikanten willkommen

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