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HRK will qualitativ hochwertige Praktika im Curriculum
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Bessere Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt

Von qualitätsvollen Praktika sollen Studierende und Unternehmen profitieren

red
Mit der Theorie-Praxis-Verzahnung und systematischen Einbindung von Praktika in die Curricula hapert es seit langem an den Universitäten. Das soll sich schnell ändern. Ein jetzt veröffentlichtes Gutachten der Hochschulrektorenkonferenz und der Uni Potsdam empfiehlt, Praktika aufzuwerten und als Merkmal guter Lehre anzuerkennen.
"Vielerorts sind die Praktika noch immer ein bloßes Anhängsel des Studiums, wodurch wertvolle Lernchancen ungenutzt bleiben. Eine systematische Integration der Praktika in den Studiengang würde die Lernmotivation und damit auch den Studienerfolg erhöhen", sagt der Potsdamer Bildungsforscher Prof. Dr. Wilfried Schubarth. Und nicht nur das: Die Studierenden könnten durch Praktika die berufliche Praxis kennenlernen und akademisches Wissen und aktuelle Forschungsbefunde in den Betrieb bringen.

Gleichzeitig könnten sich Arbeitgeber durch Praktika Fachkräfte sichern. Auch die Hochschulen profitieren durch die (Aus-)Bildung wissenschaftlich qualifizierter Absolventen für den Arbeitsmarkt und erhalten durch die Praktika Anregungen für Forschung und Lehre.

Mit einem Pflichtpraktikum, das zwar die meisten Bachelor- und Masterstudiengänge inzwischen vorsehen, ist es da nicht getan.

Es sei an der Zeit, im Dialog aller beteiligten Akteure – Hochschulen und Studierende, Arbeitgeber und Gewerkschaften – neue Qualitätsstandards zu erarbeiten.


Tipp:
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Zur besseren Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt benötigten die Studierenden nicht zwangsläufig mehr und längere Praktika. Es komme auf eine bessere Betreuung und Reflexion der Praktika an, betonen die an dem nexus-Fachgutachten beteiligten Forscher von den Universitäten Potsdam und Oldenburg. Die Unternehmen müssten "ausreichend gute Praktikumsplätze anbieten, die den Praktikanten herausfordernde Aufgaben bieten", fordert HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler

Bei der Vermittlungen notwendiger Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen sei es elementar, die Praktika nicht nur als Qualitätsmerkmal des Studiums, sondern auch als "wichtigen, gleichberechtigten Lernort" anzuerkennen.

Hochschulen, Fächer und Studiengänge sollen dazu eigene Praktika-Strategien erarbeiten, so die Empfehlungen des Fachgutachtens. Es gehe zudem darum, Formen, Orte, Umfänge, Zeiträume und Organisation von Praktika festzulegen, Praktikumsvereinbarungen abzuschließen, Informations-, Beratungsangebote und Ansprechpartner klar zu kommunizieren, die Anrechnung praktischer Vorerfahrungen und die Bewertung des geleisteten Praktikums zu regeln sowie die Qualität von Praktika zu evaluieren.

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Dieser Artikel ist erschienen am 03.10.2016
 

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